Lahr Hilfe der Lebensretter wird immer wichtiger

Lahr - Die beiden Badeunglücke vom vergangenen Wochenende haben wieder gezeigt, wie gefährlich Gewässer für Ungeübte werden können. Patric Stippich, Vorsitzender der DLRG Lahr, appelliert mit Nachdruck an die Einhaltung der Baderegeln.

Wöchentliches Training der DLRG in Kippenheimweiler

Blitzschnell werfen sich die Retter der DRLG auf die Bretter und gleiten davon. Beim Redaktionsbesuch unserer Zeitung am Donnerstagabend am Waldmattensee demonstrieren sie, wie ihr wöchentliches Training aussieht. Diesmal auf dem Programm: die Rettung mit dem Brett.

Ein Mitglied simuliert das Opfer, das gerettet werden muss. Trainingsleiter Daniel Schüle nähert sich dem Hilfesuchenden vorsichtig mit dem Brett. Er spricht kurz mit ihm und legt dann los: Innerhalb weniger Sekunden hievt Schüle den Ertrinkenden aufs Brett. Jeder Handgriff sitzt. Zu guter Letzt klettert er selbst noch aufs Brett. Gerettet! Das wiederholen beide noch einmal.

Bis zum Rettungsort dauert es keine zehn Sekunden

Einige Meter weiter trainieren zwei weitere Einsatzkräfte die Rettung mit dem Rettungsgurt. Dabei legt Patric Stippich, Vorsitzender der DLRG Lahr, selbst Hand an. Er erspäht den Ertrinkenden, springt mit einem Köpfer ins Wasser und sprintet los. Keine zehn Sekunden später hat er ihm den Gurt umgeschnallt und begibt sich mit ihm an Land.

Die DLRG Lahr scheint gerüstet. Doch solche Szenarien ließen sich vermeiden, wenn sich Badegäste richtig verhalten würden, erklärt der Vorsitzende. Eigentlich sei die Formel nämlich simpel: Wer einfache Baderegeln befolge, sei für das sichere Baden gerüstet. Leider aber begeben sich manche in Lebensgefahr. Am Samstag war eine 19-Jährige im Waldmattensee ertrunken, am Sonntag starb ein 48-Jähriger im Kappeler See (wir haben berichtet).

Zahlreiche tödliche Gefahren in den Badeseen

Stippich beschreibt typisches Fehlverhalten: Die Badegäste sind noch gar nicht richtig vor Ort angekommen und springen gleich – im schlimmsten Fall noch mit dem Kopf voraus – ins Wasser. Davon rät der Vorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung dringend ab: Sprünge seien nur dann erlaubt, wenn das Wasser frei und ausreichend tief ist. Auch der mögliche Temperaturschock sei eine Belastung für den Organismus. Zudem könne das Wasser an bestimmten Punkten unterschiedlich tief sein. Alles tödliche Gefahren.

Auch Prävention gehört für die DLRG und Stippich zur täglichen Arbeit. Mit Informationsmaterialien an unterschiedlichen Gewässern weisen sie Besucher auf Gefahren hin. Etwa mit Flyern oder Luftballons werden Eltern und Kinder angehalten, sich die zehn Gewässer-Gebote selbst näherzubringen (siehe Infokasten). Diese werden auch beim Schwimmabzeichen abgefragt. Zusätzlich bietet die DLRG Kindergartentage an. Dabei werden Kindern Gefahren am und im Wasser spielerisch vermittelt.

Immer weniger Kinder können schwimmen

Was sich bundesweit abzeichnet, mache sich auch in Lahr bemerkbar: Immer weniger Kinder können schwimmen. Die Gründe sind laut Stippich komplex. Einer der Hauptfaktoren sei der fehlende Zugang zu den Bädern. "Die meisten Gemeinden haben keine Schwimmmöglichkeit", klagt der 42-Jährige. Problematisch sieht er die Entwicklung weg von Sport- zu immer mehr Spaßbädern. "Dort muss man nicht zwingend schwimmen können."

Zur begrenzten Becken-Kapazität kam im Frühjahr noch das Coronavirus hinzu. Die DLRG musste deshalb im März nach nur drei absolvierten Terminen die Schwimm- und Rettungsschwimmerkurse auf unbestimmte Zeit unterbrechen. "Sobald Kurse wieder erlaubt sind, wollen wir im Herbst wieder neue anbieten", erklärt Stippich. Neue Anfragen müssen dann aber erst einmal warten.

Schlechtes Körpergefühl führt zu mehr Unterrichtsstunden

"Der Kraulstil ist einfacher", sagt Stippich. Denn: Beim Bruststil müsse man die entsprechende Wasserlage haben. Anfänger benötigen laut Stippich rund zehn bis zwölf Unterrichtseinheiten bei der DLRG, um schwimmen zu können. Generell sollten Anfänger die nötige Eigeninitiative, keine Angst vor Wasser sowie motorische Fähigkeiten mitbringen, rät der Experte. Doch in den vergangenen Jahren habe er bei Teilnehmern von Schwimmkursen ein immer schlechteres Körpergefühl festgestellt. Das führe dazu, dass die Teilnehmer länger brauchen, bis sie schwimmen können.

Trainieren müssen auch die Kräfte der DLRG, die drei Trainingsgruppen hat: Rettungsschwimmer, Grundausrüstung sowie die Gruppe der Bootsführer, Sanitäter, Taucher und Strömungsretter. "Wir langweilen uns nicht, sondern bleiben fit",so Stippich.

Einmal wöchentlich trainieren die Rettungsschwimmer. Die Taucher und weitere Einsatzkräfte üben seltener, da der Aufwand bei ihnen deutlich größer ist. Dabei sind die DLRG-Helfer alle ehrenamtlich im Einsatz und arbeiten an anderen Dienstorten. Das könne die Anreise zum Unglücksort deutlich erschweren, erklärt Stippich.

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