Lahr Pollen machen zu schaffen

Sascha Dittenhauser befreit in der Waschstraße der Firma Günther ein Auto von Blütenstaub. Foto: Kauffmann Foto: Lahrer Zeitung

Wann ist die Luft endlich befreit vom gelben Blütenstaub? Nicht nur die Allergiker sind genervt. Wer Auto und Fenster putzen will, muss extra schuften. Doch es gibt einige wenige, die sich über dieses Ärgernis freuen.

 

Lahr/Friesenheim. Da wissen selbst die Reinigungsprofis nicht mehr weiter: "Wir warten auf den nächsten Regen", sagt Frank Kettenacker, vom Bau- und Gartenbetrieb der Stadt Lahr nüchtern. Der Blütenstaub sei so fein, dass keine Kehrmaschine ihn einfangen könne. Kettenacker weiter: "Wir müssten den ganzen Blütenstaub von Hand entfernen. Und das wäre unvorstellbar viel Arbeit."

Woher kommen die vielen unliebsamen Pollen? Walter Voß vom Amt für Waldwirtschaft des Landkreises erklärt: "Wegen des warmen Aprils blühen derzeit viele Pflanzenarten gleichzeitig." Darunter sind auch Fichten, die in der Ortenau besonders häufig vorkommen. Sie erreichen ihre maximale Blüte alle vier bis sieben Jahre – und 2018 ist so ein Jahr. Die "mäßig starken Winde der vergangenen Tage" hätten die Pollen weitläufig verbreitet, berichtet der Fachmann. Ein Ende der Plage sei zumindest in den nächsten Tagen nicht in Sicht.

Das sind auch für Allergiker schlechte Nachrichten, die in den vergangenen Wochen ohnehin stark belastet gewesen sind: "In diesem Jahr ist es extrem", schildert David Kasper, Hals- Nasen- Ohrenarzt in Lahr. Die Pollen-Belastung in der Frühlingszeit sei "heftig". "Wir haben im Moment eine starke Saison." Zu ihm seien viele Betroffene gekommen, die zuvor seit Jahren beschwerdefrei gewesen seien und aufgrund des außergewöhnlich vielen Blütenstaubs über Schnupfen, Augenjucken, Reizhusten oder Jucken in Hals und Ohren klagten.

Facharzt Kasper ist nicht alleine mit den zahlreichen Pollen-Patienten. Die Allgemeinmedizinerin Diane Frank-Ermuth bestätigt: "Es kommen etwa ein Drittel mehr Patienten wegen Blütenstaubs in die Praxis." Und das schon seit Mitte April.

Pollen machen krank und schmutzig? Nicht nur. "Ich freue mich über den Blütenstaub", sagt Geschäftsführer Harald Günther vor seiner Waschstraße in Lahr scherzend. Gut aufgelegt erzählt er: Wegen des Staubs auf dem Lack kommen spürbar mehr Autos zum Waschen. Er schätzt: "100 bis 150" zusätzlich pro Tag. "Ich begrüße das Wetter, es ist ein willkommenes Geschenk", meint er strahlend, zumal die Zufahrt wegen der Baustelle am Kreisverkehr mit Umleitung monatelang gesperrt war. "Das hat uns in Mitleidenschaft gezogen", erklärt Günther ernst. Umso größer ist seine Erleichterung: "Ich habe mich gefreut, dass es losgeht."

Ein Patentrezept gegen den feinen Pollenfilm auf dem Lack gebe es nicht. "Der Blütenstaub sitzt in jeder Ritze", erklärt Sascha Dittenhauser, Teamleiter des Waschanlagen-Personals. Türfalzen, Lamellen am Kühlergrill oder Wasserlauf unter dem Scheibenwischer müssten besonders gründlich gereinigt werden.

Für Autofahrer gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: Die Filter halten die feinen Partikel ab, extra auswechseln muss man diesen nicht, beruhigt Autoexperte Stefan Bayer vom gleichnamigen Autohaus in Friesenheim.

Betroffene: Blütenstaub macht immer mehr Menschen krank. Wie die AOK, größte Krankenkasse Baden-Württembergs, mitteilt, wurden wegen Heuschnupfens im Jahr 2015 rund 5500 Versicherte behandelt. 2011 waren es kreisweit nur rund 4770 Fälle. Dennoch: Prozentual entspricht dies einem Anteil von 3,7 Prozent 2015 und 3,4 Prozent 2011. "Vor Pollen kann man sich kaum schützen, außer man reist in der Pollenflugsaison in Regionen, die nicht von Pollenflug belastet sind", teilt die AOK weiter mit.

Gegenmittel: Hilfreich für Allergiker seien jedoch Pollenschutzgitter an Fenstern, Augentropfen, Tabletten, salzhaltige Nasensprays und Nasenspülungen. Erleichterung könne außerdem das Inhalieren von Kamillendämpfen sein. Wer seine Allergie wirklich endgültig in den Griff bekommen will, macht eine spezifische Immuntherapie, die jedoch Jahre dauert.

Pollen in Lahr: Für die kommenden Tage wird für Lahr eine mittelstarke Belastung von Gräserpollen erwartet. Birkenpollen sind hingegen nur wenige in der Luft.

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