Lahr Radler geben der Stadt Note 3,6

Lahr/Berlin (red/sl). Beim in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist Lahr erneut im Mittelfeld gelandet – auf Platz 134 der 292 teilnehmenden Städte unter 50 000 Einwohner. 122 Lahrer hatten bei der bundesweiten Befragung mitgemacht.

 

Unzufrieden sind Lahrs Radfahrer vor allem mit der fehlenden Möglichkeit, Räder im Bus mitzunehmen, den vielen Diebstählen und dass das Falschparken nicht geahndet werde. Positiv gewertet werden die Fahrradförderung in jüngster Zeit, freie Einbahnstraßen und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums.

Der ADFC-Vorsitzende Georg Singrin sagt: "Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität einer Stadt – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Lahrer auf dem Rad nicht wohler fühlen. Mit weiteren Maßnahmen ließe sich die Situation klar verbessern, zum Beispiel durch mehr Tempo-30-Zonen, attraktivere Abstellmöglichkeiten mit Schließfächern und der Ahndung des behindernden Falschparkens. Wenn Lahr will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit etwas Gutes für die Stadt tun, dann muss noch mehr dafür geleistet werden."

Mehrere Klagen über aggressive Autofahrer

Im Durchschnitt haben die Lahrer die Note 3,6 für die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt gegeben. Damit liegt Lahr bei den Städten unter 50 000 Einwohnern bundesweit auf Platz 134, im Landesvergleich auf Platz 19 von 41. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012 hat sich die Stadt damit nicht verbessert.

Auffallend ist, dass die Bewertungen der Teilnehmer uneinheitlich sind. Mehrere Teilnehmer merkten kritisch an, dass vielen Verkehrsteilnehmern das Konzept der Schutzstreifen nicht bekannt sei. Die Mehrzahl der Befragten monierte, dass nicht für das Radfahren geworben werde, "weil nur über Unfälle und Fehlverhalten berichtet wird".

Die Lahrer konnten bei der Umfrage eigene Gedanken zur Fahrradsituation in der Stadt loswerden. 57 von den 122 Teilnehmern haben hier zum Teil ausführlich Stellung genommen. Auffallend sind dabei laut einer Mitteilung des ADFC mehrere Klagen über aggressive Autofahrer­– solche Klagen haben die Radler aus Lahr häufiger geäußert als jene aus anderen Städten. Demnach stellen sich Autofahrer in Lahr auf die grünen Aufstellflächen an den Ampeln und halten den Mindestabstand beim Vorbeifahren nicht ein. Ein besonderes Lahrer Ärgernis sind offenbar auch Rollerfahrer auf Radwegen – zumindest auf den Radwegen entlang der Schutter, parallel zur Römerstraße und auf dem Bädleweg. Bei von Baumwurzeln angehobenen Wegen wird die Instandhaltung angemahnt, und auch weitere Hindernisse, die ein zügiges Vorwärtskommen behindern, werden bemängelt. In der Innenstadt werden attraktive Abstellmöglichkeiten mit Schließfächern gefordert.

Aus nicht wenigen Ausführungen spreche die Verunsicherung über die Praxis, den Radverkehr wieder runter vom Trottoir auf die Fahrbahn zu holen, so der ADFC. Hier sollten Verkehrswacht und Medien Verkehrserziehung leisten, fordern einige der Lahrer Umfrageteilnehmer.

Aber es gibt auch deutliches Lob für die in jüngster Zeit in Lahr verwirklichten Maßnahmen für Radler –­ in diesem Punkt geben die Umfrageteilnehmer der Stadt die Note 2,9, eine ganze Note besser als der Städtedurchschnitt.

Hintergrund:

Der ADFC-Fahrradklima-Test gilt als die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und ist im Herbst 2014 zum sechsten Mal veranstaltet worden. Er wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans. Mehr als 100 000 Menschen haben bundesweit abgestimmt – eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse an Fahrrad und Radverkehr zurück. Der veranstaltende ADFC ist mit mehr als 145 000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung von Radlern in Deutschland und weltweit. Die Ergebnisse der Befragung in Lahr werden laut ADFC an die Stadtverwaltung übermittelt.

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