Lahr Thomas Philipps: "Lahrer haben uns bestärkt"

Als Expansionsleiter bei Thomas Philipps ist Uwe Speckmann (links) in ganz Deutschland unterwegs. Das Foto zeigt ihn vor einer Filiale in Wolfen (Sachsen-Anhalt) mit dem dortigen Bürgermeister André Krillwitz. Foto: Mitteldeutsche Zeitung/André Kehrer

Lahr - Seit dem Gemeinderatsbeschluss steht fest, dass Thomas Philipps zurück nach Lahr kommen kann – darauf hat man auch bei der Marktkette erleichtert reagiert. Wir haben mit Uwe Speckmann, Leiter Objektverwaltung/Expansion bei Thomas Philipps, darüber gesprochen, wie er das ganze Hickhack empfunden hat – und was der Sonderpostenhändler in Lahr plant.

Herr Speckmann, wie bewerten Sie die wochenlange Auseinandersetzung?

Der Gemeinderat ist gut beraten, wenn er sich an seine eigenen Beschlüsse wie das Einzelhandelskonzept hält. Doch vor dessen Verabschiedung ist nicht vorausschauend gedacht worden. Die Flächen im Mietersheimer Fachmarktzentrum sind im Regionalplan als Vorranggebiet für zentrenrelevanten Einzelhandel ausgewiesen. Das Einzelhandelskonzept sieht aber vor, dass dort kein weiterer Einzelhandel mit zentren- und nahversorgungsrelevanten Sortimenten zugelassen wird. Eine Entwicklung des Handels mit diesen Sortimenten ist mittler­- weile generell recht schwierig, da die Innenstädte geschützt werden sollen.

Und warum ziehen Sie dann nicht in das Lahrer Zentrum?

Unser Vertriebskonzept widerspricht einer Ansiedelung in der Innenstadt. Wenn der übergeordnete Regionalverband den Bereich schon als "Vorranggebiet für zentrenrelevanten Einzelhandel" einstuft, wäre die Stadt vielmehr besser beraten gewesen, sich in Mietersheim nicht so strikt festzulegen. Dann wäre die Entscheidung für die Ansiedlung von Thomas Philipps wahrscheinlich­ einfacher gewesen.

Im Lahrer Rathaus ist man der Meinung, ein Thomas-Philipps-Markt mit seinem kompletten Sortiment ist eine Konkurrenz für die Innenstadt. Sehen sie das auch so?

Verschiedene Standorte in Deutschland belegen, dass Thomas Philipps dem Einzelhandel nicht schadet. Sonderpostenmärkte haben größtenteils nur begrenzt lieferbare Waren im Sortiment, die aus den verschiedenstem Gründen besonders günstig sind. Folglich weisen sie nur einen stark eingeschränkten Wettbewerbsbezug zu Fachgeschäften oder Fachmärkten auf, die von den Kunden gezielt und aufgrund eines konkreten Kaufinteresses aufgesucht werden.

Weshalb ist es Ihnen Lahr so wichtig?

Lahr haben wir nicht gerne verlassen, mussten uns aber der Entwicklung in Mieterheim mit der Neuentwicklung des Fachmarktzentrums beugen. Da wir bei den Lahrer Kunden beliebt gewesen sind, haben wir natürlich ein berechtigtes Interesse, hier wieder mit einer Filiale vertreten zu sein. Die Berichterstattung in der Presse und Äußerungen von Verbrauchern im Internet haben uns darin bestätigt. Wir haben in den vergangenen Wochen von Lahrer Bürgern per E-Mail und Post viel Zustimmung erhalten.

Was muss in den früheren Obi-Hallen noch gemacht werden, ehe Thomas Philipps dort einziehen kann?

Die Flächen werden revitalisiert, der frühere Obi wird in mehrere Verkaufsflächen für diverse Filialisten geteilt und technisch neu ausgestattet. Mit dem Umbau von Media-Markt habe die Arbeiten begonnen. Wir werden den Kunden­ in Lahr eine moderne Einzelhandelsfläche bieten.

Wann wollen Sie eröffnen?

