Lahr "Platzt der Knoten, kann viel passieren"

Martin Heuberger weiß, wie man sich während eines Großturniers fühlt. 2007 wurde er als Co-Trainer Weltmeister, heute ist er für den DHB-Nachwuchs verantwortlich. Der deutschen Sieben traut er bei der EM auch weiterhin einiges zu.

So richtig im EM-Fieber ist Martin Heuberger noch nicht. Denn bis Montagabend war der 55-Jährige mit der U20-Nationalmannschaft, die er seit gut einem Jahr trainiert, beim Vier-Länder-Turnier in Portugal unterwegs. Die letzten 15 Minuten des knappen 28:27-Siegs der Deutschen gegen Lettland habe er noch gesehen, sagt Heuberger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Großes Lob für die Nachwuchsspieler

Die Niederlage gegen Spanien am Samstag hatte er sogar komplett verpasst, mit dem Nachwuchsteam spielte er parallel gegen Frankreich. "Ich bin noch nicht ganz im Turnier drin", sagt er deshalb. Das werde sich in den nächsten Tagen aber ändern, wahrscheinlich werde er sich die Aufzeichnung des Spanien-Spiels noch mal ansehen, mutmaßt der A-Nationaltrainer von 2011 bis 2014.

Im Gegensatz zum jetzigen Bundestrainer Christian Prokop, der an einigen Baustellen arbeiten muss, war Heuberger dann auch sehr zufrieden mit seiner Mannschaft. Denn während sich die A-Nationalmannschaft in den ersten Tagen der Europameisterschaft noch etwas schwer tut, gab es beim DHB-Nachwuchs einen Titel zu bejubeln, die U20-Auswahl gewann das Turnier in Portugal.

Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Das freut natürlich auch deren Trainer Heuberger aus Schutterwald. Er sprach von einem "überaus erfreulichen" Turnier, bei dem man sich gegen starke Gegner (Frankreich, Spanien und Portugal) durchgesetzt habe. "Um den Nachwuchs muss man sich keine Sorgen machen", sagt der zufriedene Coach. Überbewerten wollte er den erfolgreichen Auftakt mit dem neuen Kader nicht. "Die Spitze ist relativ eng zusammen", weiß er.

Diese Aussage trifft auch auf die derzeit laufende Europameisterschaft der A-Nationalmannschaften zu. Frankreich – eigentlich allein vom Namen einer der Topfavoriten – ist bereits raus, auch Weltmeister und Olympiasieger Dänemark droht bereits das Aus in der Vorrunde. "Das zeigt, dass in Europa die Leistungsdichte sehr groß ist", sagt Heuberger mit Blick auf das Favoritensterben, das er so nicht erwartet hätte. "Es ist schon überraschend, dass die Franzosen ausgeschieden sind. Vormachtstellungen, die es früher gab, gibt es nicht mehr", findet der Co-Trainer der Weltmeistermannschaft von 2007.

Die deutsche Mannschaft, die mit 0:2-Punkten in die Hauptrunde startet, will er trotz der bisher durchwachsenen Auftritt nicht abschreiben. Vieles sei nun "Kopfsache", die "gewisse Verunsicherung" gelte es abzulegen. Denn bislang habe die Prokop-Sieben ihr Leistungspotenzial noch nicht ausgeschöpft, glaubt Heuberger. "Wenn sich der Knoten löst, kann viel passieren", ist er überzeugt.

Ex-Bundestrainer drückt die Daumen

Dass eine Mannschaft während eines Turniers auch Rückschläge verkraften kann, weiß Heuberger aus eigener Erfahrung. Auch bei der WM 2007 verlor Deutschland – damals unter der Regie von Heiner Brand und seinem Co-Trainer Heuberger – in der Vorrunde gegen Polen. Am Ende stand bekanntlich der Titel. Ob es dieses Jahr genauso läuft, muss sich allerdings erst noch zeigen, erst mal steht die Hauptrunde in Wien auf dem Programm. In dieser wünscht sich Heuberger etwas "mehr Mut" von der DHB-Sieben. "Ich hoffe und wünsche mir, dass sie weit kommen", drückt er die Daumen.

Junioren-EM im Sommer der nächste Höhepunkt

Von nun an wird er die EM auch intensiver verfolgen können, der U20-Lehrgang inklusive Turnier ist vorbei, das nächste große Ziel ist die Junioren-EM im Sommer. So bleibt dem Schutterwälder auch hin und wieder Zeit, bei der A-Jugend des TuS – also der Mannschaft, die er vor seinem neuerlichen DHB-Engagement coachte – im Training auszuhelfen.

Den Schritt aus dem Landratsamt zurück in den hauptamtlichen Handball hat er bislang noch nicht bereut. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, es gibt nichts schöneres", sagt er. "Das Ziel ist jetzt, bei der EM im Sommer was zu holen." Wenn es die "Großen" im Winter seiner Sieben vormachen, hätte Martin Heuberger sicher auch nichts dagegen.

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