Lahr Lahr als Stadt in einer Grenzregion

Verlegerin Sonja Lauinger, Stadthistoriker Thorsten Mietzner und Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller präsentieren die Geschichte der Stadt Lahr. Foto: Achnitz Foto: Lahrer Zeitung

Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller hat der Öffentlichkeit gestern die kleine "Geschichte der Stadt Lahr" präsentiert. Das neue Buch des Stadthistorikers Thorsten Mietzner ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Lahr. Zur Feierstunde ins Stadtmuseum waren aus Anlass der Buchvorstellung rund 90 Neugierige erschienen. Der Oberbürgermeister begrüßte die zahlreichen historisch interessierten Gäste, aktuelle und ehemalige Bürgermeister, Gemeinderäte und Vertreter der städtischen Wirtschaft sowie Verlagsleiterin Sonja Lauinger.

Mit bester Laune präsentierte er den Ertrag der Forschungen Thorsten Mietzners. Es mache sich immer "eine große Gelassenheit breit", wenn er mit dem Historiker rede, sagte Wolfgang G. Müller: "Wie oft meint man als Politiker, in tagesaktuellen Dingen zu ertrinken, und stellt dann fest, dass auch andere schon ihre Probleme hatten." Er bedankte sich bei Mietzner für das Werk, das zwar "in dienstlicher Zeit" entstanden sei, "aber nicht zu den Dienstpflichten gehört" habe. "Ich bin überzeugt", sagte er, "dass es seine Wirkung entfaltet."

Sonja Lauinger bedankte sich als Inhaberin des Regionalverlags, in dem die "Kleine Geschichte der Stadt Lahr" erschienen ist, ebenfalls beim Verfasser, aber auch für die Einladung nach Lahr. "Es ist immer spannend, wenn sich ein Autor der Geschichte ei­ner Region zuwendet", sagte sie. So "klein" sei das Büchlein aber ja gar nicht und wohl eher als "kompakt" zu bezeichnen.

Mietzner entfaltet ein "neues Narrativ"

Ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen der dreibändigen Geschichte der Stadt Lahr, die von verschiedenen Autoren verfasst und von der Stadt selbst herausgegeben wurde, legt Mietzner nun ein kompaktes Lesebuch vor. Es beschreibt die Entwicklung des Ortes von der Jungsteinzeit bis in die Mitte der neunziger Jahre. Im Unterschied zu dem dreibändigen Kompendium, das zwischen 1989 und 1992 erschien, liegt jetzt ein Überblick aus einer Hand vor.

Vor allem aber will der gelernte Historiker eine etwas andere Erzählung, ein anderes "Narrativ" präsentieren als seine Vorgänger: "Die Geschichte der Stadt Lahr wurde bislang vor allem als eine Geschichte bürgerlichen Freiheitsstrebens gedeutet", heißt es im Vorwort. Dieses Freiheitsstreben habe vermeintlich "im ›Lahrer Liberalismus‹ des 19. Jahrhunderts seine Vollendung" gefunden. Mietzner hingegen schildert eine eher konservative, viel weniger "heroische" Entwicklung der Stadt und ihrer Bürger. Er sieht deren "große Zeit" auch nicht in der Indu­strialisierung des 19. Jahrhunderts, sondern "im 18. Jahrhundert und in der Zeit der aufstrebenden Handelsstadt", wie er zu Beginn des Buches ausführt.

Die Stadtgeschichte spannt im ersten Teil einen weiten Bogen von der frühesten Besiedlung des Fleckens etwa 3000 vor Christus über die Römer in Dinglingen und die Stadtgründung im 13. Jahrhundert bis zum Dreißigjährigen Krieg und seinen Auswirkungen auf die gesamte Region. Größere Kapitel widmen sich der Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert, den Modernisierungen im Kaiserreich sowie der jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Situation rund um die beiden Weltkriege.

Gründlich beleuchtet der Historiker den Beginn der Weimarer Republik am Rande des Schwarzwalds sowie Lahrs Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Schlusskapitel beschäftigen sich mit dem Aufstieg der Stadt in der Nachkriegszeit und dem Jahr 1994 als "Zeitenwende" – bedingt durch den Weggang der kanadischen Soldaten und den Zuzug der Russlanddeutschen.

"Ich habe da jetzt drei Jahre lang dran und drin gesessen", sagte Mietzner am Schluss seiner kurzen Einführung. "Jetzt ist es irgendwie nicht mehr meins – jetzt ist es Ihres."

Thorsten Mietzner wuchs in Ostwestfalen auf. Er studierte Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften in Marburg und Freiburg. Seit 1998 ist er Stadthistoriker am Stadtarchiv in Lahr. "Die kleine Geschichte der Stadt Lahr" ist seit gestern im Lauinger Verlag erhältlich. Es umfasst 270 Seiten und kostet 23 Euro (ISBN 978-3-7650-1431-4).

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