Lahr Lobé lässt den Funken überspringen

Desirée Lobé wurde unter anderem von Markus Westermann (links) und Wolfgang Kininger begleitet. Foto: Haberer

Lahr - Desirée Lobé und ihre Band haben im Stiftsschaffneikeller zwei unterschiedliche Gesichter gezeigt. Der erste Teil gehörte den Songs des Albums "Komm lasst uns fliegen". Nach der Pause überraschte das Quartett mit Rockklassikern.

Im September ein Auftritt mit ihrem Gitarristen Markus Westermann beim Kultursommer im Schlachthof, nun endlich auch das im Frühjahr wegen Corona verschobene Debüt beim Kulturkreis. Desirée Lobé und ihre Band wollen endlich auch in der Heimat Fuß fassen. Die in Freiburg geborene Sängerin unterrichtet an der Musikschule in Achern und leitet in Lahr-Reichenbach, wo sie aufgewachsen ist, einen Kinderchor.

Mit ihrem 2018 veröffentlichten Debütalbum "Kommt wir fliegen" hat die 38-Jährige längst auch überregional gepunktet. Nun will sie auch das heimische Publikum überzeugen, sofern es Corona zulässt. Für Desirée Lobe ist das gar nicht so einfach. Sie liebt den Kontakt zum Publikum, den überschäumenden Moment, der zum Tanzen einlädt. Nun muss sie mit angezogener Handbremse fahren: Sie darf ihe Zuhörer begeistern und durchaus auch ein bisschen aus der Reserve locken. Tanzen muss sie wie am Samstagabend im Stifsschaffneikeller aber allein.

Der an den Beginn gestellte Song "Kommt wir fliegen" führt so fast ein bisschen ins Absurde. Die mit einer vielseitigen, wunderbar klaren Stimme ausgestattete Sängerin und ihre Band – Gitarrist Markus Westermann, Bassist Wolfgang Kininger und Timo Wendling am Schlagzeug ­– heben ab und punkten mit flirrender Leichtigkeit. Direkt im Anschluss nehmen sie das Tempo aber gleich wieder heraus. Sie bestreiten den kompletten ersten Teil des Auftritts mit den Songs ihres Albums. Fein ziselierte Pop- und Rockballaden, nachdenkliche Töne und das forsche "Lass uns aufstehn", eine Hommage an die "Liebe meines Lebens". Durchweg deutsch gesungene Songs, die ins Ohr gehen.

Desirée Lobé hinterlässt einen guten Eindruck

Nach der Pause zeigen Lobé und ihre Band dann ein ganz anderes Gesicht: Kernige Rockriffs, klassischer Rock’n’Roll und Blues, der Schwung von Boogie und Twist. Die Sängerin als Bluesröhre und Soulqueen. Markus Westermann setzt kraftvolle Akzente, treibt das Instrumentaltrio hörbar nach vorne. Das Quartett agiert nun sehr direkt, lässt es richtig krachen. Lobé geht immer mehr aus sich heraus und tanzt barfuß über die Bühne. Von den Klassikern aus den 1960er-Jahren geht es weiter zu Anne Winehouse und Alanis Morissette. Dazwischen "Als gäb’s kein Morgen mehr", eine Eigenkomposition, die mit viel Schwung in die Vollen geht. Desirée Lobé hinterlässt einen guten Eindruck, sorgt richtig für Stimmung unter den gut 30 Zuhörern.

Man darf gespannt sein, was geht, wenn sie wieder vor vollem Haus auftreten und mit dem Publikum richtig abheben und fliegen darf.

Auf ihrer Homepage offenbart Desirée Lobé, weshalb sie singt: "Es ist eines der schönsten und wichtigsten Dinge in meinem Leben. Seit ich mich erinnern kann, singe ich. Früher mit einer Haarbürste als ›Mikrofon‹, vor dem Spiegel. Und heute tatsächlich auf Bühnen, mit einem ›echten‹ Mikrofon. Das Schönste aber: Vor Publikum! Ich liebe es! Für mich ist das der beste Beruf!"