Lahr Langenwinkler mit Herz und Seele

Walter Deusch hat den Umzug von Langenwinkel miterlebt. Foto: Bohnert-Seidel

Langenwinkel - Täglich ist er draußen auf dem Hof. Schaut, ob auch alles in Ordnung ist. Seine Familie ist ihm wichtig. Sie gibt Halt, Fürsorge und Geborgenheit. Das gilt auch für den Stadtteil Langenwinkel: 40 Jahre lebte er in Alt-Langenwinkel, vor 50 Jahren war er am Aufbau von Neu-Langenwinkel beteiligt. Von Beruf war er Landwirt, später Nebenerwerbslandwirt und gleichzeitig Gemeindemitarbeiter. Heute, Dienstag, feiert Walter Deusch nun seinen 90. Geburtstag.

Dass in diesem Jahr sein Langenwinkel 50. Geburtstag feiert, erfüllt ihn, einen der Zeitzeugen, mit großer Freude. Der 90-Jährige hat ein enormes Wissen über die Geschichte des Stadtteils, das die Schwiegertochter und Ortsvorsteherin Annerose Deusch sehr gern abruft.

Er war am Bau des Abschnitts der Autobahn von Kürzell bis zum Autobahnzubringer beteiligt

Zur Geburtsstunde von Walter Deusch und seiner Zwillingsschwester Lisbeth am 12. Januar 1931 zählte das Dorf 280 Einwohner. Heute sind es 2083. Im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern fand Walter Deusch nach der Schule seine Berufung.

Als junger Bursche war er in den Wintermonaten 1948, wenn in der Landwirtschaft nicht so viel zu tun war, am Bau des Abschnitts der Autobahn von Kürzell bis zum Autobahnzubringer beteiligt. Von 1951 bis 1969 folgten die Arbeiten für die Start- und Landebahn des Flugplatzes.

Einerseits ernährte die Arbeit am Bau der Landesbahn viele Familien – andererseits lebten die Einwohner dann in direkter Nachbarschaft zur Landebahn mit Lärm und Angst. "Menschen rannten vor brennenden Flugzeugen davon", erzählt Walter Deusch.

Jeder Hauseigentümer wurde mit einem Grundstück entschädigt

Proteste der Bevölkerung blieben von Dauer. Nachdem 1963 in Bonn die Entscheidung zur Umsiedlung des Dorfs getroffen wurde, dauerte es weitere acht Jahre bis zur Umsiedelung 1971 auf den alten "Hurster Hof", einem mehr als 20 Hektar großen Gelände der evangelischen Kirche. "Zur Debatte stand auch die Fläche zwischen Heiligenzell und Burgheim", erzählt Deusch. "Das war den Langenwinklern aber zu hügelig."

Jeder Hauseigentümer wurde mit einem Grundstück entschädigt. Zurück hat keiner geschaut. Das Dorf hielt zusammen. Alle zogen ihre Häuser hoch und waren getragen von einer großen Aufbruchstimmung.

Deusch erfreute sich mit Ehefrau Marie und den vier Kindern am neuen Zuhause. Als ehemaliger Gemeindemitarbeiter – ein Posten. der mit vielfältigen Aufgaben verbunden war – zeigt er sich bis heute als profunder Kenner der gesamten Topografie und Infrastruktur von Langenwinkel. Mit Ehefrau Marie erlebte er glückliche Ehejahre, bis sie im Juli 2018 starb.

Aus dem ehemaligen landwirtschaftlichen von Walter Deuschs Eltern haben Annerose und Gerd Deusch einen Betrieb für Landschafts- und Gartengestaltung gemacht. 1998 machten sie sich damit selbständig. Walter Deusch hat sich in der Feuerwehr, im Gesangverein und Reitverein engagiert – einen großen Teil seines Lebens. Bis heute ist Walter Deusch getragen von einer vitalen Lebensfreude.

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