Lahr Schlagabtausch der OB-Kandidaten beim Wahl-Finale

Lahr - Noch viermal schlafen, dann steht fest, wer das neue Lahrer Stadtoberhaupt wird. Beim LZ-Wahl-Finale trafen die beiden letzten verbliebenen Kandidaten direkt aufeinander. Christine Buchheit und Markus Ibert schonten sich gegenseitig nicht.

Nach einem monatelangen Wahlkampf, nach unzähligen Haustürbesuchen, Infoständen und Veranstaltungen ist das Interesse der Lahrer an den Kandidaten ungebrochen. Denn der Aufruf unserer Redaktion, Themen für das Streitgespräch zu nennen, stieß auf große Resonanz.

Der Reiz des Abends bestand auch darin, dass Ibert und Buchheit sich öffentlich gegenseitig auf den Zahn fühlen und auf Ungereimtheiten im Programm des Gegenübers aufmerksam machen konnten. Auch die Moderatoren Jörg Braun, Stefan Maier und Felix Bender wollten Unterschiede herausarbeiten. Es ging darum, letzte offene Fragen zu beantworten und Gerüchte aufzuklären, die in der Stadt die Runde gemacht haben. Das wollten sich knapp 90 Besucher nicht entgehen lassen.

Das ganze Wahl-Finale der Lahrer Zeitung gibt's hier im Video:

Schönebooms Wahlempfehlung: Auf die Frage, wie ihm Guido Schönebooms Wahlempfehlung für Buchheit gefallen hat, sagte Ibert, dass ihn das überrascht habe. Doch er sei überzeugt, dass sich die Wähler eine eigene Meinung bilden. Buchheit sagte, dass Schöneboom die Empfehlung zu ihren Gunsten "allein getroffen" habe. Er habe sie zuvor darüber informiert. Auf die Frage von Jörg Braun, ob es einen "Deal" zwischen ihnen gegeben habe, wies sie "Verschwörungstheorien" energisch zurück. "Ich wüsste auch nicht, wie dieser Deal aussehen sollte", betonte Buchheit.

Der Wohnort: Sollte sie gewählt werden, würde sie natürlich (von Berlin) nach Lahr ziehen, versicherte Buchheit. Sie würde dann ein Haus in der Kernstadt suchen, da ihre Kinder dort wohnen wollen. Für den Wallburger Ibert müssten ebenfalls die Möbelpacker anrücken, denn auch er würde als OB in Lahr leben, betonte er. Allerdings habe er sich noch keine Wohnung in der Stadt gesucht. "Das wäre vermessen", da der Wahlausgang noch nicht feststeht.

Verkehr: Auf die Frage, wo die Unterschiede beim Thema Verkehr sind, erwiderte Ibert, dass er da keine großen Differenzen sehe. Man dürfe "die Interessen der Autofahrer nicht aus den Augen verlieren, dabei aber viele gute Alternativen zum Auto schaffen". Buchheit sah es anders, gab eine pointierte Antwort. Sie würde häufig mit dem Rad und selten mit dem Auto fahren, weshalb sie "einen anderen Blick" auf das Thema habe. Sie sei die Erste im Wahlkampf gewesen, die beim ÖPNV "einen Akzent gesetzt" und Verbesserungen gefordert habe. Die anderen Kandidaten seien ihr darin gefolgt.

Flugbetrieb: Eine Kontroverse gab’s auch beim Thema Flugplatz. Buchheit sagte, dass der Flugbetrieb nicht ausgebaut werden sollte. Ibert ist der Ansicht, dass der Flugplatz ein wichtiger Standortfaktor ist, um Firmen nach Lahr zu holen. Buchheits Replik: Ihr sei nicht bekannt, dass der Flugplatz bei vielen Gewerbeansiedlungen eine Rolle gespielt habe. Ihr sei aber zu Ohren gekommen, dass Vertreter kleinerer, mittelständischer Unternehmen sich bei Anfragen nach Grundstücken auf dem Flugplatz schlecht behandelt gefühlt haben. Ibert, seit 2005 Geschäftsführer der IGZ Lahr, die die Gewerbeflächen am Flugplatz vermarktet, sagte, dass im Ost-Areal tatsächlich nahezu alle kleineren Grundstücke vergeben seien. Deshalb müssten neue Flächen entwickelt werden. Zu den Beschwerden, die Buchheit aufs Tableau gebracht hatte, sagte er, dass man jeden Einzelfall gesondert betrachten müsse. Am Flugplatz seien 5000 Jobs entstanden; das sei auch sein Verdienst.  

Fahrradrowdys in der City: Leserin Ulrike von der Linde fragte, was die Kandidaten gegen rücksichtslose Radfahrer in der Fußgängerzone tun wollen. Ibert denkt an mehr Kontrollen. Buchheit, die an diesem Abend eher die Angriffslustigere war, sagte daraufhin, es dürfe nicht soweit kommen, "dass an jeder Ecke ein Kon­trolleur steht". ­

Die Biografie der Kandidaten: Mehrere Fragen drehten sich darum, wo die Bewerber herkommen, wer sie sind, was sie können und was sie überhaupt in Lahr wollen. Braun zitierte eine Leserfrage von Wiltrud Weh, die Buchheit "sprachliche Schaumschlägerei" vorhielt, da sie als Beruf Diplomatin angegeben hat. Buchheits Erwiderung: Die Leitung einer PR-Agentur habe sie aufgegeben, als sie Mutter wurde. Später habe sie eine höhere Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Mit 45 Jahren, "vermutlich als älteste Bewerberin aller Zeiten", habe sie sich dem strengen Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes gestellt. Von 2000 Bewerbern seien 45 genommen worden. Daraufhin habe sie die Ausbildung zur Diplomatin absolviert und wurde fünf Jahre in Kenia eingesetzt. Zurück in Berlin, sei sie in das Ministerbüro aufgestiegen. Sie könne jederzeit als stellvertretende Botschafterin in einem kleinen Land eingesetzt werden. "Wo ist da der Schaum?", fragte Buchheit durchaus kämpferisch in die Runde. Sie habe "ein diplomatisches Händchen für Menschen" und würde sich als OB "mit meiner ganzen Persönlichkeit, mit all meiner Energie und meinen Ideen" für Lahr einsetzen.

Ibert hatte eine kritische Frage von einem Besucher in der Redaktion zu beantworten: Die Stadt Lahr habe 1000 Beschäftigte. Bei einer Bewerbung für den Chefposten eines Wirtschaftsunternehmens dieser Größe würde er, Ibert, mangels Auslandserfahrung keine Chance haben – so die These, mit der der Kandidat konfrontiert wurde. Iberts Antwort: Es komme nicht darauf an, "ob man hier oder da war", sondern darauf, was man im Leben bewirkt habe.

Als studierter Diplom-Verwaltungswirt sei er von 1993 bis 2004 Abteilungsleiter bei der Stadtkämmerei gewesen, kenne daher die Funktionsweise einer Stadtverwaltung. Als erfolgreicher IGZ-Geschäftsführer habe er zusätzlich Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt. Damit habe er auch den nötigen "Blick von außen". Er sei hier verwurzelt, kenne die Menschen sowie die Region und wolle in Lahr viel bewegen.

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