Lahr Ausstellung: Skulpturen bereichern die Stadt

Guido Messer (links) präsentiert bei der "Kunst in die Stadt" im Innenhof des Neuen Rathauses sein kleines blaues Nashorn. Foto: Haberer

Lahr - Guido Messer hat mit der 15. Ausgabe von "Kunst in die Stadt" wieder einmal Akzente gesetzt. Bei der Einführung in den diesjährigen Skulpturenpfad zeigte er den Bezug zwischen menschlichen Individuum und gesellschaftspolitischen Themen.

"The Clapers" hat Guido Messer die fünf auf konstruktiven Gestellen ruhenden Büsten betitelt, die Männer zeigen, die mit geschlossenen Augen in die Hände klatschen. Es sind Politiker, die klatschen, dabei aber weder hinschauen noch zuhören, wie der 1941 in Buenos Aires geborene Bildhauer betont.

Am Sonnenplatz hat er fünf schwarze Frauenbüsten mit weißen Kragen aufgestellt. Fünf Damen unterschiedlichen Alters, die mit strengem Blick in die Luft schauen. "Einigkeit – Persil bleibt Persil" lautet hier der Titel der Skulpturengruppe. Es geht um die Wirkung von Werbung und Konsumorientierung, der Platz neben dem Wochenmarkt hat sich dafür förmlich angeboten.

Negativabdruck wird immer wieder Thema

Die Skulptur hinter der Sparkasse verweist auf das Spiel mit dem Negativabdruck, das in den Arbeiten des seit 1982 als freier Bildhauer tätigen Künstlers immer wieder zu Tage tritt. Der Mann selbst ist längst davongeeilt, zurückgeblieben ist sein Abdruck in der Bronzeskulptur, in der Höhe des Halses flattert noch ein roter Schal in der Luft.

Der große Kopf auf dem Podest am Museumsplatz steht für das Streben nach Schönheitsidealen und medialer Selbstdarstellung. Das aus Bronzeplättchen zusammengesetzte Gesicht wirkt schön und ebenmäßig, es ist aber nur eine ausgehöhlte Fassade ohne individuelle Note.

"Die Obacht" auf dem Rathausplatz geht wieder zurück auf den Ausgangspunkt. Die blau gestrichenen Politiker tragen nun Sonnenbrillen, blicken von oben herab auf die Passanten, scheinen sich aber nicht wirklich für das Geschehen auf dem Platz zu interessieren. Inhaltlich neutral erscheint nur das kleine blaue Nashorn im Innenhof des neuen Rathauses. Es passt vorzüglich an den Ort, fällt aber eine Spur zu klein aus.

Inhaltliches Spektrum in Begleitausstellung im Alten Rathaus erläutert

Messer hinterfragt mit einem ironischen Unterton Uniformität und Hierarchie, charakterisiert menschliche Stereotypen, arbeitet Details seiner Bronzen immer wieder farblich heraus. Das inhaltliche Spektrum wird in der Begleitausstellung im Alten Rathaus ebenso weiter vertieft wie die künstlerischen Ansätze Messers.

Köpfe und Skulpturen werden aufgeschnitten und halbiert, der Negativabdruck zählt zu den immer wiederkehrenden Ansätzen. Farbe hat bei ihm immer auch Signalwirkung. Die Schuhe der nackten Tangotänzerinnen sind ebenso rot wie das Tuch über ihren Oberkörpern. Rot sind auch die Büsten auf der Galerie über dem Ausstellungsraum. Mit gelben Krawatten auf schwarze Gestelle montiert, entwickeln sie ebenso eine politische Aussage wie die "Businessmen".

Messer stellt aber auch bildlich Bezüge zwischen Individuum und gesellschaftlicher Umgebung her, wenn sich seine Figuren oder Abdrücke aus stilisierten Häusern und Körpern herausschälen, wenn seine Negativabdrücke durch den Lichteinfall plötzlich plastisch nach außen gewölbt erscheinen.

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