Lahr Puzzeln liegt wieder voll im Trend

Lahr - Während des ersten Lockdowns im Frühjahr haben viele Brettspiele wieder entdeckt. Von einem Boom kann in Lahr zwar nicht gesprochen werden, gefragt sind Spiele derzeit aber dennoch, wie ein Blick in die Läden zeigt.

Puzzeln, das sei derzeit sehr beliebt, berichtet Christa Metzger, Inhaberin vom Spielwarengeschäft Haupt-Bucherer in der Marktstraße. Sie spricht sogar von einem "Renner". Alle Altersgruppen seien interessiert. Der Vorteil: Das könne man gut allein spielen.

Egal ob man umgeben von seiner Familie oder Single ist. Während Corona ist Puzzeln eine willkommene Abwechslung, fehlen doch aktuell Alternativen außerhalb der eigenen vier Wände. Gepuzzelt wird aber unterschiedlich, wie die Inhaberin weiß. Ältere Kunden bevorzugen Landschaften, Jüngere mögen es bunter und aufregender.

Doch nicht nur das Puzzeln ist angesagt. Auch die Spieleklassiker wie etwa "Mensch ärgere dich nicht" oder "Memory" erleben in den Familien eine Wiederauferstehung, wie Metzger beobachtet. Das freue sie besonders. "Es muss nicht immer neu sein", sagt sie.

In den schwierigen Zeiten entdecken viele Familien gerade an den Klassikern besondere Freude wieder. Dazu gehören auch etwa Kartenspiele. Das seien oftmals Spiele, die in den Familien bekannt sind und nicht erst neu gelernt werden müssen.

Ohne neue Spieleentwicklungen geht es aber auch in der Pandemie nicht. So sei laut Metzger besonders das Spiel des Jahres "Pictures" sehr gefragt. Dabei müssen die Spieler mit dem vorhandenen Spielmaterial aus Bauklötzen, farbigen Würfelchen, Schnürsenkeln, Steinen und Stöcken oder Symbolkarten, Fotos möglichst treffend nachbauen und rätseln, was ihre Mitspieler so gebaut haben. Rege gesucht werden außerdem die sogenannten Exit-Spiele, bei denen Rätsel gelöst werden müssen, um sich aus misslichen Lagen zu befreien.

Hype um Drohnen hat abgenommen

Trotz des merklich gesteigerten Interesses an Spiele-Klassikern sei der Umsatz im Geschäft aber nicht proportional gestiegen, sagt Metzger. "Es sind einfach weniger Leute in der Stadt", benennt sie den Hauptgrund. Dafür sei aber das Einzugsgebiet ihre Ladens größer geworden. So gebe es immer häufiger auch Kunden aus Wolfach oder Haslach, die den Weg nach Lahr finden. Etwa um ihre Eisenbahnen reparieren zu lassen.

Einen deutlichen Kundenanstieg verzeichnet das vor kurzem umgezogene Geschäft "RC Multistore" in der Friesenheimer Hauptstraße. Dort finden Liebhaber Fahrzeuge jeglicher Art mit Fernsteuerungen. "In den vergangenen Monaten hat man schon gemerkt, dass es wieder mehr Freunde für ferngesteuerte Fahrzeuge gibt", sagt Inhaber Michael Enz auf LZ-Nachfrage.

Er habe gemerkt, dass viele ihre alten Sachen aus dem Keller gekramt haben. Freude an ihrem verstaubten Hobby wiederentdeckt haben. Einen richtigen Kassenschlager gebe es im "RC Multistore" aber nicht. Der Hype um die Drohnen von vor zehn Jahren habe dagegen merkbar abgenommen.

Gemeinsam mit seinem Inhaberkollegen Michael Lucker beobachtet Enz einen vielfältigen Kundenstamm. Von jungen Leuten bis zum Rentner sei alles dabei. Auch das Einzugsgebiet sei groß, erklärt Enz. Denn: Das Fachgeschäft zähle mit seinem Sortiment zu den ganz wenigen zwischen Freiburg und Karlsruhe. Am Wochenende würden immer wieder Kunden von weiter weg den Weg nach Friesenheim finden. Etwa aus Freiburg, Freudenstadt oder sogar Donaueschingen.

Das gestiegene Interesse mache sich vor allem im Online-Handel bemerkbar, sagt Enz. "Nach dem Lockdown im März sind unsere Zahlen im Online-Shop schlagartig nach oben gegangen." Inzwischen habe das digitale Geschäft den Ausfall gut kompensieren können. Auch sonst können sich Enz und seine Kollegen nicht beklagen. Die Kurve zeige weiter nach oben und die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts komme erst noch.

"Tonieboxen" müssen nachbestellt werden

Nicht so optimistisch ist da Christa Metzger von Haupt-Bucherer, was das aktuelle Geschäftsjahr angeht. "Natürlich hat man Angst", gibt sie zu. Aber sie müsse das bevorstehende Weihnachtsgeschäft abwarten. Die Erwartungen habe sie zurückgeschraubt.

Eine gestiegene Nachfrage in der Spielwarenabteilung registriert dagegen Natalja Zimmerling in der Drogerie Müller. Dort laufe das Onlinegeschäft sehr gut. Über den digitalen Shop würden Kunden jetzt viel mehr bestellen und dann in der Filiale am Schloßplatz abholen.

Bei den Mädchen seien momentan "LOL-Puppen" angesagt. Die gibt es in verschiedenen Varianten und Größen. Eine Art "kleine Barbie". Beliebt bei Jungs sind die sogenannten "Paw-Patrol-Spielfiguren" aus der Zeichentrickserie.

Abseits der "hippen" Trends beobachte Zimmerling aber auch weiterhin das Interesse an Spieleklassikern wie Monopoly oder "Mensch ärgere dich nicht". "Die gehen immer", sagt sie. Reißenden Absatz finden außerdem die "Tonieboxen".

Der digitale Hörspielwürfel ist bei Kindern sehr beliebt. Bei der jüngsten Rabattaktionen hätten die Kunden Zimmerling und ihren Kollegen die Boxen "schier aus den Händen gerissen". Danach war der Vorrat aufgebraucht und sie musste deutlich mehr nachbestellen.

Spiel des Jahres

Der Kritikerpreis Spiel des Jahres ist ein vom Verein "Spiel des Jahres" seit 1979 vergebener Spielepreis für deutschsprachige Brett- und Kartenspiel-Neuheiten. Er gilt als die weltweit bedeutendste Auszeichnung für nicht-elektronische Spiele, als "Oscar für Brettspiele". Seit 2001 wird das Kinderspiel des Jahres prämiert. Seit 2011 zudem das Kennerspiel des Jahres.

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