Wir haben natürlich ein starkes Interesse daran, dass das so schnell wie möglich klappt, aber eine konkrete Auskunft kann ich so kurz nach der Entscheidung des Gemeinderats nicht geben. Der Bebauungsplan bedarf noch einer Änderung, um auch die weiteren Vorhaben, wie den Umzug von Penny, realisieren zu können. Für den Sonderpostenmarkt besteht zwar ein genaueres Vorkonzept, inklusive einer Ladenplanung. Das muss nun aber noch in eine Planung und einen Bauantrag umgesetzt werden.

Wie viele Mitarbeiter werden Sie in Lahr haben?

Zwischen 12 und 20 Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Geplant ist ein Markt mit rund 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche mit einem Außenbereich für Gartenartikel.

Laut Beschluss müssen Sie Ihr Sortiment einschränken. Was wird es dann noch zu kaufen geben?

Zum Beispiel Haushaltswaren, Kosmetik, Lebensmittel, Tiernahrung, Gartenbedarf und Pflanzen. Erstklassige Artikel aus den Bereichen Elek­trogeräte, Geschenkartikel, Schreibwaren, Heimwerkerbedarf und vieles mehr. Die Verbraucher kommen zu uns, weil sie ein einzigartiges Sortiment mit ständig wechselnden Angeboten vorfinden. Wir bieten attraktive Produkte mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis an.

Aber laut Gemeinderat eben keine Bekleidung, Schuhe oder Lederwaren.

Wir haben mehr als 18 000 Artikel. Sonderposten, also Waren, die aus bestimmten Gründen zu Sonderkonditionen verkauft werden, sind unsere Stärke. Was manch anderer Discounter mitunter nur einmal im Jahr als Aktionsware anbietet, findet man bei Thomas Philipps öfter. Von der Sitzgarnitur für den Garten über Fahrradzubehör bis hin zu Elektroartikeln.

Dabei sprechen Sie Menschen an, die beim Einkauf sparen wollen.

Das Schnäppchenjagen im Sonderpostenmarkt ist zu einer Art Einkaufserlebnis geworden. Die große Leidenschaft unserer Firma ist es, die Kunden Tag für Tag mit einem umfangreichen Sortiment des täglichen Bedarfs zu begeistern. So können Kunden, je nach Einkauf, durchaus ein paar hundert Euro oder mehr sparen, etwa bei Artikeln aus dem Gartenbereich. Dort haben wir etwa hochwertige Campingmöbel, Terrassenmöbel aus Holz sowie aufblasbare Swimmingpools.

Thomas Philipps hat bei manchen Menschen den Ruf eines "Krempelladens". Was halten Sie davon?

Gegen dieses unschöne Wort wehre ich mich vehement. Eine neue oder umgebaute Filiale von Thomas Philipps präsentiert sich in einer eigenen Corporate Identity, die das Konzept und die Firmenfarben widerspiegelt. Das fängt bei der farblichen Gestaltung der Filialen im Außen- und Innenbereich an, geht über eine hervorragende Ausleuchtung der Verkaufsflächen mit moderner, energieeffizienter LED-Beleuchtung weiter bis zum wertigen Boden aus Fliesenbelägen. Die Ladeneinrichtung entspricht einem modernen Vertriebskonzept. So sind die Regale niedrig gehalten, damit die Kunden eine gute Übersicht haben.

Was möchten Sie den Lahrern noch sagen?

Wir sind froh, in der Stadt nun wieder eine Filiale eröffnen zu können. Und dass sich die Menschen auf ein modernes Laden- und Vertriebskonzept freuen können.  Fragen von Herbert Schabel

Das Unternehmen wurde 1986 von Thomas Philipps gegründet –­ zum Start gab es zwei Filialen und fünf Mitarbeiter. Heute werden über drei große Zentrallager mehr als 260 Sonderpostenmärkte in Deutschland beliefert; außerdem gibt es einen Onlineshop. Thomas Philipps hat rund 600 Angestellte in Logistik und Verwaltung, außerdem vor Ort in den Märkten weitere 2500 Mitarbeiter.

  • Bewertung
    13