Lahr Lahrer Gruppe steht vor dem Aus

Ingrid Lüderitz leitet seit 2006 die Lahrer Gruppe der Muettersproch-Gsellschaft. Nun wird sie das Amt abgeben. Foto: Fößel Foto: Lahrer Zeitung

Die Lahrer Muettersprochgruppe steht vor der Auflösung. Diese wird die Gruppe treffen, wenn sich kein Nachfolger für Ingrid Lüderitz findet. Die Leiterin hat ihren Rückzug angekündigt.

Lahr. In der schriftlichen Einladung zur Hauptversammlung am Mittwoch, 31. Januar, teilte die Rentnerin den gut 70 Mitgliedern mit, dass sie als Leiterin nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Die Nachricht war verbunden mit der Bitte an die Mitglieder, es sich zu überlegen, das Amt doch selbst zu übernehmen. Bisher hat sich keiner gemeldet. Zuvor hatte Lüderitz bereits bei ihren vier Vorstandskollegen nachgefragt, ob Interesse am Vorsitz besteht, doch die hatten abgewunken.

Damit hat die Gruppe Stand jetzt nach der Hauptversammlung keinen Chef mehr – das wäre dann das Aus. Wichtigste Aufgabe des Gruppenleiters ist nämlich die Organisation von Veranstaltungen. Drei davon müssen es laut Satzung pro Jahr sein, damit der Gesamtverein seine Gemeinnützigkeit behält. Kein Gruppenleiter, keine Veranstaltungen, keine Zukunft – auf diesen Nenner lässt sich die Lage bei der Lahrer Regionalgruppe der Muettersproch-Gsellschaft "Gerolds­ecker Land" bringen.

Einst war Dialekt verpönt – heute ist er beliebt

Lüderitz hatte die Leitung 2006 übernommen. Weshalb will sie nun aufhören? Auf Nachfrage der Lahrer Zeitung sagt sie, dass der Besuch der Veranstaltungen zurückgegangen sei. "Zuletzt waren nur noch der Vorstand und ein oder zwei Mitglieder da. Insgesamt waren es häufig nur noch zehn Besucher."

Lüderitz organisierte zum Beispiel unterhaltsame Lesungen oder Stadtführungen im Dialekt, die aber nicht die gewünschte Resonanz erzielt haben. Woran liegt das, wo doch im Vergleich dazu die Abende der benachbarten Muettersproch-Gruppe "Rund um de Kahleberg" wahre Publikumsmagneten sind? Lüderitz vermutet, dass die Erklärung mit dem Unterschied von Stadt und Land zu tun hat und dass die Menschen in ländlichen Gebieten sich eher mit ihrer Mundart identifizieren.

Die heute 73-Jährige ist in Oberweier aufgewachsen und hat von Kindesbeinen an Dialekt gesprochen. "Das wurde damals gar nicht gern gesehen, in der Schule sind wir dafür gerügt worden", erinnert sie sich. Dagegen sei heute die Mundart etwas Selbstverständliches, freut sie sich. Sie liebe den alemannischen Dialekt, zumal sich manche Dinge damit besser ausdrücken ließen als auf Hochdeutsch.

Die gelernte Industriekauffrau wird sich zwar als Gruppenleiterin zurückziehen, der Muettersproch-Gsellschaft insgesamt aber treu bleiben. Mit Auflösung der Lahrer Gruppe erlischt die Mitgliedschaft im Verein nämlich nicht, vielmehr steht es den Mitgliedern frei, die Veranstaltungen der Muettersproch-Gruppen in Ettenheim oder Offenburg zu besuchen. Das hat Lüderitz auch vor – "wenn etwas dabei ist, was mich interessiert."

Aus dem Südbezirk gibt’s auch bereits Signale, dass man die Muettersprochler aus Lahr mit offenen Armen aufnehmen wird. Dieter Tieken aus dem Vorstand der Muettersprochler "Rund um de Kahleberg", dem die Probleme der Lahrer zu Ohren gekommen sind, hat die Einladung standesgemäß in Mundart verfasst: "Sollte sich die Gruppe Geroldsecker Land vu dr Alemannischen Muettersproch-Gsellschaft tatsächlich ufflöse, so wäre das ein großer Verlust. Die Mitglieder us dr Regionalgruppe Geroldscker Land sind in unserer Gruppe Rund um dr Kahleberg aber gern gesehen Gäste."

Lahr: Die vermutlich letzte Mitgliederversammlung der Regionalgruppe der Muettersproch-Gsellschaft beginnt am Mittwoch, 31. Januar, um 15 Uhr im Gasthaus Zarko in der Schillerstraße. Sollte sich kein neuer Leiter finden, wird die Regionalgruppe sich auflösen.

 Ettenheim: Die Muettersproch-Gsellschaft "Rund um de Kahleberg" hat ihre nächste Veranstaltung am Montag, 5. Februar, ab 18 Uhr im Gasthaus Rebstock in Münchweier. Liedermacher Bernd Kohl wird –­ "passend zur Fasent-Zitt", so die Einladung –, Humoristisches zu "Viecherei und Menschlichkeit" bieten.

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