Lahr Mutter werden in Corona-Zeiten

Annika Schubert

Geburt: Frauen berichten über Schwangerschaft und Geburt während der Pandemie / Klinikum klärt auf 

Lahr - Viele werdende Mütter machen sich Gedanken, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Verlauf der Schwangerschaft, die Geburt und die Gesundheit von Mutter und Kind haben kann. Die LZ hat Frauen gefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Wie fühlen sich schwangere Frauen in der Pandemie?

"Heute kam das Kinderzimmer. Das müssen wir jetzt nur noch aufbauen", erzählt Stephanie Grimmer freudig. Mit Anfang 40 erwartet sie im Februar ihr erstes Kind. Ihre Schwangerschaft fällt genau in die Zeit der Pandemie. Auch die Entbindung Anfang 2021 wird voraussichtlich von Corona-Bestimmungen geprägt sein.

Stand jetzt darf ihr Partner bei der Geburt dabei sein. Aber ob diese Regelung beim Termin im Februar noch aktuell sein wird? Bei einem Vortrag zum Thema Geburt im Ortenau-Klinikum Lahr hatte auch die Hebamme keine Antwort auf diese Frage. Man müsse abwarten, ob die Situation sich noch verschärfe, habe man Grimmer beim Vortrag gesagt.

Vater musste bei Ultraschall-Terminen draußen bleiben

"Ich hoffe, dass die Wichtigkeit, dass der Partner dabei ist, weiterhin berücksichtigt wird", sagt Grimmer mit Blick auf die Geburt, "man weiß nicht, wie lange die Geburt dauert. Es ist sehr unterstützend, wenn der Partner dabei ist. Es ist ja das gemeinsame Baby." Zu den Ultraschalluntersuchungen durfte der Vater des Kindes indes nicht mitkommen, was sehr schade gewesen sei, so die werdende Mutter: "Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Ich habe immer Videos von den Aufnahmen gedreht und an ihn weitergeschickt. Aber es ist nicht dasselbe, wie es selbst mitzuerleben."

Positiv findet Grimmer, dass ihre Familie sie "gerade in dieser Zeit" nochmal mehr unterstütze: "Natürlich fehlen die Kontakte, man kann jetzt nicht einfach zu einer Freundin gehen und die Schwangerschaft teilen. Das fehlt schon!" Doch die Friesenheimerin sagt von sich, dass sie ein positiv denkender Mensch sei: "Ich habe die Situation einfach so angenommen, wie sie ist."

Keine Statistiken und Berichte für schwangere Frauen mit Corona

Olga Konstanz aus Herbolzheim hat ihren Levin Alexander bereits auf die Welt gebracht, Mitte November war es so weit: "Kurz vor dem Entbindungstermin habe ich schon ein paar Ängste gehabt. Was passiert, wenn ich doch plötzlich ›positiv‹ bin? Mit Maske zu entbinden, wäre eine Katastrophe für mich gewesen." Zu dieser Thematik habe sie online keine Informationen gefunden: "Weil alles so frisch ist, gibt es keine Statistiken und Berichte dazu, was genau passiert, wenn man als Entbindende Corona hat."

Doch bei der Ankunft im Krankenhaus sei der Schnelltest bei ihr und ihrem Partner negativ ausgefallen: "Davor hatte ich echt Angst, aber es hat sich ja nicht bestätigt." Ihr Partner durfte auch bei ihr bleiben, als sie nach der Geburt ins Zimmer verlegt wurde.

Letztlich sei nichts anders gewesen als bei der Geburt ihres ersten Kindes. Die coronabedingte begrenzte Besucherregelung im Freiburger Klinikum – eine Person pro Tag für zwei Stunden –, habe sie sogar als "angenehm" empfunden: "Ich fand es ziemlich entspannt, da nur Väter und Mütter auf der Station waren."

Jede Frau muss einen Corona-Test machen 

Christian Eggersglüß, Pressesprecher des Ortenau-Klinikums, erklärt, dass jede Frau vor der Entbindung einen Corona-Test machen müsse. Als Begleitung bei der Geburt sei eine Person zugelassen, so Eggersglüß: "Väter dürfen bei der Geburt im Kreißsaal anwesend sein." Doch dürften sie den Saal während der Geburt nicht verlassen und müssten eine FFP 2-Maske tragen.

Auch die Frauen müssten einen Mund-Nasen-Schutz tragen, so Eggersglüß weiter, könnten die Maske bei starken Wehen und bei der eigentlichen Geburt aber abnehmen. "Bisher hat noch keine positiv getestete Frau am Ortenau-Klinikum in Lahr entbunden", so Eggersglüß auf LZ-Nachfrage.

Bei der Entbindung dürfen die Frauen die Maske abnehmen

Wie eine Geburt verläuft, wenn die Schwangere zum Entbindungszeitpunkt positiv getestet wird, erklärt Andreas Brandt, Chefarzt der Frauenklinik am Ortenau-Klinikum in Offenburg: "Schwangere entbinden unter erhöhten hygienischen Bedingungen." Bei der Geburt würden alle im Raum – außer der Schwangeren – eine vollständige Schutzausrüstung tragen.

Dazu gehöre ein Schutzkittel, eine FFP 2-Maske, gegebenenfalls ein Visier. Außerdem sei das bei der Geburt anwesende Personal auf eine Hebamme und einen Arzt begrenzt. Die Frau müsse bei der Geburt keine Maske tragen, selbst wenn sie mit Covid-19 infiziert sei, so Brandt. Der Partner dürfe allerdings nur dann dabei sein, wenn sein Coronatest negativ war.

Gibt es einen Baby-Boom?

Ob es nach den Monaten des pandemiebedingten Zuhauseseins einen Baby-Boom gibt? Das steht noch nicht fest. Pressesprecher Christian Eggersglüß teilt mit, dass die Zahl der Geburten am Lahrer Klinikum zwischen Januar und November 2020 konstant zwischen 55 und 65 pro Monat gelegen habe.

In den ersten elf Monaten seien in Lahr insgesamt 615 Kinder zur Welt gekommen. Die Statistik im nächsten Jahr wird dann zeigen, ob der Lockdown zu mehr Geburten geführt hat.