Lahr Lidl geht auf Konfrontationskurs zur Stadtverwaltung

Auf den früheren Obi-Standort hat auch Lidl ein Auge geworfen. Foto: Schabel

Lahr - Lidl hat ein Grundstück im Fachmarktzentrum erworben. Dort, wo Obi einst sein Baumarktsortiment veräußerte, will die Supermarkt-Kette künftig Lebensmittel verkaufen. Doch mit diesem Plan sind Probleme verbunden.

Lidl ist nahezu der größte Discounter-Konzern weltweit

Der Flächenerwerb im Fachmarktzentrum, den Lidl offenbar bereits im Januar in trockene Tücher gebracht hat, war mit der Stadtverwaltung nicht abgesprochen. Vom Vorpreschen des Konzerns mit Sitz in Neckarsulm fühlt man sich im Rathaus nun brüskiert, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist.

Lidl, mit nahezu 11.000 Filialen in 29 Ländern der größte Discounter-Konzern weltweit, war mit der Stadt schon länger in Verhandlungen. Der Konzern will nämlich seine beiden bestehenden Lahrer Filialen in der Offenburger Straße und der Geroldsecker Vorstadt vergrößern (wir berichteten). Laut OB Markus Ibert war die Stadt gesprächsbereit, unter der Voraussetzung, dass für Lahr ein "Mehrwert" herausspringt, zum Beispiel zusätzliche Parkplätze.

Man ist sich allerdings nicht einig geworden. Mit Blick auf das Lahrer Einzelhandelskonzept erteilte die Stadt der Erweiterung der beiden Lidl-Standorte eine Absage. Dagegen wehrt sich der Konzern juristisch, er will die Vergrößerung der Filialen per Klage durchsetzen.

Der Knatsch ums Fachmarktzentrum kommt jetzt hinzu. Die möglichen Auswirkungen einer Lidl-Ansiedelung dort hatte die Verwaltung monatelang geprüft, ohne dass sie ihr Okay gegeben hätte. Das Problem aus Sicht der Supermarktkette ist, dass sie grünes Licht der Stadtverwaltung braucht, ehe sie dort Lebensmittel verkaufen darf. Denn dazu müsste der Bebauungsplan geändert werden.

Eigentümer müsste auf sein Baurecht verzichten

"Wir haben uns sehr über die Vorgehensweise von Lidl gewundert, schließlich können sie mit dem bestehenden Baurecht ihre Nutzung nicht realisieren", sagt OB Markus Ibert. "Als Stadt können wir das Planungsrecht beeinflussen und damit die Nutzungsmöglichkeiten. Doch allein der Eigentümer des Grundstücks wählt den konkreten Betreiber. Dies entzieht sich unserem Einfluss", so Baubürgermeister Tilman Petters.

Bereits bevor Lidl sich dort eingekauft hat, war die Nutzung des früheren Obi-Standorts eine verfahrene Angelegenheit. Bekanntlich wollte Thomas Philipps dort bereits im Sommer 2020 eine Filiale aufmachen –­ doch daraus wurde bislang nichts.

Hintergrund ist, dass nicht nur der Sonderpostenhändler dort einziehen will, sondern auch der Lebensmittelhändler Penny, der jetzt schon in der Nähe einen Markt betreibt, im Götzmann, und sich am neuen Standort vergrößern will.

Das Problem ist, was aus dem alten Penny-Grundstück wird. Der Eigentümer müsste auf sein Baurecht verzichten, künftig dort an einen weiteren Lebensmittelhändler zu vermieten. Ohne dieses Einverständnis wird der Bebauungsplan fürs Fachmarktzentrum nicht geändert.

Laut der Stadt müssten nun mehrere Fragen geklärt werden: Was sieht die Stadt als Entwicklungsziel für ihr Fachmarktzentrum? Welche Auswirkungen hat dies auf die beiden Filialen von Lidl und die Klageverfahren?

Unter Druck setzen lassen will man sich von Lidl nicht, ist der städtischen Mitteilung zu entnehmen.

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