Lahr Rücksicht auf den Ramadan

Von Christine Breuer

Traditionell hat der türkisch-islamische Kulturverein am Samstagabend zum Fastenbrechen in die Geroldseckerhalle nach Reichenbach eingeladen. Unter den Gästen waren auch einige Flüchtlinge zu sehen.

Lahr. Ramadan, der Fastenmonat im islamischen Glauben, hat vor wenigen Tagen begonnen. Für die gläubigen Muslime bedeutet das, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu fasten, nichts zu essen, zu trinken oder gar zu rauchen. Nach Sonnenuntergang gibt es beim Fastenbrechen ein gemeinsames Essen in der Moschee.

Die alte Moschee in der Friedrichstraße ist zu klein, um die weit mehr als 400 Gäste zu fassen. Die neue Moschee wird, so hofft Hasan Babur, Vorsitzender des Vereins, im nächsten Jahr soweit sein, dass dort gegessen werden kann.

Mehr als 30 Flüchtlinge waren mit Mitgliedern der Flüchtlingshilfe Lahr nach Reichenbach gekommen, um dort mit ihren Glaubensgenossen zu essen. Während die aus dem arabischen Kulturkreis stammenden Asylbewerber unter den türkischen Gastgebern nicht weiter aufgefallen sind, stach eine Gruppe doch heraus: Einige Schwarzafrikaner hatten sich in der Warteschlange der Essensausgabe eingereiht.

"Es kommen viele Flüchtlinge zu uns in die Moschee", berichtete Tugay Kara, stellvertretender Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturvereins, im Gespräch mit unserer Zeitung während des Essens. Sie verstünden zwar nicht alle türkisch oder arabisch, aber für ein Gebet brauche es keine Sprache. Selbst Flüchtlinge, die keine Muslime sind, fänden sich immer wieder in der Moschee ein. "Es gibt einige Roma, die zu uns kommen."

Dem Ramadan, also dem Fasten zu folgen, ist eine freiwillige Sache. Nicht alle beteiligen sich daran. Wir haben deshalb beim Landratsamt nachgefragt, wie mit den Muslimen verfahren wird, die in den Containeranlagen auf dem Lahrer Flugplatz und in Offenburg leben, und die fasten wollen. "Der Betreiber hat sich mit dem Offenburger Imam, Sprechern der Flüchtlinge und Mitarbeitern des Landratsamts an einen Tisch gesetzt und besprochen, wie die Versorgung der Bewohner über den Fastenmonat so gewährleistet werden kann, dass die gläubigen Moslems auch am Ramadan teilnehmen können", erklärt Gabriele Schindler vom Landratsamt. Die Parteien haben eine Lösung gefunden, mit der alle leben können. "Für die Bewohner, die fasten, gibt es ab 21.45 Uhr bis 24 Uhr ein reichhaltiges Essen und für die frühen Morgenstunden noch ein Lunchpaket", sagt Schindler. Für die Essenszeiten sei die Kantine geöffnet und auch Mitarbeiter des Caterers vor Ort. In allen anderen Einrichtungen kochen die Bewohner selbst, was die Organisation des Fastens einfach mache.

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