Lahr Porträt: Vielseitige Künstlerin hat Freude am Gestalten

Evgeniya Scherer in einem von ihr selbst entworfenen und geschneiderten Kleid. Foto: Peter Herrmann

Lahr - Der Europa-Park hat eigene Briefmarken, die von einer Lahrerin entworfen worden sind. Evgeniya Scherer ist eine vielseitige Künstlerin.

Trotz E-Mails und SMS – über etwas Handschriftliches freut sich jeder. Auch aus dem Europa-Park werden Briefe und Postkarten verschickt, die seit dem Winter 2017 mit eigenen Briefmarken frankiert werden können. Sie zeigen die Maskottchen Ed und Edda im verschneiten Freizeitpark. Gestaltet wurden sie von Scherer, die nun neue, sommerliche Europa-Park-Briefmarken entworfen hat.

Es gibt wieder vier Motive: Ed, angezogen wie Toulouse-Lautrec, malt seine Muse Edda vor der Can-Can-Kugel. Außerdem sind Ed und Edda in den Kaffeetassen inmitten eines holländischen Tulpenmeers, antik gekleidet und frisiert im griechischen Themenbereich sowie in elsässischer Tracht zu sehen.

Scherer hat von Kindesbeinen an Briefmarken gesammelt. Als sie dem Europa-Park vorschlug, Briefmarkenmotive zu gestalten, war Inhaber Roland Mack sofort davon angetan. Bei mehreren Besuchen im Park sammelte sie Ideen, die sie danach auf eine Leinwand brachte. Ihre heiteren Briefmarkenmotive sind bei den Parkgästen beliebt, bereits die "Winteredition" hat sich vielfach verkauft.

Scherer ist in Sofia aufgewachsen und hat dort ein deutsches Gymnasium besucht. Zwei Herzen schlagen in ihrer Brust, eines für die Juristerei und eines für die Kunst. Die 42-Jährige ist promovierte Juristin, Spezialgebiet Medienrecht, und eben Künstlerin. Sie malt surrealistische Öl- und Acrylbilder, fertigt aber auch Collagen an, die reale Bezüge haben. Verheiratet ist sie mit Landrat Frank Scherer.

Brauchtum und Kultur sind ihr wichtig – sie sind der rote Faden bei ihren Sommerbriefmarken für den Europa-Park, die Ed und Edda in landes- oder zeittypischen Aufmachungen zeigen. Doch auch in ihrem eigenen Leben legt sie Wert auf Authentizität. Die Kleider, die sie bei offiziellen Anlässen des Ortenaukreises trägt, entwirft und schneidert sie selbst. Sie erinnern teils an die farbenreiche Pracht bulgarischer Folklore, wobei aber auch viel Persönliches in ihnen steckt.

In ihre Kleider integriert Scherer Teile von Trachten, die in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben worden sind. Diese Stücke kombiniert sie mit anderen Stoffresten, sodass etwas Eigenes entsteht. So werden die Teile wiederverwertet und erhalten durch neue Design-Ideen einen Mehrwert. Dabei kann sie sich gut vorstellen, künftig Stoffe aus verschiedenen Ländern zu kombinieren. Nebenbei setzt sie damit ein Zeichen gegen die Wegwerf-Mentalität in der Mode mit ihren schnelllebigen Trends.

"Als Juristin muss ich Regeln und Gesetze beachten, in der Kunst ist dagegen alles möglich", sagt Scherer, der das Gestalten ihrer Kleider eine ebensolche Freude wie das Malen macht.

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