Entlastung für Lahrer Osten Neue Tunnel-Idee von Herrenknecht

Lahr/Schwanau - Tunnelbauer Martin Herrenknecht bringt für die vom Verkehr überlastete B 415 eine spektakuläre neue Idee ins Spiel: einen durchgehenden, langen Tunnel unter dem Langenhard, von der Stadtmitte Lahr bis an den Kreisverkehr hinter Reichenbach.

Seit vielen Jahrzehnten stöhnen die Taldörfer Kuhbach und Reichenbach plus die Geroldsecker Vorstadt über den Durchgangsverkehr auf der B 415. Seit Jahrzehnten hirnen Verkehrsplaner, wie man dieses Problem lösen könnte. Ebenfalls seit Jahrzehnten debattiert die Politik in Stadt, Land und Bund über dieses Thema.

Nun kommt ein Vorschlag ins Spiel, der so verblüffend einfach wie einleuchtend und teuer ist: eine ganz neue Trasse, weitab aller bisher diskutierten, auf ganz neuen Wegen, tief unter der Erde.

Auf den Tisch legt sie der Schwanauer Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen, Martin Herrenknecht. Der Lahrer Zeitung präsentierte er jetzt eine Skizze, wie ein solcher "MH-Tunnel" aussehen könnte. Etwa in Höhe des heutigen Feuerwehrhauses an der Stadtdurchfahrt würde der Tunnel beginnen und dann schnurgerade unter dem Bergrücken des Langenhard hindurch führen. Heraus käme die Trasse hinter Reichenbach, zwischen Kreisel und Edeka Kohler. Von dort ginge es dann auf die bisherige B 415 Richtung Schönberg.

"Lahr braucht einen langfristigen Verkehrsplan", ist sich Herrenknecht sicher. Die Stadt wachse und müsse sich um den Pendlerverkehr von Seelbach und Biberach sowie vom Ried kümmern. Erste Ansätze seien mit der geplanten Kippenheim-Umfahrung geben. Wie eng es in Lahr werden könne, habe die am Freitag zu Ende gehende Brückensperrung in Dinglingen (siehe Meldung rechts) gezeigt. Gleich eng sei es aus Richtung Schuttertal.

Das Regierungspräsidium prüft, wie von der LZ exklusiv berichtet, als B 415-Entlastung bereits eine Tunnelvariante. Diese könnte unter der heutigen Bundesstraße durch die Vorstadt, Kuhbach und Reichenbach führen. Kostenschätzungen gibt es hierfür nur sehr grob, im dreistelligen Millionenbereich.

"All diese Strecken während des laufenden Verkehrs zu untertunneln, wäre ein Irrsinn", sagt Herrenknecht. Die nach seiner Einschätzung einzig vernünftige Lösung wäre deshalb ein Tunnel von St. Peter und Paul bis zum Reichenbacher Kreisel. Er könne den Durchgangsverkehr aufnehmen und die Orte dazwischen entlasten. "Hier wird keine Flickschusterei benötigt, sondern richtige Lösungen, die umweltverträglich sind und den Verkehr fließen lassen", fordert der Tunnel-Experte. "Aus diesem Grund sollten wir den richtigen Tunnel bauen, um eine wirkliche Entlastung zu erreichen".

Seine Idee will der Schwanauer als Anregung verstanden wissen. Sie sei noch nicht mit den Planern abgestimmt. Auch gebe es noch keine Kostenschätzung des Projekts, hieß es auf LZ-Nachfrage bei Herrenknecht. Auch zur möglichen Bauzeit wollte man sich noch nicht äußern.

Wie von der Lahrer Zeitung mehrfach berichtet, tüftelt das Regierungspräsidium derzeit an verschiedenen Entlastungsvarianten für die Bundesstraße. Bisherige Trassen am Berghang gibt es in unterschiedlichen Varianten, liegen aber in ökologisch sensiblem Gebiet. Vom Berliner Verkehrsministerium ausdrücklich freigegeben wurde auch die Planung verschiedener Tunneltrassen. Diese sollten unter Reichenbach und Kuhbach, sowie unter der Geroldsecker Vorstadt hindurch führen. In Kürze wollen die Freiburger mit der Auswertung von Verkehrsdaten und Berechnungen fertig sein und die Ergebnisse dann öffentlich vorstellen. Der neue "MH-Tunnel" war bislang noch nicht Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

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