Lahr Paul steigert geschickt die Spannung

Mchael Paul bei der Autoernlesung im Lahrer Forum-Kino Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Bei seiner Lesung im Kino hat Michael Paul die Recherche für seinen Thriller "Tabun" in den Mittelpunkt gestellt. So erfuhren die Gäste, wie Blinde den Alltag meistern und welche Gefahr von chemischen Kampfstoffen ausgeht, die im Meer liegen.

Lahr. Michael Pauls Lesung im Rahmen der Literaturtage "Orte für Worte" endet mit Impressionen von Rügen, einer kleinen Liebeserklärung an die Insel. Der Autor des Romans "Tabun" hat sich natürlich die Insel angesehen, auf der er einen großen Teil seines Thrillers verortet hat.

Paul steigt nach zwei historischen Romanen in eine Krimireihe um eine blinde Oberstaatsanwältin namens Katharina König ein. Obwohl die Geschichte rein fiktiv ist, hat der Lahrer Autor auch hier intensiv recherchiert: Paul hat eine Woche lang als Blinder gelebt und den Alltag ohne Augenlicht kennengelernt. Er hat auch mit Betroffenen geredet. Zur Lesung hatte er mit Lothar Baumann seinen wichtigsten Gesprächspartner eingeladen, außerdem verteilte er an die Zuhörer Augenmasken und Holzobjekte zum Ertasten. Die Besucher durften so erfahren, wie Blinde den Alltag meistern.

Paul hat sich auch intensiv mit den Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs, den Giftgasgranaten in der Nord- und Ostsee, auseinandergesetzt und kritisch die Tatsache beleuchtet, dass an vielen Stränden eine oft verharmloste Gefahr lauert. Die auf dem Meeresgrund verrostenden Granaten setzen Phosphor frei, der an den Stränden in Klumpen angespült wird, die auf den ersten Blick wie Bernstein aussehen. Wer sie aufhebt und einsteckt, schwebt jedoch in Lebensgefahr, weil sie sich bereits bei 30 Grad von selbst entzünden. Jeder vor Ort weiß das, die Gefahr wird aber heruntergespielt. Der Tourismus soll nicht abgewürgt werden, eine Entsorgung der meist in internationalen Gewässern lagernden Giftgasgranaten scheitert an der Frage der Zuständigkeit und an den Kosten.

Ganz nebenbei hat Paul natürlich auch aus dem Roman vorgelesen und dabei drei Passagen ausgewählt, die Hintergründe beleuchteten, ohne allzu viel von der Geschichte zu verraten. "Man muss als Krimiautor auch ein bisschen gemein sein und die Lust auf das Buch wecken, ohne wirklich etwas preiszugeben", lautete Pauls Kommentar zum Abbruch des letzten Abschnitts an einer besonders spannenden Stelle. "Sie können das Buch gleich draußen im Foyer erwerben", fügte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

"Vier Jahre nach dem Tag, der ihr Leben dramatisch verändert hat, ist die bis dahin gefürchtetste Oberstaatsanwältin Deutschlands zurück. Sie soll Licht ins Dunkel bringen, wo Politik, Justiz und Polizei wegschauen. Mit Dunkel kennt sie sich gut aus: Katharina König ist blind. Ihr erster Fall führt sie von Köln nach Rügen, wo ein junger Familienvater auf mysteriöse Weise ums Leben kommt. Doch etwas stimmt nicht! Katharina und ihr Assistent Elias stoßen auf einen teuflischen Plan, der die Welt auf einen Schlag verändern wird. Die Spuren führen zum Erbe aus dem dunkelsten Kapitel Deutschlands." So wird im Klappentext die Handlung des Romans "Ta­bun" beschrieben, der der Auftakt einer Thriller-Reihe um die blinde Katharina König ist.

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