Lahr Neues Haus an der Stiftskirche glänzt

Lahr - Das Haus an der Stiftskirche, früher Gemeindehaus am Doler Platz genannt, ist das Herzstück der evangelischen Kreuzgemeinde. Nach einer eineinhalbjäh­rigen Sanierung wird das runderneuerte Gebäude am Samstag wieder eingeweiht.

Es gibt wohl kaum einen Lahrer, der die Anfang der 1970-Jahre errichtete Immobilie nicht schon von innen gesehen hat. Die Kreuzgemeinde veranstaltet dort ihren Konfirmandenunterricht und ihre Seniorennachmittage, dort treffen sich Jugendgruppen, Frauen- und Ältestenkreise, die Kantorei hält dort ihre Musikproben ab. Der große Saal ist Schauplatz von Aufführungen fast jedweder Art und kann auch für weltliche Anlässe gemietet werden.

Seit 18 Monaten muss die Kreuzgemeinde mit ihren 7500 Mitgliedern ohne das Haus auskommen. Gerd Möllmann, Vorsitzender des Ältestenkreises, sprach am Montag von einer "Diaspora-Situation", die nun zum Glück zu Ende gehe. Mit ihren Gruppentreffen war die Gemeinde in das Gemeindehaus Sancta Maria und den Saal der Christuskirche ausgewichen, während die Kantorei mit ihren Proben durch mehrere Lahrer Schulen getingelt war. "Die Bezugspunkte haben gefehlt", sagte Pfarrer Frank Schleifer in einem Pressegespräch über das Provisorium. Es sei wichtig für das Gemeinschaftsgefühl in der Kreuzgemeinde, dass ihre Angebote nun wieder unter einem Dach vereint sind. Auch Trude Sommer, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, nannte die Fertigstellung "ein Plus für unsere Kirchengemeinde. Alle freuen sich darauf".

Foyer ist jetzt größer und gemütlicher

Mitglieder, die am Samstag zur Einweihung oder am Sonntag zum Tag der offenen Tür kommen, werden Vieles verändert vorfinden. Das beginnt beim Haupteingang, der einen Windfang erhalten hat. Dadurch wird das dahinterliegende Foyer aufgewertet, das zusätzlich vergrößert worden ist, da man auf die Treppe, die von dort ins Untergeschoss führte, nun verzichtet hat. "Die Aufenthaltsqualität im Foyer steigt, dort herrscht jetzt eine andere Atmosphäre", freut sich Möllmann.

Der große Saal mit seinen 225 Quadratmetern Fläche hat jetzt keinen Teppichboden mehr, sondern schickes Holzparkett. An den Saalseiten wird nun kein Mobiliar mehr gestapelt – dafür ist ein Anbau errichtet worden. Außerdem gibt es eine neue mobile Trennwand, die es möglich macht, dort künftig zwei Veranstaltungen gleichzeitig abzuhalten.

Der Platz vor dem Haus ist angehoben worden

Geplant worden ist die energetische Sanierung, an der 30 Handwerksfirmen beteiligt waren, vom Lahrer Architektenbüro Conrad + Conrad. Michael Conrad verdeutlichte die Größe der Aufgabe, sagte, dass man Vieles "auf den Rohbau zurückführen" musste. Wände sind überarbeitet, neue (Parkett-)Bodenbeläge verlegt, zwei Balkone abgesägt, ein Lichthof vor den Fenstern des Untergeschosses angelegt und das undichte Flachdach im Erdgeschoss ausgebessert worden. Das Gebäude ist jetzt auch barrierefrei – dazu ist der Vorplatz leicht angehoben worden, sodass der Haupteingang nun ohne Treppe auskommt.

Außerdem ist ein neuer, größerer Aufzug eingebaut worden. "In den alten Aufzug kam man mit dem Rollator, aber nicht mit dem Rollstuhl rein", verdeutlichte Sommer. Froh ist die Vorsitzende des Kirchengemeinderats auch über die neue Ausstattung der Küche, die ganz neue Möglichkeiten eröffne.

Gewinner der Sanierung – wenn man so will – sind auch die Pfarrer Frank Schleifer, Michael Donner und Markus Luy, die bereits im Herbst 2019 benachbarte Dienstzimmer im vierten Stock des Hauses erhalten haben – ­bisher unterhielten sie ihre Büros teils in ihren Privatwohnungen. Bezirkskantor Hermann Feist durfte sich von seinem Büro im Untergeschoss verabschieden und hat einen neuen Raum im ersten Obergeschoss bezogen – damit hat er sich ebenfalls deutlich verbessert.

Auf drei Millionen Euro beziffert Sommer die Kosten für die Sanierung und den Umbau, wobei der Evangelische Oberkirchenrat Karlsruhe den Löwenanteil übernimmt. Die Kreuzgemeinde trägt 20 Prozent, wobei man teils den Erlös aus dem Verkauf der Friedenskirche einsetze, so Sommer. Außerdem habe man Privatspenden erhalten, für die man dankbar sei.

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