Lahr Neuer Leiter im Polizeirevier: "Lahr ist eine sichere Stadt"

Ingolf Grunwald steht hier im ersten Obergeschoss des Lahrer Polizeireviers. Im Hintergrund sind die Wappen der Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet des Reviers zu sehen. Foto: Schabel

Lahr - Ingolf Grunwald leitet seit Jahresbeginn das Lahrer Polizeirevier. Einen ruhigen Start hat der 55-Jährige nicht gehabt, mehrere Überfälle haben die Beamten in Atem gehalten. Mit dem Polizeioberrat haben wir über seine neue Aufgabe gesprochen –­ und was er von der Fasent hält.

Herr Grunwald, das aufsehenerregendste Verbrechen in Ihrer Zeit hier in Lahr war der Überfall auf die Sparkasse. Wie nah sind Ihre Kollegen dem Täter am 14. Januar gekommen?

Eine Polizeistreife war gerade in einer Parallelstraße unterwegs, als der Alarm kam. Als diese Beamten an der Sparkasse eintrafen, war der Täter aber schon draußen. Drei Minuten haben gefehlt, das haben hinterher unsere Einsatzprotokolle gezeigt.

Und weshalb haben Sie den Bankräuber danach nicht auf seiner Flucht zu Fuß erwischt?

Wir hatten Hinweise aus der Bevölkerung, in welche Richtung er gelaufen ist. Die spätere Analyse hat gezeigt, dass diese Hinweise richtig waren, aber es ist dem Täter leider trotzdem gelungen, in der Innenstadt unterzutauchen. Es gibt da einfach zu viele Verstecke und Möglichkeiten zum Unterschlüpfen.

War er nun sehr clever oder hatte er einfach nur unverschämtes Glück?

Er hatte sicher Glück, da eine Streife von uns ja sofort an der Sparkasse war. Andererseits fällt auf, dass er komplett vermummt war. Wir haben im Grunde keine Beschreibung von ihm, nur von seiner Kleidung, die er ja wegwerfen kann. Das würde dafür sprechen, dass er einen Plan hatte.

Wie ist generell die Sicherheitslage in Lahr?

Stabil und gut. Lahr ist eine sichere Stadt, das hat auch mein Vorgänger Felix Neulinger betont. Im März präsentieren wir die Kriminalitätsstatistik, die diese Feststellung bestätigen wird.

Zuletzt gab es aber mehrere Überfälle, vor allem auf Spielcasinos.

Insgesamt gesehen hat die Zahl der Raubüberfälle 2019 aber sogar abgenommen. Gegen Ende des Jahres gab es dann eine Häufigkeit in dem Bereich, das stimmt. Wir haben aber zu Beginn meiner Zeit hier in Lahr sofort reagiert und eine Konzeption erarbeitet mit verstärkter Präsenz und Fahndungsmaßnahmen. Zuletzt ist es uns ja auch gelungen, bei einem Überfall zwei Jugendliche auf frischer Tat zu ertappen und festzunehmen. Jetzt muss man die Ermittlungen abwarten, ob die zwei auch für andere Überfälle verantwortlich sind.

Gehen wir mal weiter in der Vergangenheit zurück. Weshalb sind Sie eigentlich Polizist geworden?

Auf den Geschmack gebracht hat mich ein Tag der offenen Tür bei der Bereitschaftspolizei in Lahr. Die Vielfalt des Polizistenberufs hat mich begeistert, angefangen von der Kriminalpolizei bis zur Hubschrauberstaffel. Bis dahin hatte ich vor, etwas im Bereich Chemie zu studieren. Stattdessen habe ich dann mit 17 Jahren eine Ausbildung bei der Polizei begonnen.

Ist es für sie heute noch ein Traumberuf?

Ja, auf jeden Fall. Es dürfte wenige andere Berufe geben, die so abwechslungsreich sind. Abends ist man immer wieder überrascht, was der Tag gebracht hat.

Dabei erhalten Polizisten heute vielfach nicht mehr den Respekt wie einst, ist immer wieder zu hören.

Es hat sich etwas verändert, das stimmt. Teilweise sind die Kollegen persönlichen Angriffen ausgesetzt. Polizisten, die heutzutage zu einem Verkehrsunfall gerufen werden, müssen zum Beispiel auch die Opfer vor Gaffern schützen, die Handyaufnahmen machen wollen. Da scheint es keine Grenzen mehr zu geben. Diese Entwicklung betrifft auch Krankenhäuser. Dort werden einige aggressiv, wenn sie der Meinung sind, nicht rechtzeitig oder richtig behandelt zu werden.

Sind Polizisten heute mit mehr Gewalt als früher konfrontiert?

Wenn man als Polizist einschreitet, muss man immer mit Gegenwehr rechnen. Gewalt gab es auch früher, etwa in Form einer Prügelei bei einem Fest. Aber damals war die Prügelei beendet, wenn einer am Boden lag. Heute wird leider nachgetreten.

Sie sagen, Lahr ist eine sichere Stadt. Wie sieht es damit in Rust aus?

Den dortigen Polizeiposten haben wir nochmal personell verstärkt, um zusammen mit dem Europa-Park die Sicherheit der Parkgäste garantieren zu können. Da kommen bis zu 25 000 Gäste pro Tag, das ist so viel wie bei einem Fußballspiel in Freiburg, auch wenn das Klientel natürlich teilweise ein anderes ist.

Ist Rust also kein sicheres Dorf?

Doch, das ist es absolut. Aber dort gibt es etwa Straftaten im Bereich des Betäubungsmittelgesetzes, begangen von Parkbesuchern, die Rauschmittel dabei haben, um sich einen schönen Tag zu machen, oder das, was sie darunter verstehen. Bei den Kontrollen findet man auch Waffen, wo man sich dann schon fragen muss, weshalb manche bewaffnet in einen Freizeitpark gehen.

Wie denken Sie – rein dienstlich gesehen – über die Fasent?

Es ist eine arbeitsreiche Zeit. Im Einzugsgebiet des Lahrer Polizeireviers leben rund 120 000 Menschen, doppelt so viele wie im Bereich des Kehler Reviers, das ich zuletzt geleitet habe. Und überall im Bereich des Lahrer Reviers gibt es jetzt Umzüge und sonstige Fasentveranstaltungen, bei denen wir mit für die Sicherheit sorgen. Eine Ur­laubssperre für Polizisten haben wir nicht, aber die Kollegen machen in diesen Tagen sehr viele Zusatzdienste. Dafür bin ich auch dankbar, hier eine so motivierte Mannschaft vorgefunden zu haben.

Nimmt auch bei der Fasent die Gewalt zu?

Überwiegend wird gesittet gefeiert, auch weil die Veranstalter das sehr gut machen, zahlreiche ehrenamtliche Ordner stellen und den Alkoholausschank kontrollieren. Wir stellen hier in Lahr aber auch fest, dass viele Besucher mit der Bahn aus dem Großraum Freiburg anreisen und uns dann Probleme bereiten. Das sind junge Leute, die Alkohol konsumieren und bei Fasentveranstaltungen stören. Dieses Problem wird uns auch in Zukunft beschäftigen.

Und was halten Sie rein privat von der Fasent?

Früher war ich mit meiner Frau bei den Griesenschnallen Bad Peterstal-Griesbach sogar als Hästräger aktiv. Nachdem ich dort mein 25-Jähriges gefeiert habe, habe ich aber aufgehört. Man wird älter und legt andere Schwerpunkte in seinem Leben.   Fragen: Herbert Schabel

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