Lahr Schüler lernen voneinander

Larissa und Marco besuchen beide die berufsvorbereitende Einrichtung – mit Erfolg. Foto: Breuer

Lahr - Sie werden oft als nicht leistungsfähig für den ersten Arbeitsmarkt bezeichnet: Schüler der Gutenberg- oder Georg-Wimmer-Schule. Und doch zeigen genau solche Schüler, dass Vorurteile nicht berechtigt sind.

Es ist Donnerstagvormittag. In der Ortenauhalle sind zwölf Schüler dabei, ein Kraftzirkeltraining zu absolvieren. Darunter sind Larissa und Marco. Die beiden 17-Jährigen sind Schüler der Georg-Wimmer-Schule (GWS) und besuchen das BVE, eine berufsvorbereitende Einrichtung, die die Schule seit 2011 in Kooperation mit der Maria-Furtwängler-Schule anbietet. Die Inklusion funktioniert so gut, dass die Schüler der BVE ein eigenes Klassenzimmer in der Schule haben und unter den anderen Schülern schon gar nicht mehr auffallen.

Larissa war früher in der Gutenbergschule und wechselte dann zur GWS. Ihre Entwicklung ist so beeindruckend wie die von Marco, der von Anfang an in der GWS unterrichtet wurde. Die Stärken der beiden liegen, wie auch bei ihren Schulkameraden, vielleicht nicht gerade im intellektuellen Bereich. Dafür, so Andrea Weber, die die BVE vonseiten der GWS betreut, sind sie sehr freundlich, zuvorkommend, zuverlässig, arbeitswillig, fleißig und sehen die Arbeit. Schlüsselqualifikationen, die Arbeitgeber zu schätzen wissen und nicht selbstverständlich sind.

Allerdings müssen viele Arbeitgeber auch erst eigene Erfahrungen machen. "Die, die unsere Schüler im Praktikum hatten, sind meist auch bereit, den Jugendlichen in eine Festanstellung zu übernehmen", berichtet Weber.

Viele Teilnehmer können vermittelt werden

Für die jungen Leute gebe es aber keine Extrawurst beim Arbeiten. Einen Nachteilsausgleich gebe es nicht. Seit der Gründung der Einrichtung habe fast jeder Teilnehmer in Arbeit des ersten Arbeitsmarkts vermittelt werden können. "Klar sind es ›nur‹ Helfertätigkeiten, die unsere Schüler am Ende ausüben“", wissen die Lehrkräfte. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Viele von ihnen haben am Ende, wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, einen Abschluss, der dem Hauptschulabschluss gleichkommt.

In drei Unterrichtsbereichen läuft die Kooperation: Religion, Sport und außerschulische Veranstaltungen wie Ausflüge, Betriebsbesichtigungen und ähnliches. Der Profit für die Schüler der Georg-Wimmer-Schule ist leichter zu erkennen als der für die Schüler der Maria-Furtwängler-Schule. Während die einen Selbstsicherheit gewinnen und sich außerhalb des geschützten Schulbereichs in Gruppen integrieren können, profitieren die anderen Schüler, indem sie Rücksicht und Verständnis für Menschen entwickeln, die ihre Stärken eben auf einem anderen als dem geistigen Niveau haben.

Larissa kocht und backt gern. Sie wird nach den Ferien an der Maria-Furtwängler-Schule zur Hauswirtschaftshelferin ausgebildet. Marco möchte die Maurer-Lehre anfangen und hofft darauf, im Christlichen Jugenddorf in Offenburg einen Platz für den theoretischen Teil der Ausbildung zu bekommen. Den Test bei der Agentur für Arbeit hat er bestanden.

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