Lahr OB-Wahl: "Das Areal der Post muss man wachküssen"

Bewerber Guido Schöneboom möchte das Areal rund um die Alte Post sanieren und dort ein großes neues Gebäude für Kultur und Bildung bauen. Foto: Braun

Lahr - Auch OB-Bewerber haben Wünsche. Zur Wahl hat unsere Redaktion alle Kandidaten gefragt, welchen Ort sie in Lahr verändern würden, wenn Sie OB werden würden. Sie zeigen uns ihren "Wunsch-Ort". Heute: Guido Schöneboom an der Alten Post.

"Dieser Ort hier ruft geradezu nach einem Kuss aus dem Dornröschen-Schlaf!" Guido Schöneboom, parteiloser Kandidat mit SPD-Nähe, steht auf dem Parkplatz der Alten Post auf dem Areal zwischen Schillerstraße, Lotzbeckstraße, Im Lotzbeckhof und der Eichrodtstraße. Um ihn herum parken jede Menge Post-Transporter, es ist nach Feierabend.

Die Alte Post, das ist ein Riesengelände, das man von den beiden Straßen aus so gar nicht vermutet. Es umfasst geschätzt rund 22 000 Quadratmeter. "Das ist eine der letzten richtig großen freien Flächen in der Innenstadt, die wir entwickeln und neu gestalten können", ist sich Schöneboom sicher. Er möchte an diesem Wunsch-Ort der LZ-Wahlserie exemplarisch zeigen, wie er Lahr auch städtebaulich im Innern weiter voranschieben würde. Wenn er denn Stadtoberhaupt wäre.

"Das Gelände ist ideal für eine umfassende Bebauung, mit drei, vier Stockwerken", meint er und zeigt auf die großen, geteerten Parkflächen, die heute noch von der Post als Stellplätze für die gelben Kastenwagen genutzt werden. Das große, grüne Gebäude, in dem die Lahrer Post lange Zeit untergebracht war, steht heute fast leer. Das Verteilzentrum der Post ist dort noch zuhause, die Postschließfächer auch, doch die sollen bald umziehen. Der Efeu rankt idyllisch an der Hauswand entlang und erobert sich Meter für Meter. Das Haus selbst ist offenbar im Innern ziemlich marode.

Würde es fallen, böte sich von der Lotzbeckstraße ein freier Blick auf das wenig beachtete Gelände. Im hinteren Teil, in der alten Sparkasse, klebt ein alter Anbau am historischen Gebäude. Weiter vorn, am Eck, sitzt die Volksbank mit Teilen ihrer Büros. Beiden Kreditunternehmen gehört das Areal samt Gebäuden, die Volksbank hat den merklich größeren Teil.

Was hätte Guido Schöneboom dort vor? "Man könnte dort einen Magneten für die Innenstadt entwickeln", schwärmt er. Gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe will er schlagen: "Dort könnten eine neue Volkshochschule und eine neue Mediathek einziehen. In den bisherigen Räumen im Haus zum Pflug ist für eine Modernisierung dieser wichtigen Einrichtungen einfach kein Platz mehr. Und sie sollten zentral in der Innenstadt bleiben, gut erreichbar mitten in der Stadt".

Dies sei wichtig, um "Bildung für alle" zu verwirklichen, meint er. Lebenslanges Lernen werde immer wichtiger, neue Angebote könnten hinzukommen, "ein Riesengewinn für unsere Stadt". Schöneboom schwebt nicht weniger vor als "ein neuer, attraktiver Treffpunkt für die Stadtgesellschaft", ein Ort, an dem Bildung und Kultur ihren Platz haben könnten. In neuen, modernen Räumen, mit erweitertem Spektrum.

Zu diesen beiden beliebten Einrichtungen sollten sich seiner Einschätzung nach noch weitere Nutzungen in einem großen neuen Gebäude auf dem Postareal einfügen. Zum Beispiel Teile der Stadtverwaltung. Auch die brauche immer mehr Raum, weil auf die Kommune Aufgaben zukommen, für die es heute schlicht keine Büros mehr gebe. "Manche Abteilungen wurden in letzter Zeit massiv vergrößert. Die sollten in einer Art neuem Rathaus auch auf dem Postareal Platz finden", wünscht er sich.

Obendrauf, in bester Innenstadtlage, schweben ihm eine Dachterrasse und auch Wohnungen vor. Bei bis zu vier Stockwerken sei dann ordentlich neuer Platz geschaffen. "Und die Höhe des Baus würde die Umgebung nicht überragen", sagt Schöneboom. Für die Gestaltung dieses neuen Magneten könne er sich einen Architektenwettbewerb vorstellen. "Das wäre ein reizvolles Objekt". Viele Parkplätze, schiebt er nach, könnten im Boden versenkt werden: Zwei Tiefgaragen-Parkdecks ließen sich dort einbauen. "Das würde die Parksituation in der Innenstadt verbessern".

"Dieser Schatz, den wir hier haben, muss gehoben werden", appelliert er. Und er rechnet sich durchaus realistische Chancen für dieses Millionen-Vorhaben aus. Die beiden Banken, in deren Besitz Grundstücke und Immobilien sind, würden ebenfalls an einer Neuausrichtung dieses Quartiers Interesse haben, hätte er bei Sondierungen erfahren. Und die Stadt selbst könnte gerne auch als Partner für das Projekt einsteigen, wenn sie mit eigenen Abteilungen in den neuen Postbau einziehen würde.

Das bisherige Haus für die Lahrer Volkshochschule und die Mediathek, das Haus zum Pflug, sollte anschließend neu genutzt werden: als Mehrgenerationenhaus, rät Schöneboom.

Ob das alles tatsächlich zu verwirklich sei, fragen wir ihn. "Ja, davon bin ich fest überzeugt. Das wäre ein Großprojekt, das echte Chancen hätte. Wenn man nur will", sagt er, blickt über die Reihen mit gelben Postautos hinweg und wähnt sich in Gedanken wohl schon ein bisschen bei der feierlichen Einweihung des neuen Multifunktionsgebäudes.

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