Lahr Sandra Boser holt den Wahlkreis Lahr

Lahr - Das Direktmandat für den Wahlkreis Lahr geht an Sandra Boser von den Grünen. Sie konnte ihr Ergebnis noch verbessern. Marion Gentges (CDU) sackte hingegen klar ab, vor allem in der Stadt Lahr. Die Wahlbeteiligung lag bei 61 Prozent.

Drei Prozent mehr für Boser im Vergleich zur letzten Wahl 

Sandra Boser hat am Sonntag den Wahlkreis Lahr/Kinzigtal klar verteidigt und ihren Vorsprung vor der CDU noch weiter ausgebaut. Die Grüne kamen im Wahlkreis auf 33,1 Prozent. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte Boser 30,7 Prozent geholt. "Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, ich freue mich riesig!", erklärte die Wolfacherin im Gespräch mit unserer Redaktion, kurz nachdem das Wahlkreis-Ergebnis feststand.

"Es zeigt, dass meine Arbeit bei den Menschen ankommt", sagte sie. Froh sei sie auch, dass die AfD im Wahlkreis wieder schwächer geworden sei. Eine Wahlparty hatten die Grünen nicht organisiert, jeder feierte für sich alleine. Auch der Lahrer Grünen-Fraktionschef Sven Täubert zeigte sich am Wahlabend im Gemeinderatssaal sehr erfreut.

Lange Gesichter bei der CDU 

Bei der CDU gab es am Sonntag im Wahlkreis lange Gesichter. Kandidatin Marion Gentges holte nur noch 24,6 Prozent. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte die CDU im Raum Lahr/Kinzigtal 28 Prozent erreicht, nach einem damaligen Absturz um mehr als 13 Prozentpunkte.

In der Stadt Lahr punktete Gentges nochmals deutlich schwächer als im Wahlkreis, sie kam dort nur auf 19 Prozent. So mancher Christdemokrat hatte dieses schlechte Abschneiden wegen der Berliner Turbulenzen befürchtet gehabt. Am späten Sonntagabend bangte Gentges noch um ihr Zweitmandat für Stuttgart.

AfD sackt um fünf Prozentpunkte ab 

Die AfD mit Kandidat Johannes Erling sackte im Wahlkreis auf 10 Prozent ab und damit auf Platz fünf aller Parteien. Vor fünf Jahren hatte die AfD aus dem Stand noch 15 Prozent geholt, in der Stadt Lahr sogar 21,6 Prozent und damit sogar etwas mehr als die CDU. Damals war Thomas Seitz der Kandidat.

Die SPD musste sich mit 10,4 Prozent zufrieden geben. Kandidat Karl-Rainer Kopf konnte das Ergebnis seiner Partei von 2016 mit damals 13,4 Prozent nicht halten.

Sittler von der FDP freut sich über Erfolg 

Für die FDP war die Lahrer Kandidatin Regina Sittler am Sonntag sehr erfolgreich. Sie schaffte mit 10,2 Prozent das beste Landtagswahlergebnis der vergangenen Jahrzehnte. Verglichen mit der Wahl 2016 steigerte sich die FDP im Raum Lahr um 3,5 Prozent, damals hatte sie sich mit 7,5 begügen müssen.

In ihrer Heimatstadt Lahr schoss die Liberale gar bis auf knapp 12 Prozent nach oben und überholte damit die SPD. Ob sie es mit ihrem Ergebnis noch über ein Zweitmandat in den Landtag schaffen könnte, war bis Redaktionsschluss um 22.30 Uhr noch unsicher.

Linke schaffen keinen Zuwachs 

Die Linken schafften auch in diesem Jahr keinen Zuwachs. Kandidat Reinhard Neudorfer kam auf 2,6 Prozent, ein Minus von 0,2.

Sonstige Kandidaten bleiben alle einstellig 

Teils bemerkenswerte Ergebnisse fuhren die sonstigen Kandidaten ein. Für die Freien Wähler kam Kandidat Matthias Stulz auf 3,8 Prozent, Ralph Herrschlein von WIR 2020 auf 1,2 Prozent und der Lahrer Waldemar Held (Bündnis C) auf 0,6 Prozent.

Keine so große Rolle wie von manchen erwartet spielte die Klimaliste mit Kandidatin Sophie Richter (0,8 Prozent). Die Satirepartei "Die Partei" holte 1,5 Prozent und die ÖDP mit Axel Weniger 0,7 Prozent.

Fünf Prozent weniger Wahlbeteiligung 

Die Wahlbeteiligung im Raum Lahr/Kinzigtal lag dieses Mal bei 61 Prozent, fünf Prozentpunkte schlechter als noch vor fünf Jahren, als 66 Prozent der Bürger wählten. So haben die Bürger der einzelnen Kommunen gewählt.

Die Ergebnisse der anderen Kandidaten 

Matthias Stulz (Freie Wähler): 3,8 Prozent

Gina Furrer (Die Partei): 1,5 Prozent

Ralph Herschlein (Die Basis): 1,2 Prozentn

Sophie Richter(Klimaliste): 0,8 Prozent 

Axel Weniger (ÖDP): 0,7 Prozent

Herbert Kinzel (Wir 2020): 0,6 Prozent

Waldemar Held (Bündnis C): 0,6 Prozent


Kommentar von Jörg Braun: "Grüner Zement" 

Die Grünen im Wahlkreis Lahr/Kinzigtal haben ihren Vorsprung zur CDU weiter ausgebaut und sind die klaren Wahlsieger. Sandra Boser zementiert damit den Erfolg ihrer Partei im einst schwarz dominierten Wahlkreis, sogar noch stärker als im Landesschnitt. Die CDU auch in unserer Region muss sich damit abfinden, weitere fünf Jahre im Land nur noch Nummer zwei zu sein. Vor allem in der Stadt Lahr ging es weiter historisch bergab.

Immerhin hatte die CDU-Abgeordnete Marion Gentges gestern noch die bange Hoffnung auf ein Zweitmandat. Ebenso die Liberale Regina Sittler. Das täte dem Wahlkreis gut. Der AFD im Raum Lahr hingegen wurden die Flügel gestutzt.

Sie rutschte von 15 auf nun noch 10 Prozent ab und ist der größte Wahlverlierer. Kandidat Johannes Erling blieb durchgehend blass und verfing bei den Wählern nicht. Auch in der bisherigen AfD-Hochburg Lahr schmolz der einst mächtige Stimmenberg der AfD stark.