Lahr Lustvolle Grenzüberschreitung

Filippa Gojo und ihre Mitstreiter sorgten für einen Abend voller Rhythmus, Jazz und Swing. Foto: Künstle Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

Lahr. Das Quartett von Filippa Gojo hat am Sonntagabend mit einem vielschichtigen, höchst eigenständigen Klangreigen im Dunstkreis des Jazz sein Publikum im Stiffsschaffneikeller überzeugt. Rund 70 Zuhörer waren an diesem Abend gekommen.

Federleicht ritt das Trio im Rücken der jungen Frau aus Bregenz ein Thema mit brasilianischen Flair ab. Gojo sang portugiesisch, wechselte beim zweiten Song nahtlos ins Englische. Der lateinamerikanische Charme schwang erst einmal noch mit, löste sich dann aber in der nun eindeutig vom Jazz geprägten Verdichtung weitgehend auf. Das dritte Thema wehte aus einer ganz anderen Welt herüber. Pianist Sebastian Scobel kreierte eine getragene, in sich verschlungene Klavierlinie, Lukas Meile an den Perkussions sorgte für einen winzigen Hauch von Unruhe, aus der sich ein langsamer Beat herausschälte. David Andre am Kontrabass griff zum Bogen, Gojo selbst zur "Shrutibox", einem aus Indien stammenden Verwandten des Harmoniums, mit dem sie ihren anfangs lautmalerisch angelegten Gesang unterlegte. "Do Mo trinkt bloach osam Bach" (Der Mond trinkt bleich aus dem Bach) tauchte ein in eine verklärte, fast sphärisch anmutende Stimmung, die sich nur schwer fassen ließ. Das im Vorarlberger Dialekt gesungene Lied von Ulrich Gabriel eröffnete einen ganz neuen Blick auf die Musik des Quartetts.

Gojo spielte lustvoll mit der Grenzüberschreitung von Stimme und konzeptionellem Ansatz, mit Elementen ganz unterschiedlicher Kulturkreise und Musikstile. Sie kokettierte zwischendurch mit modernen Grooves, landete nach der Pause aber bei Joni Mitchell und in einem fast rockigen Kontext.

Die vor ein paar Jahren eher beiläufig entstandene Verbindung des Kulturkreises zur Kölner Jazzszene hat erneut eine höchst interessante Formation nach Lahr gespült. Gojo, im vergangenen Jahr mit dem "Neuen Deutschen Jazzpreis" ausgezeichnet, öffnete Fenster und verwunschene Türen. Ihr Auftritt überzeugte und beeindruckte, weil das Quartett Neues ausprobierte, sich dabei aber nie all zu weit von vertrauten Pfaden, der rhythmischen Leichtigkeit Brasiliens und der Tonsprache des Swing und Jazz entfernte.

Das Publikum ist am Ende des Auftritts spürbar auf der Seite der jungen Frau, die sich ihrerseits von der Resonanz des Publikums einnehmen ließ. "Ich würde gerne wiederkommen", gab sie nach der zweiten Zugabe im Stiftsschaffneikeller zu verstehen.

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