Lahr Ökologie und Ökonomie vereinbaren

Landwirtschaft und Artenschutz –­ passt das zusammen? Zu dieser Frage hatte die BUND-Ortsgruppe Lahr drei Fachleute aus beiden Gruppen eingeladen. Ziel war es, den Zwist zum Volksbegehren "Pro Biene" aufzugreifen und nach Lösungen zu suchen.

Lahr (red/jr). Mit Beispielen aus der Praxis zeigten die Referenten, wie Ökologie und Ökonomie vereinbart werden können und wie der Rückgang der Insekten gestoppt werden kann, so eine Pressemitteilung.

Silvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND, Martin Geng, Bioland-Obstbauer vom Obstparadies Staufen, und Hans Bartelme, Naturland-Vizepräsident mit eigenem Naturland-Hof in Rheinau, kamen nach Lahr. Pilarsky-Grosch zeigte auf, wie die unterschiedlichen Anbaumethoden beispielsweise auf die Bodenqualität wirken. Sie ging auf die Forderungen des Volksbegehrens und auf das Eckpunktepapier der Landesregierung ein.

Hans Bartelme beschrieb seinen Hof mit Tierhaltung und Futterproduktion. Geng zeigte in seinem Vortrag, wie er in seinem Betrieb ganz ohne Spritzmittel auskommt. Im Obstparadies Staufen werde komplett auf Spritzmittel verzichtet, auch auf die im Ökoanbau erlaubten Mittel. Seine Verbündeten seien Insekten und Vögel, die er bestmöglich unterstütze, heißt es weiter in der Mitteilung. Als Beispiele nannte er Insektenhotels, Unterkünfte für Blattlausfresser wie Marienkäfer und Florfliegen und Nistkästen für Vögel. Nie werde eine ganze Blumenwiese komplett gemäht, da dies der Insektenpopulation sehr schaden würde.

Pestizide als großes Problem

Ein Knackpunkt wurde in der Diskussion deutlich: Die Strukturen, in denen die Landwirte durch die Beratung der Landwirtschaftsämter bis zu 40 Spritzungen mit Pestiziden pro Saison vornehmen, seien nicht so leicht aufzubrechen. Die im Hintergrund arbeitenden Konzerne wie Syngenta oder Bayer, die beratend bei Landwirten und Ämtern tätig seien, wurden als Problem benannt.

Die Konzerne haben das größte Interesse daran, weiter ihre Pestizide zu verkaufen – eine Halbierung der Spritzmittel, wie vom Volksbegehren gefordert, passt nicht zum Wachstumszwang, so die Mitteilung. Artenschutz und Landwirtschaft könnten nur zusammenpassen, wenn dieser gordische Knoten erkannt und durchschlagen werde. Wissen und selbst denken und handeln, so Martin Geng, sind nötig und bringen Erfolg für Landwirtschaft und Artenschutz.

Im Austausch zwischen Podium und Publikum wurden viele Probleme angesprochen. Ein Landwirt im Nebenerwerb schilderte anhand von Beispielen den Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte, der seit Jahrzehnten anhalte. Dass Bio, wenn es zum Beispiel in Monokulturen angebaut wird, auch nicht gut für die Artenvielfalt und dass konventionelle Landwirtschaft nicht grundsätzlich schlecht sei, wurde ebenfalls angesprochen.

  • Bewertung
    0