Lahr Mundart und verrückte Ideen

"40 Jahre Gälfiäßler": Dieser Geburtstag wird heute, Samstag, groß gefeiert. In der Orginalbesetzung tritt die legendäre Formation auf der Landesgartenschau auf.

Lahr/Schuttertal. Lässig hebt Berni das "Schlauchophon Alemanorium" seinem Musikerkollegen Herbert Paul Wieber über den Kopf. Dumpfe, dennoch hohe Klänge holt er aus dem alten gelben Gartenschlauch heraus. "Ach, mir hän schon immer verruckti Idee g’hett", sagt Franz Schüssele, einer der fünf Gründungsmitglieder, über den Gartenschlauch. Der Schlauch mit Zinktrichter hat schon 40 Jahre auf dem Buckel und ist noch kein bisschen brüchig. Beim Gartenschlauch und den Gälfiäßlern ist es wie mit altem Wein. Je reifer, desto gehaltvoller und intensiver die Inhaltsstoffe. Inhaltlich und musikalisch haben es die Gälfiäßler 2001 mit 152 Instrumenten ins Guinessbuch der Rekorde geschafft.

Bis heute steht der Rekord und wird eigentlich nur noch von den alemannischen Barden selbst gebrochen. Schüssele winkt ab und sagt lachend: "Es sind noch viel mehr Instrumente geworden." In seinem "Sammelsurium der Instrumentenkunde" greift er im Herbst gern auf die Kürbisoboe oder die Karottenklarinette zurück. Dabei leckt er sich die Zunge. Wer spielt schon auf einem Instrument, das er im Anschluss verspeist. Schon immer habe er mit seinen Freunden Klaus Himmelsbach, Berni Weiss, Herbert Paul Wieber und Wolfgang Miessmer Gaudi-Musik gemacht, sagt Schüssele. Mit Klaus habe er die Schulbank gedrückt, Rockmusik gespielt und Klamauk gemacht.

Die Gälfiäßler waren auch eine Art musikalische Protestbewegung. Im Gleichschritt mit der Anti-AKW-Bewegung von Wyhl holten die damaligen Mittzwanziger und Studenten traditionelle Volksmusik aus den Archiven in Freiburg. Quasi wieder unters Volk gebracht und mit einem hohen Ansteckungsvirus versehen, sangen sie Lieder wie "In Mueders Stübeli" oder "Hans im Schnoogeloch". Die Lieder sind heute noch wie Erinnerungen an Dampfnudeln präsent.

Eigentlich haben die Gälfiäßler das Singen in Mundart erst wieder salonfähig gemacht. "Anfangs waren wir sicher die Deppen vom Dorf", weiß Schüssele. Allesamt hatten sie jedoch ein Selbstvertrauen und eine sprachliche Schlagfertigkeit, wie sie vor allem Wolfgang Miessmer, der "Kerli mit de große Gosch" (Schüssele), mit der Inbrunst und Überzeugungskraft eines belesenen und überzeugten Alemannen unters Volk brachte. Nahtlos über ging es in die heiße Produktionsphase der 1980er-Jahre. Miessmer war ein guter Lehrmeister und seine "Buben" entwickelten sich zu humorvollen Entertainern, die heute noch auf der Bühne stehen. In der Regel schreibt und arrangiert Schüssele die Texte und Lieder. "Ä großi Gosch häma jetzt alli", meint er. Während sich Wolfgang Miessmer und Klaus Himmelsbach mittlerweile zurückgezogen haben, rocken Franz Schüssele, Herbert Paul Wieber und Berni Weiss nach wie vor die Bühnen mit ihrem Klamauk und Dialekt. Aufhören? "Das passiert nur, wenn wir keine Lust mehr haben", sagt Schüssele. Ihr 40-Jähriges feiern sie mit so viel Lust und Energie, dass sie sogar in der alten Formation spielen.

Das Konzert der Gälfiäßler am heutigen Samstag, 4. August, beginnt um 19 Uhr bei der auf der E-Werk-Bühne im Seepark der Landesgartenschau. Zum 40. Geburtstag tritt die Gruppe in der Originalbesetzung mit Wolfgang Miessmer, Franz Schüssele, Berni Weiss, Herbert Paul Wieber und Klaus Himmelsbach auf.

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