Lahr Nach drei Monaten ein Wiedersehen

Endlich wieder in geselliger Runde fand sich der Jahrgang 1934/35 am Freitag im Mühlenhof in Oberweier ein.Foto: Sadowski Foto: Schwarzwälder Bote

Lahr - Drei lange Monate mussten sie warten. Jetzt dürfen sie sich wieder sehen: Der Lahrer Jahrgang 1934/35 hat sich zum ersten Mal seit März wieder getroffen. Für die Teilnehmer war es ein freudiges Ereignis.

Jeder ist auf seine Weise von der Corona-Krise betroffen. Einer weniger, einer mehr. Für den Jahrgang 1934/35 gilt das auch. Seit dem 30. Lebensjahr treffen sich die alten Schulkameraden einmal im Monat zum Stammtisch. Alle fünf Jahre zum größeren Jubiläum. Seit März und dem Ausbruch der Corona-Pandemie mussten sie jedoch Vorsicht walten lassen. Die folgenden drei Stammtische am Monatsende wurden abgesagt.

"Das war sehr schwer", erzählt Rita Rathay (84) im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Sie stellt sich sofort dazu und lauscht interessiert, als sie erfährt, dass die Lahrer Zeitung da ist. Im Hotel Mühlenhof in Oberweier haben sich die Freunde dieses Mal getroffen. Es ist der letzte Freitag im Juni. 16 Schulkollegen sitzen an zwei runden Tischen. Sie plaudern und flachsen. Warten auf das Mittagessen.

Im Schnitt sind 15 bis 18 Leute beim Stammtisch

Wie zu Schulzeiten hebt einer aus der Gruppe den Arm und deutet sofort mit dem Finger auf den 84-jährigen Peter Zahs. Der soll mit der LZ reden, er könne das. Gelächter bricht bei den anderen aus. Zahs wirkt ein bisschen wie der Wortführer, auch wenn Rathay betont, dass es hier keine Rangfolge gibt. Jeder ist gleichgestellt.

Zahs stellt das Rahmenprogramm vor. Zur Begrüßung spricht er abwechselnd auf Hochdeutsch und Alemannisch. Es gelte schließlich die alemannische Tradition aufrechtzuerhalten. Danach wird den verstorbenen Schulkameraden gedacht. An diesem Freitag ist der 85er-Tag. Der Kern der Gruppe ist also 85 Jahre. Seit dem vergangenen großen Treffen vor fünf Jahren sind 22 verstorben. Denen zu Ehren gibt es eine Schweigeminute, erklärt die 84-jährige Rathay.

Nach der Gedenkminute setzt wieder das gewöhnliche Treiben ein. Zahs, Rathay und ihre Freunde holen das nach, was sie drei Monate lang nicht machen konnten. "Wir politisieren hier, sprechen über alles", sagt die 84-jährige Rathay. Das Schönste an den Treffen seien die humorvolle Atmosphäre und der Austausch untereinander.

Zu jedem Stammtisch am Monatsende sind im Schnitt 15 bis 18 Leute dabei, erzählt Rathay. Das ist dann eine gemütliche Runde. Von April bis Oktober jeden Jahres wechseln sie jeden Monat den Treffpunkt. Die Termine werden immer am Anfang des Jahres besprochen. Ideen und Vorschläge werden gesammelt. Dann wird abgestimmt. Ganz demokratisch.

Wie lange machen sie das noch? "So lange wir noch fahren können", schießt einer dazwischen und lacht. "Das ist schon eine Mordsarbeit die Planung und Organisation", so Rathay. Die Jubiläen sind das eigentlich Anstrengende. Der Stammtisch laufe locker. Nicht verwunderlich, weil es auch Leute von weiter weg gibt. An diesem Freitag ist etwa Marga Walz mit ihrem Mann extra aus Stuttgart angereist. Manchmal ist auch ein Freund aus der Schweiz da.

Heute sind eben jener Schweizer und eine weitere Person verhindert. Kein Problem für Rathay und Co. Sie haben einen Brief und eine Grußkarte vorbereitet. "Das machen wir oft zu besonderen Anlässen", sagt Rathay.

Die Gruppe wirkt alles andere als müde. Wo liegt ihr Geheimnis? "Wenn man nix tut, rostet man", stellt die 84-Jährige klar und zeigt auf Zahs. Der sei erst neulich erst wieder 80 Kilometer mit dem E-Bike gefahren. Außerdem nehme der Jahrgang das Coronavirus ernst. "Zwar war jeder froh von uns, sich heute wieder zu treffen. Bis hierhin haben wir uns aber alle zurückgehalten", erklärt Rathay. Sie seien vernünftig und auch stolz, das so gemeistert zu haben. Ein echter Jahrgang eben.

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