Lahr Seeleben: Mehr Gäste als beim Auftakt

Lahr - Der Poetry Slam ausverkauft, "Lahr lacht" lockte knapp 100 Gäste und auch zum Dixie-Quartett kamen genügend Besucher in den Seepark. Unter dem Strich war die zweite Auflage des Seelebens besser als der Auftakt im August.

Marvin Suckut, der seit Jahren die Dichterschlacht moderierte, war angesichts der fast geschlossenen Reihen vor der Bühne am Freitagabend sehr angetan. Wenn so viele Gäste – deutlich mehr als 200 – in den Schlachthof kommen würden, könnte das wohl etwas zu kuschelig werden.

Eine andere gelungene Überraschung war einer der beiden Sieger der Dichterschlacht. Kai Bosch aus Stuttgart hat eine spastische Lähmung. Der Wettkämpfer ist mit seinem Handicap sehr souverän und mit viel trockenem Humor in die Offensive gegangen. Im Finale äußerte er einen Wunsch: "Menschen mit Behinderungen sollten nicht in Watte gepackt werden." Dass es dem Stuttgarter gelungen ist, "Barrieren im Kopf zu überwinden", zeigte der Beifall. Sieger wird, wer am meisten Dezibel erzeugt. Stefan Unser aus Malch, der souverän in der Vorrunde mitmischte, teilte sich am Ende den Sieg mit dem Stuttgarter. Einen Achtungserfolg erreichte Laura König aus Lahr. Sie trat das erste Mal überhaupt in den Ring und erreichte das Halbfinale.

Weniger Publikum bei "Lahr lacht"

Die Ränge auf der Bühne im Seepark waren am Samstag bei "Lahr lacht" dann aber weniger geschlossen. Martin Quilitz, der mehrfach während der Landesgartenschau hier moderierte, begrüßte 90 Zuschauer auf den Stühlen und 150 Zaungäste. Die Sicht von den Balkonen der Hochhäuser in der Römerstraße über den See sei ja auch fantastisch. Mit fünf Künstlern war das Programm gut und hätte mehr Besucher verdient. Fabien Kachev fuhr beispielsweise Auto, indem er auf einem einfachen Stuhl Platz nahm. Die Kenner merkten sofort. Es war eine französische Luxuskarosse wenn auch nur imaginär. Denn: die Armaturen ähneln einem Cockpit. Kachev erzeugte mit Geräuschen, Gesten und Grimassen alles was im Straßenverkehr schiefgehen kann. Dafür erntete er viele Lacher.

Mila Roujilo schaffte es mit acht Bällen zu jonglieren – ohne Schaden zu nehmen. Die Artistik von Thomas Staath bestand aus Kraftakten und so mancher stellte sich sicher die Frage, wo den die Schwerkraft bei den Künsten geblieben ist. Liza Kos, rheinländische Frohnatur mit Migrationshintergrund, erzählte, wie sie von der "Metropole Moskau auf‘s Land gezogen" sei, sprich nach Deutschland ist. Ebenfalls Wahlrheinländer ist Marius Jung, seine Interpretation der Deutschen Nationalhymne war großartig.

Am Sonntag dann, bei freiem Eintritt, war es rund um den Seepark voll. Das lag am Kaiserwetter, Temperaturen um die 30 Grad am Mittag und natürlich an dem Lahrer Entertainer "Hämme" alias Helmut Dold und seinem Dixie-Quartett. Zusammen mit Pierre Paquette (Klarinette, Saxofon), Berthold Klein (Gitarre Banjo) und Wolfgang Mörike (Kontrabass) ließen die Musiker den Jazz der Anfangszeit hochleben. Das zog viele Zuschauer an.

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