Lahr Schlicht, amüsant und wirkungsvoll

Marion Kracht (Mitte), Judith Hoersch (rechts), Lene Wink und Daniel Morgenroth überzeugten in der Komödie "Hundewetter", die in Stadthalle aufgeführt wurde. Foto: Baublies

Die Komödie "Hundewetter" beschreibt drei Typen Frau, die scheinbar zufällig aneinandergeraten sind. Am Freitagabend sorgte die Geschichte in vier Akten in der ausverkauften Stadthalle für viel Heiterkeit.

Lahr. Es regnet an einem Herbstmorgen, daher suchen die Geschäftsfrau Helene (Marion Kracht), Lulu (Lene Wink), die Dessous verkauft, und die arbeitslose Gabriele (Judith Hoersch) Zuflucht in einem Café. Genauer im Hinterzimmer, da die halbe Welt im vorderen Bereich ebenfalls Schutz vor dem Hundewetter gesucht und gefunden hat. Den unausweichlichen Zank komplettiert der Kellner (Daniel Morgenroth), der Kaffee, Rotwein, Schnaps, Schampus reicht und irgendwann sich selbst drein bringt.

Die Dramaturgie der Komödie ist schlicht und wirkungsvoll. Der Raum, in dem das so gegensätzliche Trio untergekommen ist, hat enge Grenzen. Solange es draußen blitzt und donnert, ist ein Entkommen ausgeschlossen. Jeder Versuch wird durch die entsprechenden Lichteffekte sofort im Keim erstickt. Kontaktaufnahmen mittels Handy werden von zwei Dritteln des Trios mitunter brutal vereitelt.

Also hecheln die Damen ihre Geschichten durch. Bei einem Trio entstehen verschiedene Koalitionen – immer zwei gegen eine. Die Welt ist also für die jeweils Unterlegene schrecklich, das agierende Duo im klaren Vorteil. Die Koalitionen wechseln, und es kommen all die alltäglichen Dinge, die bei der Art Drama auf dem Seziertisch zu erwarten sind: Kinder, Ehemänner, Jungmädchenträume und, im Gegensatz, die real existierende Wirklichkeit außerhalb des Cafés. Nach dem Kaffee – samt glutenfreien Keksen für Gabriele – wird im zweiten Akt Rotwein gesüffelt. Im dritten Akt entpuppt sich Helene sogar als Schnapsdrossel. Hier ist die Steigerung dann Champagner.

Die drei Darstellerinnen versuchen, sich gegenseitig an die Wand zu spielen, was der Komödie einen gewissen Biss gibt. Dass irgendwann alle schon der Reihe nach auf dem Hosenboden landen, ist dabei Kalkül der Pariser Autorin Brigitte Buc und in der Inszenierung von Regisseur Martin Woelffer auch entsprechend umgesetzt worden. Einerseits können sich die drei Zänkerinnen dann und wann schnell auf einen gemeinsamen Gegner, das andre Geschlecht, einigen.

In die Arme des Kellners geflüchtet

Im vierten Akt passiert das Unausweichliche. Helene, die hinter dem Schirm nur noch mit einem Bettlaken bekleidet hervorkommt, hat sich in die Arme des Kellners geflüchtet. Damit ist am Ende ein Patt erreicht. Die Bühne färbt sich rosa. Das Hundewetter ist zu Ende. Die drei Darstellerinnen samt männlichem Pendant haben auf der Bühne einen für die Zuschauer amüsanten Stellungskrieg mit Verve gemimt. Einen leichten Vorteil hat Marion Kracht dabei gehabt, was aber an der Rolle Geschäftsfrau mit Burn-Out, Mutter, Schnapsdrossel und Hysterikerin gelegen haben mag.

Es ist immer gut, dass Dramatiker auf das Relikt Hysterie beim Schreiben – noch – nicht verzichten. So ein gut gespielter Anfall kann die Suppe ganz gehörig versalzen. Denn nur schmecken sollte "Hundewetter", trotz der scheinbaren Leichtigkeit der Inszenierung, nicht unbedingt.

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