Lahr Ökologisch gegen die Kirschessigfliege

Hans Wöhrle (Mitte) führte die Teilnehmer durch die Reben am Schutterlindenberg. Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Von Christine Breuer

 

Lahr. Der ökologische Weinbau und die Entwicklung des Weinguts Wöhrle waren Themen, über die sich der SPD Ortsverein Lahr am Donnerstagabend im Rahmen seiner Sommertour informiert hat. Hans Wöhrle nahm die Mitglieder mit in die Weinberge.

Weiß bestäubt präsentieren sich die Rebstöcke des Weingutes auf dem Schutterlindenberg derzeit. Um der Kirschessigfliege vorzubeugen, seien die Pflanzen auf Traubenhöhe gekalkt worden, sagte der Winzer. Steche die Kirschessigfliege eine Traube an, verwandle sich der Zucker innerhalb von zehn Stunden in Essig. Außerdem legten die Fliegenweibchen jeweils bis zu 400 Eier in eine Beere, was die Plage sehr unberechenbar mache.

Da das Weingut Wöhrle auf biologischen Weinbau setzt, kommen laut Wöhrle chemische Mittel zur Bekämpfung der Kirschessigfliege nicht infrage. Die Weinbauern haben sich mit der Forschungsanstalt in Freiburg kurzgeschlossen und eine ökologisch-biologische Strategie ausgetüftelt, die den Trauben und demnach auch dem Wein nicht schadet.

Eine Reihe wurde als Kon­trollsorte ausgewählt, in der es auch tatsächlich angestochene Trauben gegeben habe, berichtete Wöhrle. In den Beeren seien Eier gefunden worden. Zwischen die Blätter haben die Winzer auch eine Falle mit Kieselsäure gehängt, die die Kirschessigfliegen anlockt.

Wöhrle gab auch einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung des Weinguts, das einst städtisch war. 18 Hektar Land, davon 15 Hektar mit Reben bepflanzt, bewirtschaftet die Winzerfamilie. Dafür werden in der Regel sechs, in der Lese bis zu zwölf Saisonarbeitskräfte aus Rumänien beschäftigt, die über einen Maschinenring, ein Netzwerk der Winzer, vermittelt werden. "Wir haben mit den Leuten nur gute Erfahrungen gemacht", sagte Wöhrle beim Spaziergang durch die Reben, bei dem natürlich auch hier und da Wein probiert wurde. 1978 habe ihm der damalige Oberbürgermeister Philipp Brucker das 1943 gegründete Weingut zur Bewirtschaftung angeboten, erzählte Wöhrle. Damals sei der Weinkeller noch in der Villa Jamm untergebracht gewesen.

Kontinuierlich habe die Familie das Weingut auf- und ausgebaut, den Standort in die Weinbergstraße in direkte Nähe ihrer Reben verlegt. 500 000 Mark haben die Wöhrles damals in den Kauf und Ausbau des heutigen Gebäudes investiert.

Seit 1982 ist der Winzerbetrieb Ausbilder, 1991 wurde auf biologischen Weinbau umgesattelt. 2012 wurde der Betrieb erweitert, 2013 übergaben die Eltern den Betrieb an ihren Sohn Markus und dessen Frau Tanja. Heute heißt das Weingut nicht mehr Weingut Stadt Lahr, sondern Weingut Wöhrle.

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