Lahr Sandra Boser zieht positive Bilanz der Landesregierung

Landtagsabgeordnete Sandra Boser zieht im Gespräch mit Redaktionsleiter Jörg Braun (links) und Kreisredakteur Patrick Merck eine positive Halbzeitbilanz der schwarz-grünen Landesregierung. Foto: Schabel

Lahr - Die Grünen schwimmen auf einer Erfolgswelle: Selten waren ihre Zustimmungswerte so positiv. Nicht nur deshalb ist die heimische Landtagsabgeordnete Sandra Boser gut gelaunt.

Es ist Halbzeit in Baden-Württemberg. Die Wahl zum 16. Landtag liegt zweieinhalb Jahre zurück, und über den 17. Landtag wird Anfang 2021 abgestimmt. Sandra Boser hat 2016 das Direktmandat für den Wahlkreis Lahr-Wolfach gewonnen. Auch für die Wolfacherin ist damit Halbzeit. Ihr Rückblick fällt positiv aus, wobei es natürlich weiterhin Themen gibt, an denen die grün-schwarze Landesregierung stärker arbeiten müsse, sagt sie im Gespräch mit Redaktionsleiter Jörg Braun und Kreisredakteur Patrick Merck.

> Grüne Erfolgswelle: Ein Erfolgsrezept für die aktuell große Zustimmung zu den Grünen begründet Boser mit der Geschlossenheit der Partei. "Natürlich diskutieren wir intern, aber nach außen sind wir geschlossen." Auch Annalena Baerbock und Robert Habeck an der Spitze der Bundespartei würden der Partei guttun. "Wir haben keine innerparteilichen Streitereien, sondern stehen stattdessen für Glaubwürdigkeit."

> Streitpunkt Windräder: Der vergangene Sommer habe bewiesen, dass Klimaschutz immer wichtiger werde. Und das umfasst für Boser auch die Energiegewinnung. Dabei sei der Unterschied zu anderen politischen Kräften offensichtlich. "Wir reden nicht nur, wir haben Konzepte", sagt sie. Auch das sei wichtig hinsichtlich der Glaubwürdigkeit. "Das macht uns stark", ist sie sich sicher. Es sei zudem klar, dass es weitere Windräder geben werde – "da, wo es Sinn ergibt". Allerdings müsse auch die begleitende Technologie ausgebaut werden, vor allem wie sich Energie speichern lasse. Nur dann habe die Energiegewinnung aus Sonne, Wasser und Wind eine Chance. Klar sei aber auch, dass jedes Windrad individuell und aufgrund der örtlichen Gegebenheiten zu planen sei.

> Geothermie: Ein großer Fan scheint Sandra Boser davon nicht zu sein. "Da laufen die Untersuchungen", sagt sie und bleibt zurückhaltend. Auch wegen der Erfahrungen in Staufen, wo sich in vielen Häusern Risse gebildet haben, die mit den Bohrungen in Verbindung stehen sollen. "Da muss man gerade im Rheingraben sehr vorsichtig sein."

> Straßenbau: Zwar liegen viele Projekte in der Zuständigkeit des Bundes, dennoch hat die Landtagsabgeordnete dazu eine dezidierte Meinung, auch weil sie um die Kritikpunkte weiß. Sie empfiehlt daher ein Mehr an Bürgerbeteiligung etwa bei der Umgehung von Ringsheim, der Schutterparallel sowie auch der B 33 im Kinzigtal. "Anwohner haben immer Befürchtungen und Ängste, wenn solche Projekte angestoßen werden." Daher seien gute Beteiligungsverfahren wichtig, um Transparenz zu schaffen und vielleicht auch Befürchtungen zu entkräften. "Und zwar gerade an den Punkten, an denen es kritisch ist."

> Dieselfahrverbote: Für den Ortenaukreis selbst sieht die Grünen-Politikerin da keine Probleme. Allerdings in der Nachbarschaft: "Straßburg hat das ja ab bestimmten Grenzwerten schon im November 2017 eingeführt." Schramberg könne aufgrund seiner Tallage ebenfalls Schwierigkeiten bekommen. "Ich verstehe nicht, dass sich die Industrie da komplett raushält und auch die Kanzlerin nicht aktiv wird." Ginge es nach der Wolfacherin, ist die Automobilindustrie dran. "Die Nachrüstung ist doch machbar!"

> Wahlkreis: Zum politischen Einzugsgebiet von Sandra Boser zählt die Region rund um Lahr bis Ettenheim über das Schuttertal bis ins Kinzigtal mit Haslach und Wolfach. Dabei nehme Lahr eine Sonderstellung ein, sagt Boser. "In der Stadt gibt es ganz andere Herausforderungen als in Kippenheim, Seelbach oder Fischerbach", sagt sie. Trotz der unterschiedlichen Täler seien die Sorgen und Nöte der Menschen dort aber vergleichbar.

> Gesundheit: Es gibt immer weniger Mediziner, die eine Landarztpraxis übernehmen wollen. Dagegen setzt Boser unter anderem auf eine Stärkung von Medizinischen Versorgungszentren, auf neue Versorgungsmodelle wie etwa Gesundes Kinzigtal und auf telemedizinische Angebote. Auch das erfordere allerdings, dass der Breitbandausbau in der Ortenau vorangetrieben werde.

> Digitalisierung: Doch nicht nur eine bessere Online-Anbindung schwebt der Politikerin vor. Auch die weißen Flecken im Mobilfunknetz müssen verschwinden oder zumindest kleiner werden. Eine von vielen Aufgaben, die in der zweiten Halbzeit angegangen werden sollen.

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