Lahr Neue Arbeit Lahr geht neue Wege

Egor bei der Abfüllung des Cassis-Essigs Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Von Christine Breuer

Wer an Essig denkt, denkt an alles, nur nicht an einen Aperitif oder einen Digestif. Es gibt aber den edlen Trinkessig ganz ohne Alkohol, wie ihn seit Neuestem die Neue Arbeit Lahr (NAL) herstellt.

Lahr. Mild, fruchtig, wenig Säure – so präsentieren sie sich, die Getränke, die schon im Altertum meist von der ärmeren Landbevölkerung getrunken wurden. "Essig regt den Speichelfluss und die Verdauungssäfte an und hilft der Magensäure bei der Arbeit", weiß Weinbauingenieur Joachim Schmelzer. Und im schonend hergestellten Trinkessig sind auch noch all die guten Stoffe enthalten, die Wein und Früchte zu bieten haben.

Deshalb arbeitet der Getränketechnologe auch mit der Orleans-Methode, einer Art der Vergärung, die – ähnlich wie bei der Weinproduktion – ihre Zeit braucht. Schmelzer, der 20 Jahre Erfahrung mitbringt, verwendet daher auch nur ausgesuchte Weine wie Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer und Spätburgunder Rotwein, die mindestens ein halbes Jahr im Fass zu Essig vergären, danach filtriert werden, um dann weitere zwei bis drei Jahre zu lagern. Dann erst werden frische Früchte dazu gegeben, die noch einige Zeit ihr Aroma und die Farbe an den Essig abgeben. Industriell hergestellte Essige bekämen nicht so viel Zeit und würden von daher auch nicht mehr über die Wirkstoffe verfügen, die dem Körper nützlich sind, berichtet Schmelzer.

Da stellt sich aber unwillkürlich die Frage: Warum geht die NAL jetzt in die Essigproduktion? Aufgabe der NAL ist, Langzeitarbeitslosen für Arbeitsmarkt fit zu machen und Jugendlichen, die Probleme in den unterschiedlichsten Bereichen haben, auf einen Beruf vorzubereiten. Das beginnt bei der Tagesstruktur, die neu erlernt werden muss, und geht bis hin zur Vorbereitung auf eine Ausbildung. Die NAL verfügt dabei beispielsweise über eine Maler- und eine Maurerwerkstatt, einen Umzugsservice und zwei Secondhand-Kaufhäuser, den "Fundus" in Lahr und das "Guckrein" in Hausach.

"Projekte werden zunehmend weniger von öffentlicher Seite gefördert", berichtet NAL-Geschäftsführer Djahan Salar. Die Kosten blieben aber dieselben. Deshalb sei die NAL gezwungen, mehr und mehr Kapital zu erwirtschaften, mit dem die Projekte bezahlt werden können. Dienste auf dem freien Markt anzubieten, sei aber dank der Änderungen im Ein-Euro-Job-Bereich nicht mehr so einfach. "Viele Ein-Euro-Jobber zahlen wir aus eigener Tasche. Die hätten sonst gar keine Möglichkeiten, ein bisschen Geld zu verdienen."

Bei der Produktion von Essig werden Mitarbeiter der NAL eingebunden. Auf Dauer sollen hier auch vermehrt Menschen mit Behinderungen Arbeit finden. Doch mit dem Trinkessig für den eigenen Verkauf alleine ist es nicht getan. "Wir werden auf Weingüter und Brauereien der Region zugehen und Lohnveressigung anbieten." Damit ist die Produktion von Essig auf Auftrag gemeint, mit der die NAL zusätzlich Geld reinholen möchte.

Drei Sorten Trinkessig gibt es bereits im "Fundus" und im "Guckrein" zu kaufen: Holunderblüte, Quitte und Cassis, also schwarze Johannisbeere. Jetzt müssen erst einmal die drei bereits produzierten Essige, die es in 100- und 200-Milliliter-Flaschen gibt, unter die Leute gebracht werden. So kurz vor Weihnachten keine schlechte Idee.

Weitere Informationen: www.joundco.eu

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