Lahr Sascha Riether: "Freue mich auf die Zeit danach"

Nach 17 Jahren Profifußball beendet Sascha Riether seine Karriere. Mit der Lahrer Zeitung hat der Kuhbacher darüber gesprochen, was er alles erlebt hat – und wie jetzt seine Pläne aussehen.

Die Zeichen stehen auf Abschied bei Sascha Riether, der noch in Diensten des FC Schalke 04 steht. "Ich habe gerade die Mannschaft noch zum Grillen eingeladen", erzählt er am Mittwoch im Telefonat mit der LZ. Davor wurde trainiert, nun gibt es ein "Verdauungsinterview", sagt er und lacht. 17 Jahre war der erfolgreichste Lahrer Fußballer Profi, wurde 2009 mit Wolfsburg deutscher Meister, spielte sogar zweimal für die Nationalmannschaft. Am Samstag ist es aber nun wirklich vorbei.

Bereits vor zwei Jahren war er am letzten Bundesligaspieltag verabschiedet worden, bekam dann aber im Oktober 2017 einen neuen Vertrag bei Schalke, der zur Saison 2018/19 nochmals verlängert wurde. Ein Pflichtspiel hat der 36-jährige Kuhbacher im königblauen Trikot seit seiner Verabschiedung jedoch nicht mehr gemacht.

Hoffnung auf Kurzeinsatz am Samstag

Das scheint ihn jedoch nicht zu stören. "Ich habe immer mein Bestes gegeben, meine Erfahrung weitergegeben und stand jedem mit Rat und Tat zur Seite", sagt er über seine Rolle in den vergangen Monaten. Für das Spiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart hofft der Rechtsverteidiger, den zuletzt Kniebeschwerden plagten, aber noch mal auf einen Kurzeinsatz. "Ich tue mein Bestes, dass ich am Samstag fit bin und freue mich, noch mal dabei zu sein. Vielleicht kann ich ja dann noch die eine oder andere Minute spielen."

Auszuschließen ist das nicht. "Der Trainer hat so etwas in die Richtung angedeutet, aber es kommt natürlich auch darauf an, wie das Spiel verläuft", sagt Riether. Auf jeden Fall werden viele aus seiner Familie am Samstag im Stadion sein, auch seine Eltern werden aus Kuhbach anreisen. "Das wäre ein tolles Erlebnis", hofft Riether, dass Trainer Huub Stevens ihn für seinen 249. Bundesligaeinsatz auf den Rasen schickt. "Das ist eine komische Zahl, aber man kann es sich im Leben nicht immer aussuchen", sagt Riether, der zehn Tore in der Bundesliga erzielte, dazu schmunzelnd. Selbst ausgesucht hat er sich dagegen den Zeitpunkt seines Karriereendes. "Es war meine Entscheidung, aufzuhören. Ich habe mir gesagt: ›Sascha, jetzt ist es gut.‹ Ich wollte aufhören, solange ich noch gesund bin, damit ich auch in Zukunft noch mit Freunden kicken kann."

Riether hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Den Job des Profifußballers hatte Riether in seiner Jugend nicht auf dem Plan. "Ich bin nie davon ausgegangen, Profi zu werden, sondern war einfach immer schon fußballverrückt", sagt Riether, der seit frühester Kindheit an mit seinem Vater auf den Fußballplatz in Kuhbach – damals gab es noch den FV Kuhbach – ging. Fortan war das runde Leder sein ständiger Spielkamerad. "Nachmittags habe ich mit den Jungs gebolzt, abends war dann Training", erinnert er sich an seine Jugend in seinem Heimatdorf. Und: "Die Lahrer Stadtmeisterschaft war immer ein Highlight." Bis 1995 spielte der heute 36-Jährige bei seinem Heimatverein, wechselte dann zum Offenburger FV. 1998 ging’s in die Jugend des SC Freiburg, wo er 2002 auch seinen ersten Profivertrag unterschrieb.

