Lahr Lässiger Charme und wunderbar federnde Jazzballaden

Lorenz Stiegeler wurde auf der Bühne des Stiftsschaffneikellers zu Lawrence Grey. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Der Mann am Klavier taucht ein in die Welt perlender Jazzballaden, eines wunderbar entspannten Entertainments. Lorenz Stiegeler zählt zum Kollegium der Städtischen Musikschule, unter seinem Künstlernamen Lawrence Grey hat er am Samstagabend mit seiner Band in der Reihe "Jazz im Keller" debütiert.

Ende März, bei den "Jazz Nights auf Schloss Staufenberg", war er unmittelbar in Anschluss an den Auftritt von Till Brönner und Dieter Ilg am Start. Am Samstagabend ist er nun erstmals die steile Treppe des Stiftsschaffneikellers hinabgestiegen, um die Freunde der noch jungen Jazzreihe des Kulturkreises mit lässigem Charme und wunderbar federnden Jazzballaden zu umgarnen. Lorenz Stiegeler, seit 2008 Lehrer an der Lahrer Musikschule, macht auch auf der Bühne eine ausgesprochen gute Figur. Lawrence Grey, wie er sich hier nennt, bedient das Fach eines ausgefuchsten Entertainers am Jazzpiano. Er taucht augenzwinkernd in die Welt des Bar-Jazz ein, kultiviert ihn mit einer versiert agierenden Combo im Rücken. Simon Schallwig (Kontrabass) und Julian Losigkeit (Schlagzeug) besorgen das rhythmische Gefüge, dass manchmal entspann plätschert, von den beiden aber auch aus dem Stehgreif heraus kraftvoll verdichtet wird. Ganz ähnlich agiert auch Gitarrist Rares Popsa. Der Mann aus Villingen-Schwenningen leistet dezente Ensemblearbeit, punktet aber auch mit starken Bällen aus der Hinterhand. Hier ein kerniger Riff, da ein erfrischender, manchmal auch schräger Lauf. Bei "Be My Mechanic", einer der zahlreichen Eigenkompositionen im Programm von Lawrence Grey, stottert so erst einmal kräftig der Motor, bevor der Song tatsächlich abhebt.

Die Stärke des Abends liegt in der scheinbaren Lässigkeit der Darbietung. Der Mann am Piano plaudert und klimpert dann einfach los. Die oft aus der Feder von Chris Nehmet stammenden Arrangements heben letztendlich aber das musikalische Gespür von Lorenz Stiegeler und seiner Truppe hervor. "The Jocker" der Titelsong des kleinen Debütalbums von Lawrence Grey, kommt mit der gleichen Qualität, der gleichen Durchschlagskraft daher wie "Blackbird" von den Beatles.

Deutscher Evergreen zum Abschluss

Bei "Route 66", dem Lieblingsstandard von Stiegeler, schwingt der raue Charme des Blues mit, während sich an anderer Stelle eine Aura manifestiert, die an Frank Sinatra ebenso erinnert wie an Diana Krall. Stiegeler hat Zeit und Geld investiert, um an seiner Stimme, seinem Englisch zu feilen. Zum Abschluss des Abends serviert er trotzdem "Ausgerechnet heute Abend", einen deutschen Evergreen aus den 20er-Jahren.

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