Lahr Leben wie bei den alten Römern

Michael Ständer als Lucius spielt eine Szene mit Christine Breuer als Metella. Mit von der Partie sind auch zwei der Kinder-Darsteller, Jessica und Polina. Foto: Baublies

Lahr - Wie hat das Leben auf dem "Vicus an der Schutter" vor etwa 1800 Jahren ausgesehen? Mit drei Szenen können Besucher des Römertags am Samstag das nachempfinden.

 

Heimathistoriker Walter Caroli hat die Szenen verfasst, die derzeit in der Schutterlindenbergschule mit Laiendarstellern geprobt werden. Neben den erwachsenen Römern sind auch neun Kinder dabei.Allesamt tragen sie bei den Proben ihre extra für den Römertag gefertigten Togen (Obergewänder). Nur eine "Göttin" fehlte am Dienstag.

Zum Stab gehören Prudentus (Henny Herzog), Lucius (Michael Ständer), Spurius (Klaus Blawert), Metella (Christine Breuer) und die neun Darsteller, die verschiedene Kinder mimen. In der ersten Szene, "Ehestreit" betitelt, erklärt der Erzähler Prudentus den Namen. Der stehe für neunmalklug. "Ich will gleich bekennen, dass ich kein Römer bin." Als Kosmopolit, als Weltbürger, wird er über die Szenen und die Jahrhunderte hinwegblicken und Erklärungen abliefern.

Dann haben die zwei Kinder das Wort. "Sie beginnen wieder zu streiten." Metella und Lucius geraten über den Umgang mit dem Sklaven Vergetix in Harnisch. Nur der Streit ist Caroli, nachdem die Szene einmal durchgespielt wurde, noch zu lasch. Das müsse lauter werden und deutlicher werden. "Wir wiederholen die ganze Szene." Die Texte sitzen einigermaßen. Zwar haben die Darsteller ihre Textbücher alle in der Hand, aber die werden kaum benötigt. Es geht um Details und den Feinschliff.

Die Idee der Szenen, an denen die Darsteller sowie Autor und Regisseur Caroli derzeit arbeiten, ist, das Leben im "Vicus an der Schutter" so realitätsnah wie möglich abzubilden. Das steht übrigens genauso im Text. Metella weist den "Pater Familias" Lucius zurecht. "Wir leben nicht in Rom am Tiber, sondern im ›Vicus an der Schutter‹." Den Begriff der nahezu unumschränkten Macht des Familienvaters hat der neunmalkluge Erzähler dem Publikum da bereits geschildert. Dass aber die Frau nicht völlig ohne Rechte ist, zeigt die Szene nebenbei.

Der Freundeskreis der LGS hat die Idee gehabt, Szenen aus der gallorömischen Zeit am Vicus im Bürgerpark darzustellen. Neben dem ausgewiesenen Fachmann Caroli als Autor, sind auch die Details bei den Szenen wichtig. Die Gewänder der Darsteller sind sorgfältig und in Handarbeit dem Stil der Spätantike nachempfunden. Auch bei den Sandalen, die alle tragen werden, ist auf Authentizität geachtet worden.

Geschichte kann nur das erzählen, was wir aus den entsprechenden Quellen auch kennen, heißt es. Wenn aber Prudentus dem Publikum am Samstag nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik fragen wird, ist das eine Idee des Autors – und künstlerische Freiheit.

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