Profi-Debüt beim SC Freiburg

Sein Profi-Debüt feierte er beim Sportclub in der zweiten Liga. Am 2. August 2003 wurde dann ein Traum für ihn wahr. Er absolvierte sein erstes Bundesliga-Spiel, in dem er auch gleich ein Tor erzielte. Ein Ereignis, das er auch heute noch zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt. Seinen größten Erfolg feierte er jedoch nicht im Breisgau sondern beim VfL Wolfsburg, zu dem er 2007 wechselte und mit dem er 2009 deutscher Meister wurde. Auch dank seiner starken Leistungen bei den "Wölfen" wurde Riether 2010 zum Nationalspieler. "Die deutsche Meisterschaft war auf jeden Fall ein Highlight, aber auch das erste Bundesligaspiel oder die Spiele für die Nationalmannschaft. Die Hymne zu hören, ist etwas Besonderes", blickt er dankbar auf insgesamt 17 Profijahre zurück. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und habe den schönsten Beruf, den man sich vorstellen kann."

Im Jahr 2011 wechselte er dann von Wolfsburg zum 1. FC Köln, anschließend zum FC Fulham (2012 bis 2014, 66 Ligaspiele, ein Tor) in die englische Premier League, und danach wieder zurück zum SC Freiburg. Seit 2015 ist der Kuhbacher nun – mit der eingangs erwähnten Ausnahme im Sommer 2017, als er kurzzeitig vertragslos war – in Diensten des FC Schalke 04.

Daumen drücken für Kuhbacher Mannschaft

Der Kontakt in die Ortenauer Heimat ist in all den Jahren nie abgerissen, schließlich wohnen Eltern und Verwandte noch in Lahr. Und auch die sportliche Entwicklung bei seinem Heimatverein, der mittlerweile SC Kuhbach-Reichenbach heißt und in der Kreisliga A Süd gegen den Abstieg kämpft, verfolgt er aus der Ferne. "Mein Vater geht öfter zu den Spielen und hält mich auf dem Laufenden", erzählt Riether. "Ich drücke den Jungs die Daumen, dass es mit dem Klassenerhalt klappt."

Es ist da wohl schon fast eine Ironie des Schicksals, dass Riether in seiner letzten Saison mit Schalke ebenfalls lange um den Ligaverbleib bangen musste. "So ist manchmal leider der Fußball. Wichtig ist, dass der Verein daraus lernt", sagt er, der in seiner Karriere insgesamt viermal abstiegen ist (zweimal mit Freiburg, je einmal mit Köln und Fulham). "So eine Karriere ist lang und da läuft es nicht immer gut. Aber schlechte Phasen prägen einen ebenso", hat er aus jeder seiner Stationen etwas mitgenommen.

Das würde er in Zukunft gerne an andere weitergeben, die Bewerbung für den Trainerschein ist bereits raus. Konkrete Pläne für eine Anschlussbeschäftigung gebe es jedoch noch nicht. "Ich bin offen für alles und höre mir alles an", sagt der 36-Jährige mit Blick auf seine weitere Karriere im Fußball. Kurzfristig sieht sein Plan jedoch eher Entspannung abseits des Profifußballs vor. "Jetzt werde ich erst mal in Urlaub gehen und mehr Zeit mit der Familie verbringen", erzählt Riether, dessen Lebensmittelpunkt zunächst einmal in Köln bleiben wird, wo seine Frau und er schon länger leben.

In der Vergangenheit blieb nicht viel Zeit für Besuche in Kuhbach

"Ich werde dann mit Sicherheit auch öfter in der Heimat sein", glaubt er. Denn zwischen Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League war dazu in der Vergangenheit nicht so viel Zeit. Und rund 400 Kilometer müssen erst mal zurückgelegt werden. Am Muttertag vergangenen Sonntag konnte er es sich dann aber doch kurz einrichten und überraschte Mama Riether, die an diesem Tag gleichzeitig auch ihren Geburtstag feierte, mit einem Kurzbesuch. Gut möglich also, dass Feste der Familie Riether in Kuhbach bald größer werden.

Das nächste große Zusammentreffen der Familie findet jedoch am morgigen Samstag in Gelsenkirchen statt, wenn Sascha Riether ein letztes Mal als aktiver Profi im Stadion sein wird. Danach, gegen 17.20 Uhr, wird aus dem 36-jährigen Kuhbacher ein sogenannter Fußballrentner. "Ich freue mich auf die Zeit danach", sagt Riether. Nach 17 anstrengenden Jahren glaubt man ihm das gerne.

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