Urlauber buchen um und stornieren Lahrer Reisebranche stöhnt erneut

Lahr/Ettenheim - Die Corona-Lage in Spanien spitzt sich zu. Wer aus dem Urlaub zurück nach Deutschland kommt und weder genesen noch geimpft ist, muss nun in Quarantäne. Die LZ hat sich bei lokalen Reisebüros umgehört, wie ihre Kunden darauf reagieren.

Das vergangene Jahr ist für die Reisebranche ein denkwürdiges gewesen – im negativen Sinne. Die Corona-Pandemie hatte dafür gesorgt, dass Trips in andere Länder ohne triftigen Grund praktisch unmöglich wurden. In den vergangenen Monaten waren die Infektionszahlen in großen Teilen der Welt rückläufig, was bei vielen Menschen, die 2020 komplett auf einen Auslandsurlaub verzichten mussten, einen Reiseboom auslöste.

Nun, da die Zahl der Infizierten in Ländern wie Spanien und der Niederlande wieder steigt, hat die Bundesregierung ein Ausrufezeichen gesetzt: Spanien ist seit Dienstagnacht als Corona-Hochinzidenzgebiet eingestuft. Damit gelten bei der Einreise von dort nach Deutschland zusätzliche Auflagen.

Die LZ-Redaktion hat bei Reisebüros nachgefragt, ob die Kunden bereits gebuchte Reisen stornieren.n Reisebüros Rade Lahr: Teamleiterin Sandra Kühne weiß, dass der Wunsch nach Sommerurlaub sehr groß ist: "Viele Kunden haben Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer, vor allem, da unser Sommer sehr durchwachsen ist." Die Buchungen nach Spanien seien jetzt zwar rückläufig, geimpfte Kunden würden ihre Reisen aber meist trotzdem antreten. Wer nicht geimpft ist, entscheide sich nun aber oft für andere Destinationen. Da man aktuell noch gute Alternativen zu Spanien habe, könne man viele Kunden auf ein anderes Zielgebiet umbuchen, beispielsweise nach Griechenland, Bulgarien oder Kroatien.

Da Spanien, besonders die Balearen und Kanaren, zu den Hauptreisezielen gehört, habe die Einstufung als Hochrisikogebiet dem Reisebüro doppelte Arbeit in Form vieler Kundenanfragen, Umbuchungen und Stornierungen beschert. Französische Kunden hingegen buchen nach wie vor auch Spanienreisen, da im Nachbarland Spanien nicht als Hochrisikogebiet eingestuft ist.

Die Saison hatte gut begonnen: Im Juni und Juli habe die Nachfrage stark angezogen, erzählt Kühne: "Viele Kunden haben kurzfristig noch ihren Sommerurlaub gebucht, vor allem, weil von den Veranstaltern mit kulanten Umbuchungs- und Stornobedingungen die Entscheidung zur Buchung vereinfacht wurde."

Für Reisende hat sie noch einige Tipps parat: Wichtig sei es immer, die aktuellen Einreisebedingungen im Auge zu behalten, sich vor Ort an die aktuellen Hygienemaßnahmen zu halten und die Einreiseformulare rechtzeitig einzureichen. Aufgrund der aufwendigeren Kontrollen empfiehlt sie, frühzeitig am Flughafen zu sein. Allen Geimpften legt sie nahe, zusätzlich zur digitalen Covid-App das Impfzertifikat ausgedruckt mitzunehmen.n Reisebüro Holiday Land Lahr: "Grundsätzlich ist der Wunsch zu verreisen deutlich größer als im Vorjahr", glaubt Inhaberin Claudia Steidlinger. Auch nach der Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet sei die Nachfrage für Reisen dorthin weiterhin da, stellt sie fest. Zwar sei sie im Laufe der Woche verhaltener geworden, von einem Einbruch könne aber nicht wirklich die Rede sein.

Dies gelte jedoch nicht für Familien. Denn da die Kinder ungeimpft sind, müssen sie bei der Rückkehr nach Deutschland für mindestens fünf Tage in Quarantäne. Ein Problem, gerade, wenn kurz nach dem Urlaub die Schule wieder beginnt. In vielen Fällen haben sich deshalb Kunden wegen anderer Reiseziele informiert – und sich letztlich für Länder wie Griechenland, Bulgarien oder die Türkei entschieden.

Jedes Mal, wenn sich Einreisebestimmungen ändern, bedeute dies einen gewaltigen Mehraufwand für die Reisebüros, macht Steidlinger klar: "Das Telefon klingelt häufiger, die Beratungen werden zeitintensiver." Jeweils erst am Freitagnachmittag werde man über die vom Bund beschlossenen Änderungen für die kommende Woche informiert. Das habe jedes Mal Extraschichten am Wochenende zur Folge.

Beim Umsatz sei 2021 nicht annähernd mit den Jahren vor Corona zu vergleichen – trotz längerer Arbeitszeiten wegen Umbuchungen, Stornierungen, Einreiseformalitäten oder Rückerstattungen. Gegenüber dem Internet habe man jedoch den Vorteil, dass die Kunden den besseren Service schätzen – und deshalb im nächsten Jahr vielleicht wiederkommen. n Reisestudio in Ettenheim: Carin Furtwängler findet es nicht gerecht, wie momentan mit der Reisebranche umgegangen wird: "Es ist falsch, dass die steigenden Zahlen wieder fast ausschließlich auf die Reiserückkehrer zurückgeführt werden", klagt sie. So müssten selbst Familien, in denen die Eltern vollständig geimpft sind, ihre Kinder nach dem Urlaub in Quarantäne schicken. Die Folge sei natürlich, dass Familien nun Ziele wie Spanien meiden und stattdessen in Länder ausweichen, wo nicht mit derartigen Einschränkungen zu rechnen sei.

Nachdem die Situation in ihrer Branche wieder stabiler geworden war, werde es nun wieder viel schwieriger: "Wir müssen überlegen, wo wir unsere Kunden noch mit gutem Gewissen hinschicken können, das ist momentan eine große Herausforderung."

Ihr Vorschlag: "Man könnte die Kinder kurz vor der Rückreise und eventuell nochmals einige Tage später in Deutschland erneut testen." Dafür solle man Schnelltests anbieten, da die nicht unerheblichen Kosten für PCR-Tests ansonsten wieder auf die Familien zurückfallen würden.

Spanien ist seit Dienstagnacht als Corona-Hochinzidenzgebiete eingestuft. Damit gelten bei der Einreise von dort nach Deutschland zusätzliche Auflagen. Mit der Entscheidung vom Freitag hatte die Bundesregierung auf einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen in Spanien reagiert. Wer aus einem Hochinzidenzgebiet nach Deutschland zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test auf fünf Tage verkürzen.

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