Lahr Mundart als verbindendes Element über die Grenze hinweg

Pflegt die Tradition der Folksongs: der elsässische Liedermacher Serge Rieger Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Das Autorennetzwerk Ortenau/Elsass konnte bei seinem Abend in der Mediathek nur drei der ursprünglich angekündigten Akteure aufbieten. Die Liedermacher Norbert Zoller aus Lichtenau und Serge Rieger aus Surbourg umrahmten die Mundartgeschichten von Margot Müller aus Offenburg.

"Aus Fünf mach Drei" lautet das Fazit des badisch-elsässischen Abends des 2013 gegründeten Autorennetzwerks Ortenau/Elsass. Karin Jäckle, die in Oberkirch lebende Initiatorin des Zusammenschlusses von rund 50 Autoren und Liedermachern, musste krankheitsbedingt passen. Warum der Gengenbacher Gerd Zimmermann, alias Jo Specht (Gengenbach) nicht kommen konnte, war am Montagabend nicht zu eruieren. Das Publikum in der Mediathek hatte am Ende trotzdem seinen Spaß. Norbert Zoller und sein elsässischer Kollege Serge Rieger wartete mit selbstgeschriebenen Liedern in Mundart auf. Margot Müller führte in Vertretung von Karin Jäckle durch den Abend und steuerte zwei Geschichten bei, die verschmitzt über den Rhein und in die gute Stube der elsässischen Verwandtschaft blickten. Ihre Erzählung "Gäle Schuh" tauchte ein in die Nachkriegsära, die Zeit ihrer Kindheit, in der ein Ausflug über den Rhein noch keineswegs alltäglich war. Der Krieg hatte nicht nur in den Dörfern und Städten beiderseits des Rheins seine Spuren hinterlassen. Er hat auch familiäre Bindungen und Brücken eingerissen, die Weichen in der badisch-elsässischen Nachbarschaft auf Neuanfang gestellt.

Genau davon erzählt die Geschichte um die neuen gelben Schuhe, mit denen die sechsjährige Margot Müller auf keinen Fall bei der Weißsonntagsfeier ihrer elsässischen Cousine mit in die Kirche durfte. Wordgewandt und verschmitzt tauchte die Vorsitzende der Offenburger Regionalgruppe der Muettersproch-Gesellschaft in die Zeit der frühen 1950er-Jahre und den grenzüberschreitenden Neubeginn ihrer weit verzweigten Familie ein. Die anfängliche Verunsicherung, das Staunen über die etwas andere Lebenswirklichkeit war schnell überwunden, es wurde gesungen, gelacht und gefeiert. Ein "Gälfiäßler" mit gelben Schuhen in einer elsässischen Kirche, das wäre dann doch etwas zu weit gegangen.

Zollers Mundart ist kein lupenreines Alemannisch, der Liedermacher aus Lichtenau versteht es aber vorzüglich, die Alltagspoesie der Heimat zum Klingen zu bringen.

Zwischen Folk und Blues

Im Spannungsfeld zwischen Folksong und Blues erzählt er kleine Geschichten über das "Herumzigeunern", das Frühjahr, den Sommer und den roten "Blutmond". Sein elsässischer Kollege Serge Rieger, aus Surbourg, arbeitet als Grundschullehrer viel mit Kindern. Er singt auf elsässisch, taucht auf wunderbar poetische Art und Weise in die Tradition der Folksongs ein. Bei ihm klingen auch bekannte Melodien an, Perlen, die von der großen Joan Baez gesungen wurden.

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