Lahr Schlaflose Nächte und ungläubige Blicke

Schüler der Beruflichen Schulen – hier mit den Babysimulatoren – nahmen am Projekt »Babybedenkzeit« teil, darunter auch ein junger Mann. Foto: Berufliche Schulen

Lahr. Vier Tage ausprobieren, wie es ist, Eltern eines Neugeborenen zu sein – auf dieses Abenteuer haben sich elf Schülerinnen und ein Schüler der Beruflichen Schulen im Mauerfeld eingelassen. Das
Projekt »Babybedenkzeit« wurde in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Lahr durchgeführt.

Die 15- bis 17-jährigen Schüler haben sich auf einen besonderen Versuch eingelassen. Für vier Tage haben sie sich um einen Babysimulator gekümmert, der realitätsnah das Verhalten eines  Neugeborenen widerspiegelt. Das bedeutete für die Jugendlichen Windeln wechseln, Fläschchen geben und die Puppe in den Schlaf wiegen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit hat sich der Babysimulator mit Schreien bemerkbar gemacht. Ganz so, wie es auch ein echtes Baby machen würde.

Wenn das Kleine quäkte und immer lauter seine Bedürfnisse einforderte, mussten die »Mamas« und der »Papa« auf Zeit reagieren. Denn nur sie konnten sich mit einem Mikrochip am Arm um den Simulator kümmern. Mit 15 verschiedenen realitätsgetreuen Tagesabläufe können die Simulatoren  programmiert werden. Ein Ablauf fordert die Eltern auf Zeit mehr, andere wiederum weniger.

Den Jugendlichen wird der Alltag mit einem Baby verdeutlicht und aufgezeigt, dass es nicht nur »süß, nett und goldig« ist, Nachwuchs zu bekommen, erläuterte Angelika Schaub-Roll, Lehrerin an den Beruflichen Schulen. So setzten sich die Teilnehmer des freiwilligen Projekts unbewusst mit der eigenen Lebensplanung auseinander. Die »Mütter« und der »Vater« waren sich schnell einig, dass noch ein bisschen Zeit für eigene Kinder ist.

Die Reaktionen der Teilnehmer nach Ende des Projekts fielen unterschiedlich aus. »Ich habe es mir schlimmer vorgestellt«, sagte eine Schülerin. Ihre Klassenkameradin hat zu der Puppe gar Muttergefühle entwickelt und das Abgeben des Simulators nach vier Tagen fiel ihr nicht leicht. Ihre Mitschülerin war dagegen froh, das »Baby« wieder abgeben zu dürfen. Sie hat eine Nacht kaum geschlafen, immer wieder wurde sie als »Mutter« gefordert und schnell lagen ihre Nerven blank.

Die Jugendlichen verzichteten teils auf ihre Freizeitbeschäftigungen und gingen kaum aus dem Haus. Der »Papa« auf Zeit wagte es dagegen, sein »Baby« mit in den Unterricht in die Fahrschule zu nehmen. Doch zum Glück habe sein Kind den Unterricht verschlafen, erzählte er lachend. Die Jugendlichen, die mit dem Simulator die eigenen vier Wände verließen, ernteten verschiedene Reaktionen.  Ungläubige Blicke, verwunderte Nachfragen, Lob für die Teilnahme an dem Projekt, aber auch Kopfschütteln.

Nachdem Nadine Engelmann vom Caritasverband die Daten der Puppen ausgelesen hatte, bescheinigte sie den Schülern, dass sie zwischen 90 und 100 Prozent richtig auf die Bedürfnisse des Simulators reagierten hatten. »Das ist ein sehr gutes Ergebnis«, sagt Engelmann.

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