Lahr Podiumsdiskussion: OB-Kandidaten im direkten Vergleich

Lahr - Die Spannung steigt, noch 22 Tage bis zur Wahl des neuen Oberbürgermeisters. Bei der Podiumsdiskussion der Lahrer Zeitung trafen die fünf Kandidaten erstmals aufeinander. Es war ein aufschlussreicher Abend.

Schon vor dem Beginn lag etwas in der Luft. Für die Lahrer war es die erste Gelegenheit, die fünf Bewerber direkt miteinander zu vergleichen, deshalb wollten sich viele den Abend nicht entgehen lassen. Die Mehrzweckhalle war rappelvoll, die Stimmung unter den Gästen erwartungsfroh.  

> Die Atmosphäre: "Der Wahlkampf tritt in seine heiße Phase", sagte Guido Schöneboom auf dem Podium und brachte damit eine heitere Note ein, denn es war subtropisch warm in der Halle. Alle Kandidaten – bis auf Christine Buchheit – entledigten sich ihrer Sakkos und gingen die Sache hemdsärmelig an. Die Besucher nahmen die Wahlflyer der Kandidaten zur Hand, um sich frische Luft zuzufächeln. Zwischen den Konkurrenten um den OB-Posten blieb es friedlich, die einzige verbale Spitze setzte Buchheit unfreiwillig: Auf die Frage nach ihrem Führungsstil als Rathaus-Chefin sagte die 51-Jährige, sie würde "mit den Bürgermeistern entscheiden". Gelächter im Saal war die Folge, nur der Erste Bürgermeister Guido Schöneboom setzte eine süß-saure Miene auf. Dabei hatte Buchheit lediglich verdeutlichen wollen, dass sie teamfähig ist.

 > Die China-Frage: Das in den vergangenen Wochen am heißesten diskutierte Thema in Lahr durfte nicht fehlen. Auf die Frage, ob er einem Betrieb des Flugplatzes unter chinesischer Regie zustimmen würden, gab Schöneboom die kürzeste Antwort des Abends: "Nein". Die Zuhörer quittierten es mit lautem Applaus.

Das Limit von einer Minute pro Antwort schöpfte dagegen Ibert voll aus, sagte, dass am Flugplatz mehr als 5000 Ar­beitsplätze entstanden seien, dort eine hohe Wertschöpfung stattfinde. Ein Verkauf der Fläche an Chinesen komme für ihn nicht in Frage. Auf die konkrete Frage einer möglichen chinesischen Betreiberschaft ging er nicht ein.

Oßwald sagte, er sei ein Gegner des Fliegens, seit er als Kind unter der Einflugschneise des Flugplatzes habe leiden müssen. Durke schlug alternative Nutzungen vor, etwa als Festivalgelände.

Buchheit warnte vor der Einflussnahme aus dem Reich der Mitte, verwies auf die globale Strategie der Chinesen, sich Schlüsseltechnologien zu sichern: "Wir dürfen den Chinesen nicht den Roten Teppich ausrollen und sie in unsere gute Stube lassen, sonst werden wir unsere gute Stube nicht wiedererkennen." Auch dafür gab’s starken Beifall.

 > Wohnungsnot: Was tun, damit es mehr bezahlbaren Wohnungen gibt? Schöneboom erinnerte daran, dass die Stadt 2017 eine Sozialquote beschlossen hat, wonach bei Bauprojekten mindestens 20 Prozent der Fläche als sozialer Wohnraum auszuweisen sind. In den nächsten Jahren würden 150 Wohnungen fertiggestellt, außerdem wolle man Menschen früh begleiten, denen die Obdachlosigkeit droht. Oßwald will eine Sozialquote von 50 Prozent. Ibert stellte fest, dass in Lahr 400 Wohnungen leer stehen. Die Inhaber sollten davon überzeugt werden, sie zu vermieten – "aber das geht nur freiwillig". Durke forderte, dass die Stadt als "Zwischenbürge" auftreten soll, damit Hausbesitzer an Menschen mit schmalen Geldbeutel vermieten. Buchheit sagte, dass man "kreativ mit Flächen umgehen" und Wohnungen etwa über Parkplätzen oder Supermärkten bauen soll.

 > Selbstbeschreibung: Nicht bei jeder Frage waren markante Differenzen feststellbar. Die Schutterparallele will zum Beispiel keiner der Kandidaten, einen besseren ÖPNV jeder. Einig waren sie sich auch darin, dass die Umfahrung Kippenheim-Mahlberg nicht auf Kosten der Lebensqualität in Lan­gen­winkel gebaut werden darf.

Wenn bei Sachfragen keine großen ideologischen Unterschiede deutlich werden, geraten die Persönlichkeit und die Biografie der Bewerber umso stärker in den Blick. Schöneboom warb damit, dass er als Bürgermeister bereits gute Arbeit leiste und für Kontinuität stehe. Die Stadt sei "mit der Handschrift von Dr. Müller" auf einem guten Weg – daran wolle er anknüpfen. Lahr müsse "lebens- und liebenswert" bleiben.

Oßwald sagte über sich, dass er politisch links stehe, "obwohl ich in einem erzkonservativen Elternhaus erzogen wurde". Bürgerbeteiligung und soziale Fragen, vor allem bezahlbarer Wohnraum, seien ihm wichtig.

Ibert kommt als gebürtiger Ettenheimer aus der Nähe, anders als Schöneboom und Buchheit. Das betonte er: "Ich bin von hier." Er würde die Region sowie die Menschen kennen und dafür einstehen, "das Bewährte fortzuführen". Ein "Weiter so" werde es mit ihm aber nicht geben.

Durke hob hervor, dass mit ihm erstmals ein Mitglied der Tierschutzpartei für den OB-Posten in Lahr kandidiert. Er sei kein Politprofi wie die anderen Kandidaten, würde sich aber durch seinen Einsatz für soziale Themen, das Tierwohl und den Klimaschutz auszeichnen.

Buchheit, Diplomatin im Auswärtigen Amt in Berlin, ist die einzige Frau im Feld. Sie betonte das, indem sie sagte, "als berufstätige Frau und Mutter stehe ich mit beiden Beinen im Leben". Außerdem versprach sie, "ein offenes Ohr für die Belange der Menschen" zu haben.

> Was, wenn’s schief geht? Die Moderatoren Jörg Braun und Stefan Maier fragten die Kandidaten auch, wie sie sich ihre Zukunft im Fall einer Wahlniederlage vorstellen. Schöneboom erklärte, er werde als Bürgermeister weitermachen, Ibert will IGZ-Chef bleiben, Oßwald verwies auf seine Mandate im Gemeinderat und Kreistag, Durke will sich weiter für den Tierschutz einsetzen, Buchheit würde ihren Diplomatenposten im Auswärtigen Amt behalten.

Auf die Frage, wie gut die Akkus nach den ersten Wahlkampfwochen noch gefüllt sind, gab sich keiner eine Blöße: Alle Kandidaten erklärten, noch fit zu sein.

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