Lahr OB wird an seinem 111. Amtstag entmachtet

Lahr - Der Zottli ist befreit, der Rathausschlüssel in Narrenhand. Mit der Rathausstürmung hat die fünfte Jahreszeit in Lahr offiziell begonnen. OB Markus Ibert wurde nach exakt 111 Tagen im Amt (vorerst) entmachtet.

Um 18.30 Uhr hat OB Ibert noch mit den Rathausschlüssel süffisant aus dem geöffneten Fenster gewinkt. Eine knappe halbe Stunde später war der Schlüssel schon in Narrenhand und Ibert (vorerst) als Lahrer Oberbürgermeister abgesetzt.

Aber von Anfang an: Gegen 18 Uhr war es soweit. Mit großem Gebrüll wurde der "Grusilochzottli" lautstark aus seinem Gefängnis, dem Storchenturm, befreit. Mit großen Sprüngen tanzte er vor dem Storchenturm herum, untermalt von zahlreichen Guggenmusiken. Anschließend zog der farbenfroh gekleidete Pulk Richtung Rathausplatz, denn es galt, den Narrenbaum aufzustellen. Eine knappe Viertelstunde mühten sich die Narren ab, dann stand der Baum.

Nun eroberten die Narren die Bühne vor dem Rathaus: erst fegten und tanzten sie. Dann wurden sie ungeduldig, schlugen mit ihren Besen gegen die Rathaustür: denn der OB ließ auf sich warten. Schließlich kam er doch, eingekesselt von grimmig dreinschauenden Hexen, aber der OB lacht und beginnt seine Rede. Ibert wirkte bei seinem ersten Auftritt an der Fasent zu Beginn ziemlich nervös, klebte an seinem Notizzettel und musste auch beim kurzen "Narri, narro" einen Blick auf seinen Zettel werfen. Nach den ersten Sätze entspannte er sich aber sichtlich.

Mit Talent, Charisma und Sex-Appeal

Der Rathauschef sowie Baubürgermeister Tilman Petters waren in schwarze Anzüge gekleidet und trugen schwarze Hüte. Ein bisschen erinnerten sie in ihren Kostüm an die "Blues Brothers". Es galt nun, wie Ibert es ausdrückte, zu prüfen, "ob der neue Mann auch so richtig Fasent kann". Im Wechsel mit Petters trug er seine humorvolle Rede vor, die für Gelächter im Publikum sorgte. Aber einer aus dem Führungstrio fehlte: Guido Schöneboom. Das blieb auch in der Bütt nicht unerwähnt: "Normalerweise sind wir immer zu dritt, doch Guido konnt’ ganz überraschend nicht mit. Er freute sich auf diesen Abend zu sehr – so zogen die Ärzte ihn aus dem Verkehr."

Doch davon ließen sich Petters und Ibert nicht die Fasent verderben, denn auch als Duo könnten sie gut auf die Pauken hauen, wie sie verkündeten. "Wir haben einfach von allem zu viel: Talent, Charisma, Sex-Appeal." Nur an Widerstandsfähigkeit schien es Ibert und Petters zu mangeln. Ohne Gegenwehr händigten sie den Rathausschlüssel an Oberzunftmeister Johannes Ruf aus. "Die Schlüssel haben jetzt wir in der Hand, jetzt regieren die Narren erst recht außer Rand und Band", verkündete dieser.

Allzulang muss es Markus Ibert aber nicht ohne Amt aushalten. Nächsten Mittwoch, mit dem Ende der Fasent, ist es auch mit der Herrschaft der Narren in Lahr schon wieder vorbei.

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