Lahr Partei soll "klare Kante" zeigen

Ludwig Greber (links) gehört seit 70 Jahren der SPD an. Roland Hirsch ehrte ihn am Mittwoch beim traditionellen Heringsessen. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

 

Bei der 39. Auflage des Heringsessens hat sich die SPD in Ringsheim auf den Urnengang am 13. März eingestimmt. Es solle nicht nur um jede Stimme gekämpft, sondern den Populisten am rechten Rand auch die Stirn geboten werden.

Lahr/Ringsheim. Nach den Wahlprognosen sieht es im Moment düster aus für eine Neuauflage des aktuellen Regierungsbündnisses. Populisten am rechten Rand trommeln gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die Alternative für Deutschland (AfD), droht zum Zünglein an der Waage zu werden. Für die Genossen der SPD in der südlichen Ortenau ist die Marschrichtung deshalb eindeutig. "Es geht darum, Flagge zu zeigen und dem braunen Mob die Stirn zu bieten", wie Landtagskandidat Karl-Rainer Kopf im Anschluss an das Heringsessen der rund 80 Genossen betonte.

Das erste Wort hatte am Mittwochabend aber die Emmendinger Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle, die noch vor dem Essen aufbrechen musste, um bei der Gründung eines von ihr mit initiierten "Bündnisses gegen Rechts" in Waldkirch dabei zu sein. "Baden-Württemberg stehe hervorragend da, die Regierung leistet eine ausgezeichnete Arbeit", betonte sie. Der Erfolg drohe aber zunichte gemacht zu werden, weil verantwortungslose Stimmenfänger ohne politisches Profil mit dumpfen Parolen Ängste und Hass schüren. Da stimmte ihr selbst der politische Gegner, Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa (CDU), zu. Auch Dixa warnte eindrücklich vor rechter Stimmungsmache, brachte aber die Hoffnung zum Ausdruck, das sich am 13. März die demokratischen Kräfte in Baden-Württemberg durchsetzen werden.

"Klare Kante" forderte in dem Zusammenhang Ludwig Greber, der 94-jährige Ehrengast des Heringsessen. Der frühere Bürgermeister von Ringsheim, der am Mittwoch für 70 Jahre Parteizugehörigkeit geehrt wurde, erinnerte wie auch der anwesende ehemalige Europa-Abgeordnete Dietrich Elchlepp an die braune Färbung vieler Parolen der AfD. "Wer an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen wolle, damit drohe, aufzuräumen und auszumisten, disqualifiziert sich selbst", betonte Elchlepp. "Helfen statt hetzen" sei die Losung der Stunde. "Geht raus und sagt den Leuten, das anständige Menschen keine Rassisten wählen", forderte er die Genossen unmissverständlich dazu auf, in den nächsten Wochen Klartext zu reden.

Auch Karl-Rainer Kopf, der wie Bundestagsmitglied Johannes Fechner einen knallroten Maßanzug trug, warnte vor einer erstarkenden Rechten. Zu der zählte er neben der AfD und der NPD auch diejenigen, die sich von der russischen Propaganda auf die Straße locken lassen, um gegen Flüchtlinge zu protestieren, während Putins Bomber die Flüchtlingswelle weiter befeuere. "Ist die Integration hier wirklich gelungen?", lautete seine Frage.

In den kämpferischen Ton des Abends fielen auch Walter Caroli, Roland Hirsch und Wolfgang Miessmer ein.

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