Lahr Mit spitzer Zunge gegen Fertiggerichte

Philipp Weber Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Von Christine Breuer

 

Lahr. Eine Aufklärung der etwas anderen Art hat es für Schüler des Clara-Schumann- Gymnasiums (CSG) gegeben: Kabarettist Philipp Weber präsentierte Auszüge aus seinem Programm "Futter – streng verdaulich".

Die Schüler des CSG sind der Meinung, ihre Schule habe eine besonders gute Mensa. Deshalb beteiligten sie sich auch am landesweiten Wettbewerb "Klasse Essen in der Schule". Eine Kommission bestätigte den Eindruck und platzierte das Lahrer Gymnasium mit zwei weiteren ganz oben auf dem Siegertreppchen (wir haben berichtet). Nun wurden die Schüler für ihr Engagement mit dem Auftritt von Philipp Weber belohnt, der es sich nicht nehmen ließ, auch als Testesser und Juror zu fungieren.

Doch zuvor zog er über Fertiggerichte, Fastfood, Energy-Drinks, Lebensmittelunverträglichkeiten sowie Mager- und Diätenwahn her. Weber wartete mit Zahlen und Hintergrundwissen auf, brachte sein Wissen als studierter Chemiker und Biologe mit ein und konnte so die Jugendlichen überzeugen. Natürlich alles schön mit spitzer Zunge im Programm verpackt.

Die Ingredienzien eines Fertiggerichts, das mit explosionsgetrocknetem Sellerie versetzt ist, die Fleischabfälle, aus denen die sogenannten Surimi hergestellt werden, die als gepresste Krebsfleischstäbchen verkauft werden oder die Hähnchenfrikadellen, die auch nicht aus hoch qualitativem Fleisch produziert würden – er nahm sie sich alle vor. Das Getränk, das Energie und damit angeblich Flügel verleihen soll und seiner Aussage nach aus Stierhoden extrahiert ist, enthalte so viel Zucker, dass es "nach dem Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens" schmecke. Die Armut in den Dritte-Welt-Ländern komme nicht vom Fehlen der Lebensmittel. Die Ursache liege am Billigverkauf westlicher Fleischabfälle, die den Landwirten in diesen Ländern das Geschäft zerstörten.

"Habt ihr schon einmal versucht, Hefeweizen aus dem Bauchnabel einer Frau zu schlürfen?", fragte er die männlichen Schüler. "Lasst es sein, schneller kann man ein Liebesspiel nicht beenden." Und auch der Versuch, eine Frau mit Dosenfutter so zu betören, dass diese ihn nach dem Essen vernaschen wollte, sei fehlgeschlagen.

"Habt ihr euch schon einmal überlegt, warum alle über dicke Kinder sprechen, aber keiner über die 100 000 Magersüchtigen in Deutschland?" Weber kennt den Grund: "An den Mageren verdienen nur die Psychiater, an den Dicken eine ganze Indus­trie."

Der Appetit war sowohl den Schülern als auch dem Kabarettisten nicht vergangen. Fünf Schüler setzten sich gemeinsam mit Weber an einen Tisch, um das Ambiente der Kantine, den Service bei der Essensausgabe und den Geschmack des dreigängigen Menüs zu bewerten. Das Ergebnis: Sie vergaben Schulnoten zwischen eins und zwei.

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