Lahr Musikschule hat große Pläne

Es ist nie zu spät, ein Instrument zu erlernen (von links): der SPD-Kreisvorsitzende Karl-Rainer Kopf, Musikschulleiter Tobias Meinen, Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner an der E-Gitarre sowie die Stadträte Roland Hirsch und Walter Caroli Foto: Mühl Foto: Lahrer Zeitung

Um Konzept und Zukunftspläne der Städtischen Musikschule ging es beim zweiten Termin der SPD-Sommertour. Vor allem beim Thema Digitalisierung hat die Einrichtung eines vor.

Lahr. Die seit 2009 von Tobias Meinen geleitete Musikschule erlebt einen Aufschwung. Meinen distanzierte sich vom Konzept andernorts im Kreis, nur noch auf 20-minütige Unterrichtseinheiten zu setzen: "Sparen an der Zeit, um günstiger zu sein, ist ein Weg, der nach unserem Empfinden nicht geht." In Lahr werde versucht, Attraktivität zu erhöhen, "indem die Schüler länger im Haus bleiben können, das Ganze bei stabilen Kosten", erläuterte er. Die Musikschule zählt rund 2100 Schüler, den Kern bilden etwa 1100. Die Betreuung liegt bei einem international besetzten, 45-köpfigen Kollegium. Bereits seit 2016 besteht das Modell "Groove-Lab" für den Gruppenunterricht im Popularbereich. Hier werden Ansätze der Montessori-Pädagogik mit digitalen Hilfsmitteln verbunden. Ergänzend ist eine digitale Lern-Plattform angedacht, die neue Möglichkeiten schafft.

Konzept kostet 200 000 Euro

Meinen führte an, ein Schüler könne etwa zu Hause via App ein vierstimmiges Concerto betrachten, die eigene Stimme einspielen und aufnehmen. Mit dem Lehrer tausche er sich dazu digital aus. Die Musikschule ist bundesweit bisher die einzige Schule, die sich daran beteiligt. "Wir haben hier Leute, die über den Tellerrand hinausschauen, und eine Stadt, die uns entsprechende Möglichkeiten bietet. Man muss offen sein, die Musikschule wird sich verändern", so Meinen.

Die Innovation würde 200 000 Euro kosten, ein erster Antrag wurde gestellt. Die Stadt würde 100 000 Euro an Eigenanteil beisteuern. Im Oktober 2020 soll eine erste App fertig sein. Weiter wird daran gedacht, eine GmbH zu gründen, in deren Aufsichtsrat die Stadt vertreten sein könnte. Als Gesellschafter sollen Vertreter aus der Wirtschaft gewonnen werden. Zu überlegen sei, nach welchem Modell die App zugänglich gemacht wird. 10 000 Schlüsselwerke sollen eingespielt werden, auf die via App zurückgegriffen werden könnte.

Die ehemalige Stadträtin Dorothea Hertenstein hinterfragte, ob auf diesem Weg nicht Kommunikation und soziale Funktion verloren gingen. "Es geht doch nichts über das gemeinsame Erarbeiten eines Stücks", gab sie zu bedenken. Meinen sagte dazu: "Wir wollen die Voraussetzungen zum Üben verbessern. Der klassische Musikunterricht bleibt, Schüler können so auf einem anderen Niveau einsteigen. Wir wollen uns vom Lehr- zum Lernhaus entwickeln." Konkret sprach Meinen von "individualisiertem Lernen im sozialen Kontext". Schüler könnten im Zeitraum von 14 bis 19 Uhr zum Üben kommen, wann sie wollten. Der Unterricht sei nicht mehr so lehrer-zentriert, "die Schüler-Fluktuation tendiert gegen Null". Im klassischen Bereich werde der Einzelunterricht nicht aufgelöst.

Beim Rundgang war auch Thema, die Lotzbeckstraße 20 zum "Haus der Musik" zu entwickeln. Räumliche Ressourcen seien vorhanden, sagte Musikschulleiter Meinen. Mehr Räume benötige man nicht, Ziel sei, die Bereiche Popular und Klassik stärker zu trennen, um die jeweilige Arbeiten zu intensivieren. Daneben wünschen sich die Verantwortlichen abschnittweise Sanierungen von Räumen im ersten Obergeschoss.

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