Lahr Ohne Angst in den Unterricht

Lahr - Nach langen Monaten des Heimunterrichts und der Lernbrücke in den Sommerferien sind die Lahrer Schüler zurück im regulären Schulbetrieb. Normal ist ein Corona-Schultag derzeit nicht, aber Angst vor der Pandemie grassiert nicht auf dem Schulhof.

Erster Schultag ist etwas ganz Besonderes 

Der erste Schultag nach den Sommerferien ist etwas Besonderes. Das gilt in Zeiten der Corona-Pandemie mehr als je zuvor, denn mit Maske auf der Nase und in verschiedenen Sektoren auf dem Schulhof aufgeteilt haben die Schüler bislang noch kein Schuljahr begonnen. Die Corona-Einschränkungen müssen jedoch sein – und die Jugendlichen reagieren auf die aktuelle Lage mit Verständnis und Pragmatismus.

Schüler müssen sich an Regeln noch gewöhnen: Um 11.05 Uhr tönt der Gong zum Pausenstart durch das Schulgebäude am Max-Planck-Gymnasium. Eine Gruppe Schüler kommt aus ihrem Klassenraum, zwei laufen zunächst in die falsche Richtung: Nämlich entgegen dem Richtungspfeil, der auf die Einbahnstraßenregelung im Schulgebäude hinweist. Die Regelung dient dazu, dass sich Schüler auf den Gängen nicht entgegenkommen. Doch der Fehler ist schnell bemerkt. "Wir müssen da lang", so ein Mitschüler mit dem Hinweis auf die Richtungspfeile. Anschließend geht es in einer Stromrichtung weiter, als nächstes steht Sport auf dem Stundenplan.

Die Szene zeigt, dass die Schüler sich an die Corona-Regeln erst einmal gewöhnen müssen. Aber auch, dass sie die Situation ernst nehmen und sich gegenseitig auf Verfehlungen kontrollieren. "Es ist eine ziemlich ungewohnte Situation", sagt David, der mit seinen Mitschülern aus der zwölften Klasse auf dem Schulhof die Pause verbringt. Ansonsten bewertet der die aktuelle Situation pragmatisch: "Wir müssen das jetzt einfach trotz der Umstände durchziehen."

Regeln sind Frage der Gewöhnung

Der Jahrgang bleibt draußen in seinem Sektor, der durch grüne Linien auf dem Boden gekennzeichnet ist. Ein Zusammentreffen mit dem Nachbar-Bereich, wo sich die Neunt- und Zehntklässler aufhalten, ist nicht gestattet. Eigentlich sollen auch alle Schüler draußen Masken tragen, doch in der großen Pause sind einige Jugendliche ohne Mund- und Nasenschutz zu sehen. Auch hier scheint es noch eine Frage der Gewöhnung zu sein, bis alle Corona-Regeln befolgt werden.

Angst vor einer Corona-Infektion in der Schule ist nicht zu spüren. "Ich war aber schon ein bisschen aufgeregt vor dem ersten Corona-Schultag. Große Vorfreude hat sich nicht eingestellt", sagt Mika, ebenfalls aus der zwölften Klasse. Deniz, auch in seinem letzten Jahr am MPG, spricht, angesprochen auf den besonderen ersten Schultag, nahezu aus einer wissenschaftlichen Perspektive. "Ich halte die Aufteilung in Sektoren für sehr interessant. Die Reaktionen auf die Maskenpflicht fielen bei uns im Klassenraum gemischt aus. Aber an die Lage müssen wir uns jetzt gewöhnen – und einfach da durch."

Platzmangel im Scheffel-Gymnasium: Für Antje Bohnsack, stellvertretende Schulleiterin im Scheffel-Gymnasium, gehört die Maske schon zum Schulalltag dazu. So sehr, dass sie den Mund- und Nasenschutz beim Telefongespräch mit der Lahrer Zeitung zunächst vergisst. "Den nehm ich jetzt mal ab, dann bin ich auch besser zu verstehen", sagt sie.

Der erste Corona-Schultag war, so Bohnsack, ein gelungener. "Das Hygienekonzept hat gut funktioniert. Alle Schüler haben auch ihre Masken aufgesetzt. Auch wenn sich schon einige gefragt haben, warum sie zum Beispiel im Sportverein keinen Mund- und Nasenschutz tragen müssen, bei uns aber schon", so die stellvertretende Schulleiterin.

Das Scheffel-Gymnasium stehe, auch aufgrund der aktuellen Sanierungsarbeiten, aber vor einem Platzproblem. "Wir haben zu wenig Räume, sobald die Schüler mal nicht in ihrem Klassenraum sind", bemängelt Bohnsack. "Draußen war es für die Kinder auch echt schwer, die Abstände einzuhalten und unsere Pausenaufsicht musste die Schüler häufiger daran erinnern, auch die Masken aufzusetzen. Trotzdem war eine Vorfreude zu spüren, dass die Schule wieder losgeht.".

Mit ganzem Personal zurück in den neuen Alltag: Auch das Clara-Schumann-Gymnasium ist in den Corona-Schulalltag gestartet. "Alle Schüler und auch alle Lehrer sind zurück im Präsenzunterricht", sagt Schulleiter Joachim Rohrer. Die Corona-Auflagen seien bislang gut umgesetzt worden.

"Im Moment läuft alles in geregelten Bahnen", so Rohrer. 420 Schüler sind gekommen und 43 Lehrer unterrichten am Clara-Schumann-Gymnasium. Die Begrüßung der Fünft- und Siebtklässler am heutigen Dienstag fällt aber bescheiden aus. "Auf ein Programm mit Kuchen und Musik müssen wir dieses Jahr verzichten", so Rohrer.

Corona fast als "Nebensache": Für die Otto-Hahn-Schule war es am Montag nicht nur der ersten Corona-Schultag, sondern auch der erste Tag als Verbundschule im Zusammenspiel mit der Theodor-Heuss-Schule. Durch die Kooperation kamen 850 Schüler aus den Sommerferien zurück.

"Damit stellen wir jetzt die größte Sekundarstufe in der Ortenau. Weil einige Schüler ja auch die Klasse gewechselt haben, war es ein erheblicher Koordinationsaufwand, die Kinder und Jugendlichen richtig aufzuteilen", sagt Marco Baumelt-Huber, Schulleiter der Otto-Hahn-Schule und derzeit auch alleinig für die Verbundschule zuständig. "Da ist Corona für uns gerade fast Nebensache", so Maike Lehmann, Sekretärin der Otto-Hahn-Schule. "Bei den Schülern war schon eine leichte Spannung zu spüren, ob Schule unter den Bedingungen gelingen kann. Aber es waren alle mit Maske da und es gab auch keinen Protest dagegen", so Baumelt-Huber. "Es war ein guter erster Schultag."

Das sind die Regeln zur Maskenpflicht 

Ab der fünften Klasse gilt in weiterführenden Schulen weiterhin eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts, also etwa auf dem Hof oder für den Gang zur Toilette, nicht aber im Unterricht. Dort muss nur der Lehrer eine Maske aufsetzen, sobald er seinen Platz am Pult verlässt.

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