Lahr "Neue Ideen sind gefragt"

Lahr - Die Corona-Pandemie greift in fast alle Lebensbereiche ein­ – auch die Erwachsenenbildung ist betroffen. Trotzdem wird es auch in diesem Herbst in Lahr ein Volkshochschul-Programm geben. VHS-Leiterin Carmen Wenkert spricht hier über die Programmgestaltung in Corona-Zeiten – und was für Kursteilnehmer sowie für Besucher von Vorträgen jetzt anders ist.

Frau Wenkert, fangen wir mit einer coronafreien Frage an. Wie viele Dozenten und Mitarbeiter haben am neuen Programm mitgearbeitet?

Für die inhaltliche Konzeption waren die sechs pädagogischen Mitarbeiterinnen der VHS Lahr und die neun Außenstellenleitungen verantwortlich. Das Programm gestalten dann rund 370 Referenten und Kursleiter.

Was bietet das neue Programm? Gibt es Besonderheiten, die nichts mit der Pandemie zu tun haben?

Es gibt eine große Anzahl von Veranstaltungen, die nichts mit Corona zu tun haben. Aber alle Präsenzveranstaltungen stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass im Herbst keine großen Einschränkungen durch die Pandemie notwendig sind. Wir hatten zum Beispiel schon 2019 entschieden, Amerika als Schwerpunktthema zu wählen, und haben es nach einigen Überlegen auch beibehalten.

Muss sich die VHS in Zukunft andere Wege überlegen, wie Unterricht auch nach der Corona-Krise stattfindet?

Im neuen Programm findet sich eine Vielzahl von Online-Angeboten. Hier haben wir wirklich eine enorme Steigerung. Es gibt aber auch eine Reihe von Online-Kursen in den Bereichen Sprachen, Gesundheit, Kultur und Computer. Wir sind sehr gespannt, wie diese von unseren Teilnehmern angenommen werden.

Dann kommen wir zur Ausnahmesituation. Gibt es im Herbst einen neuen Kurs im Sinn von "Corona-Verordnungen lesen, verstehen und befolgen"?

Ich weiß gar nicht, wie viele Corona-Verordnungen ich lesen musste, da es zu jedem VHS-Bereich – Sport, Musik, Schule, Tanzen, Kunst etc. – eigene Auflagen gab und gibt. Ich glaube, ich hatte zeitweise zehn Verordnungen auf dem Tisch. Da war dann schon mal unklar, welche jetzt gilt. Aktuell ist es überschaubar, was sich jedoch wieder schnell ändern kann.

Im Ernst, welche Auswirkungen haben Abstandsregeln, Hygienevorschriften oder Quadratmetergröße der Klassenzimmer auf das neue Programm?

Wir haben für unsere Veranstaltungen die aktuellen Hygieneregeln zugrunde gelegt, da die Gesundheit unserer Teilnehmer und Kursleiter an erster Stelle steht. Wir haben die Abstandsregel von eineinhalb Metern als Vorgabe, und da wir nur wenige große Räume haben, mussten wir die Gruppengrößen in den Kursen ändern. Dadurch werden leider auch die Kurse etwas teurer. Für alle Veranstaltungen, auch Vorträge, muss eine Anmeldung erfolgen, damit wir wissen, wer teilnimmt. Auch hier müssen wir die Anzahl der Personen begrenzen. Ansonsten sind wir permanent auf Raumsuche für unsere Angebote. Leider sind wir bisher wenig erfolgreich gewesen.

Müssen Kurse aufgrund der Corona-Krise ausfallen?

Sehr viele Kurse, besonders in den Außenstellen, finden in Schulräumen statt. Was uns wirklich Probleme bereitet, ist die Ungewissheit, ob wir sie ab Herbst wieder nutzen können. Falls sie nicht zur Verfügung stehen, wird Vieles nicht möglich sein. Besonders die Schulküchen würden für die Kochkurse fehlen. Aktuell ist auch noch nicht klar, ob wir die Schwimmbäder nutzen können. Hier hoffe ich darauf, dass sich Vieles bis zum Semesterstart geklärt hat.

Wie reagieren die Kursteilnehmer auf die ungewohnte Situation?

Zumeist mit viel Verständnis. Sie sind einfach froh, dass wir versuchen, Vieles zu ermöglichen. An dieser Stelle auch ein ganz großer Dank an die vielen Kursleiter, die wieder mit dabei sind und uns sehr unterstützen.

Die Bedingungen sind jetzt ganz andere als im Frühjahrssemester. Können Sie deshalb noch so viele Kurse wie zuletzt anbieten?

Nein, wir haben normalerweise so 800 bis 830 Kurse gehabt, im kommenden Semester sind es nun 750. Das liegt auch daran, dass sich Dozenten zurückgezogen haben, da sie zur Corona-Risikogruppe gehören.

Gibt es Unterschiede zwischen der Volkshochschule in Lahr und der Außenstellen?

In den Außenstellen fehlt es vor allem an geeigneten Räumlichkeiten. Das war vor Corona schon ein Problem und hat sich jetzt noch verstärkt. Wenn die Schulen wegfallen, kann es passieren, dass es in der ein oder anderen Außenstelle gar kein Programm gibt.

Wann wird es wieder ein ganz normales VHS-Programm in Lahr und Umgebung geben?

Ein ganz normales Programm wird es in der Form wie vor Corona nicht mehr geben. Der Lockdown hat sich als Katalysator für die Digitalisierung herausgestellt. Was wir im Kleinen schon begonnen hatten, erfuhr eine unglaubliche Dynamik. Daher werden wir diesen Angebotsbereich weiterverfolgen, ihn aber stärker mit Präsenzangeboten verbinden. Letztlich wollen sich die Menschen in der Volkshochschule begegnen und zusammen lernen. Dies wieder unbekümmert und in lebendiger Nähe zu tun, ist der Wunsch aller, und zwar so bald wie möglich.   Fragen von Endrik Baublies

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