Lahr Musikalische Grenzen testen

Zwischen entspannten Jazzharmonien und rockigen Partien: "Otollo 4" beim Konzert in Lahr Foto: Haberer

Vor etwas mehr als einem Jahr gegründet, erforscht "Otollo 4" das Spektrum des zeitgenössischen Jazz und seiner Grenzbereiche. Das Quartett um den aus Lahr stammenden Gitarristen Luca Aaron Pusch gastierte erstmals im Stiftschaffneikeller.

Lahr. Posaune und Euphonium treten abwechselnd in einen Dialog mit der Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug positionieren sich. Der überraschend kompakte, nur selten in den einzelnen Themen ausufernde Klangreigen schwärmt stilistisch aus. Entspannte Jazzharmonien treffen auf rockige Phrasen. Die Klangrede der vier Instrumente verdichtet sich in einem energiegeladenen Ausbruch, schwelgt dann wieder in fast meditativen Gefilden, taucht ein in den Kontext durchaus auch gängiger Strukturen.

Die Gruppe "Otollo 4" ist vor allem ein musikalisches Versuchslabor, ein Bandprojekt, in dem vier junge Musiker aus Deutschland und Australien auch die Grenzen des eigenen Horizonts erforschen. Senior der Truppe ist der 25-jährige Schlagzeuger Michael Heidepriem aus Freiburg. Ihm gegenüber sitzt der aus Lahr stammende Gitarrist Luca Aaron Pusch (22), den es über eine Zwischenstation in Basel mittlerweile nach Berlin verschlagen hat. Hinzu kommen zwei Burschen aus Australien, der 19-jährigen Kontrabassist Viktor Rossé und sein drei Jahre älterer Bruder Raphael Rossé (Posaune, Euphonium).

Die vier bewegen sich auf einem Pfad, der noch alles andere als endgültig vermessen ist, der hier und da auch eine diffuse Linienführung erkennen lässt. Bei "Otollo 4" wird aber auf jeden Fall ein heißes, noch immer rotglühendes Eisen geschmiedet. Hier wird geforscht und experimentiert, die gemeinsame Schnittmenge eines musikalisch bemerkenswert kompakt aufgestellten Kollektivs ausgelotet. Dabei gibt es keine erkennbare Führungsfigur, niemand, der sich auf Kosten der anderen in den Vordergrund drängt. Jeder trägt sein Scherflein bei, setzt thematische Impulse, die von allen bearbeitet werden.

Das dabei entstehende Spannungsfeld prägte am Ende auch den Auftritt im Stiftsschaffneikeller, mit dem am Freitagabend die neue Jazzreihe des Kulturkreises in ihre zweite Saison gestartet ist. Klare Songstrukturen öffneten Raum für lyrischen Jazz und griffige Rockriffs, für energetische Ausbrüche und aufreizend träge Marschformationen im Windschatten des Euphoniums. Zwischendurch erklang ein fernöstliches Inter- mezzo, getragen von einer selbst gebauten Rohrflöte, ein von Rhythmuswechseln geprägter Ausflug in progressive Gefilde.

Der Ideenreichtum des Quartetts überzeugte die knapp drei Dutzend Zuhörer, bescherte der noch jungen Jazzreihe einen gelungenen Saisonauftakt mit sehr viel Charme und Substanz.

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