Lahr Pfiffige Banalitäten und große Poesie

Die Band "Rhinwaldsounds" lotete beim "Highmat-Abend" die Tiefen des Alemannischen aus. Foto: Baublies Foto: Lahrer Zeitung

Alemannisch ist beim "High­mat-Abend" im Schlachthof im Mittelpunkt gewesen. Die Band "Rhinwaldsounds" aus Kappel und Murre-Preisträgerin Kathrin Ruesch aus Buggingen überzeugten mit Wortschöpfungen und viel Fantasie.

Lahr. Die stabile Seitenlage taugt nach einem mehr als feuchtfröhlichen Abend nicht wirklich. Also bleiben dem Zecher nur die "Embryonalstellung" und einige mehr oder weniger philosophische Gedanken. Den Song dazu präsentierten "Rhinwaldsounds" als astreinen Blues. Was aber passiert, wenn dann morgens um 6.30 der Nachbar den Rasenmäher anwirft?

"Rhinwaldsounds" hatten am Abend viele Fans und das Lied konnten etliche der Besucher mitsingen. Der für Nicht-Alemannen recht komplexe Refrain wurde von vielen mitgesungen. Sänger Dominik Büchele lobte das Publikum: "Wunderbare Soulstimmen" seien da am Werk gewesen. Das Sextett kredenzte Banalitäten des Alltags mit alemannischem Charme. Insgesamt überzeugten neben den Brüdern Büchele, Dominik an der Gitarre und Gesang, Mirko an den Keyboards, Mathieu Schmitt am Bass, Julian Erhard an den Drums sowie Dominik Binning und Enrico Wieber als Sänger. Gerade die drei Stimmen waren mit dem Wechselgesang das I-Tüpfelchen der "Rhinwaldsounds". Die Niederungen, die die Gruppe auslotete, waren eine Klasse für sich. Eine Feinheit, die Moderator Heinz Siebold erklärte, ist das gesprochene Niederalemannisch der Musiker, das in der Ortenau heimisch ist.

Kathrin Ruesch war ein ganz anderes Kaliber. Die Autorin stammt aus Buggingen im Markgräflerland. Die Erzählerin überzeugte mit einer wunderbaren Poesie und einem gekonnten Wechsel zwischen der Hochsprache und ihrem heimischen Dialekt: Hochalemannisch. Es gibt wesentliche Unterschiede im Biologieunterricht an der Tafel (Schriftdeutsch) und dem echten Leben in den Baumwipfeln beim Blick aus dem Fenster des Klassenzimmers (Hochalemannisch). Das Gedicht "Kofferpacken" bot starke Bilder. "Was kommt mit, was bleibt da?" Hier öffnete Ruesch die Büchse der Pandora. Mit der womöglich ernst gemeinten Warnung, dass der Satz "Nehmen sie nur mit, was sie wirklich brauchen", nicht wirklich hilfreich sei. Aus der simplen Feststellung entwickelte Ruesch sprachliche Bilder, die gut und gerne an die Großen des Genres erinnern: Sie würde zurücklassen, was das Herz nicht verkraftet, "die Gespenster der Vergangenheit". Erinnerungen an einen gemeinsamen Morgen, "wenn die Glut des Lagerfeuers vom Morgenrot abgelöst wird", dürften ebenfalls mitkommen. Siebold würdigte diese Sprache als "Musik ohne Instrumente" – zu Recht.

Der alles andere als heimelige Abend gehörte zur Reihe "Orte für Worte", den die Stiftung Bürger für Lahr, die Lahrer Rockwerkstatt und der Schlachthof organisiert haben. Heinz Siebold, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, und Ulrike Derndinger von der Muettersproch-Gesellschaft moderierten das vielseitige Programm am Freitag.

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