Lahr Pony soll Herzen der Passanten erweichen

Pferdetrainer Mario sammelt Spenden auf dem Lahrer Schlossplatz. Foto: Köhler Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Schon seit einem Jahr müssen Pferdetrainer Mario und sein Pony Cherry auf Auftritte in der Manege verzichten. Die Corona-Pandemie stelle den kleinen Familienzirkus Harlekin, dem sie angehören, vor große finanzielle Probleme, erzählt der Pferdetrainer. Um diese Nöte ein wenig zu lindern, hat er mit dem Pony an seiner Seite am Montag auf dem Schlossplatz um Spenden gebeten.­

Mario erzählt unserer Redaktion, dass er – genau wie sein Pony – mit dem traditionellen Pferdezirkus aufgewachsen sei. Zunächst sei er Schausteller gewesen, ehe er sich auf das Trainieren der Pferde konzentriert habe.

Zirkusensemble sei auf Spenden angewiesen, um überleben zu können

Er berichtet, dass der Zirkus Harlekin normalerweise europaweit unterwegs sei. Bis zu sechsmal die Woche präsentiere man den Zuschauern Kunststücke – wenn nicht gerade eine Pandemie sämtliche Pläne durchkreuze.

Nun gehen Pferde und Artisten auf Spenden- statt auf Vorstellungstour: Sie ziehen durch das Land, um in den Innenstädten auf ihre Lage aufmerksam zu machen, und bitten um Hilfe. Denn der Zirkus müsse nicht nur die Mitarbeiter und 30 Pferde unterhalten, sondern beispielsweise auch noch die bereits vorgedruckten Werbeplakate für die ausgefallenen Vorstellungen 2020 abbezahlen. So sorgen diese abgesagten Vorstellungen für Ausgaben, ohne dass sie andererseits zu Einnahmen geführt hätten.

Der neunjährige Cherry, der auf dem Schlossplatz mit ausreichend Stroh und Karotten für den Tag versorgt ist, gibt sich große Mühe, die Herzen der Passanten zu erweichen. Mario erzählt indes von einem anderen Zirkus, der aufgrund der Pandemie bereits verkauft werden musste. Er hofft, dass im Sommer wieder Auftritte möglich sind, damit dem Harlekin-Ensemble dieses Schicksal erspart bleibt. Bis dahin sei man jedoch auf Spenden angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Mario und Cherry werden noch zwei Wochen in Lahr bleiben, bevor sie weiterziehen. "Auftrittsverbot durch Corona-Krise zwingt kleinen Familiencircus, um Spenden zu bitten", heißt es auf dem Aufsteller, hinter dem sie Position bezogen haben – das Pony unter einer wärmenden Decke, der Pferdetrainer vorschriftsmäßig mit Maske.

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