Lahr Pointen kommen oft durch die Hintertür

Uli Masuth punktete mit trockenem Humor. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

Uli Masuth zählt zu den eher leisen Vertretern des politischen Kabaretts. Bei seinem Auftritt zum Saisonauftakt des Kulturkreises hat er am Samstagabend sein neues Programm "Und jetzt die gute Nachricht" vorgestellt.

Lahr. "Bei mir lachen sie ohne Schadenfreude und schlechtes Gewissen, vor allem aber nachhaltig", unterstrich der Mann aus dem Ruhrpott im Stiftsschaffneikeller, der sich vor ein paar Jahren in Weimar niedergelassen hat. Uli Masuth hat sich auf die "gute Nachricht" eingeschossen, auf etwas, das im Kabarett normalerweise schlichtweg nicht vorkommt. Er klopft den Alltag, die politische Landschaft und das Weltgeschehen ab, findet dabei gleich reihenweise gute Nachrichten, die so auf den ersten Blick nur nicht wahrgenommen werden.

Der dritte Weltkrieg finde demnach nicht statt, weil die Bundeswehr nicht einsatzfähig ist, ohne die Deutschen aber einfach kein richtiger Weltkrieg geführt werden kann, so Masuth – Pointen kommen bei ihm oft durch die Hintertür. Gute Nachrichten gebe es auch für Alkoholiker: Bis im späten 19. Jahrhundert wurde Rotwein mit Bleiacetat, besser bekannt als Bleizucker, gesüßt. Das ist längst Geschichte, Alkoholiker leben heute also sehr viel gesünder als noch zu Beethovens Zeiten.

Masuth ist Kabarettist, studierter Germanist und Musiker, der sich das Singen in aller Regel aber verkneift. Das Klavier war trotzdem Stilmittel und zentraler Teil einer Performance, die mit leisen, eher nachdenklichen Tönen daher kam. Er saß am Flügel und klimperte, sinnierte scheinbar selbstvergessen und knüpft seine Gedankenketten. Ganz unvermittelt biss er dann aber zu.

"Nein heißt nein" lautet seine Botschaft

Er betrachtete die Flüchtlingsthematik und die Vorkommnisse in Köln, wollte am Ende aber nicht verstehen, dass es für eine Frau einen Unterschied machen soll, ob ein Afrikaner oder ein angetrunkener Rainer Brüderle nach ihr grapscht. "Nein heißt nein", lautete seine klare Botschaft an alle. Die Sache mit der Armeslänge Abstand fand er trotzdem gut, auch wenn Frau dabei manches Mal wohl besser eine Pistole in der Hand halten sollte.

Er schlenderte weiter zu den Finanzströmen und der Steuerhinterziehung, landete dann bei TTIP und dem damit verbundenen Grundrecht auf Profit. Masuth wird hier ganz trocken, am Verkaufsstand zwischen seinen CDs und Notenbüchern liegen auch Unterschriftenlisten gegen das Freihandelsabkommen.

Nach und nach klapperte er die zentralen Themen der vergangenen Jahre ab. Europa und die Osterweiterung, Griechenland und die Sparpolitik der Kanzlerin, die Finanzkrise und die Milliarden für die angeschlagenen Banken. Zwischendurch fiel sein Blick auf das Kleingedruckte auf der Lebensmittelpackung. Was hat es für den Verbraucher zu bedeuten, wenn von Spuren "natürlicher Knochen" die Rede ist?

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