Lahr Ausstellung: Kunst mit Kamera und Skalpell

Jessica Petraccaro-Goertches bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie in der Obertorstraße 4. Silke Rath war bei der Vernissage nicht anwesend. Foto: Haberer

Lahr - Silke Rath aus Hamburg und die aus Lahr stammende Jessica Petraccaro-Goertsches alias "JPG" zeigen in der Galerie "L’art pour Lahr" Gemeinschaftsarbeiten. Zu sehen sind Handzeichnungen und Fotokunst, die sich ergänzen.

Der Ausstellungstitel "Neobiota" gibt die Richtung der Gemeinschaftsarbeiten vor: Wie in der Natur schleichen sich neue Organismen, sogenannte Neobionten, ein und etablieren sich. Es geht also um Besiedlung, im positiven Sinne um neue Vielfalt, entstanden in der kreativen Begegnung zweier Künstlerinnen. Im Negativen aber auch um Überlagerung und Verdrängung, versinnbildlicht durch ökologische Umwälzungen, ob mit oder ohne menschliches Zutun.

Die aus Lahr stammende, in Marburg lebende Künstlerin und Galeristin Petraccaro-Goertsches widmet sich unter ihrem Künstlernamen "JPG" einer Form der Malerei mit der Linse. Sie entdeckt in Alltagsbildern grafische Strukturen und Oberflächen, die sie mit der Kamera einfängt. Vier Jahre nach ihrer ersten Einzelausstellung in den Räumen von "L’art pour Lahr" setzt sie nun auf den kreativen Dialog mit der Hamburger Archäologin und Künstlerin Silke Rath.

In den hier erstmals gezeigten Gemeinschaftsarbeiten dient die Fotokunst von "JPG" als Untergrund für die am Computer darübergelegten Handzeichnungen von Silke Rath. Sie besiedeln wie fremde Organismen den gemeinsamen Objektträger. Es entsteht eine neue Betrachtungsebene, manchmal auch ein gemeinsamer Ausdruck. Motive aus Raths Serie "Plankton" manifestieren sich dabei in oft beiläufig wirkenden, nur schwer zu verortenden Strukturen von Bodenbelägen und Wänden, von Profilblechen, verschwommenen Flussbetten und Autoreifen. Sie tummeln sich auf einem oft diffus anmutenden Untergrund, überlagern ihn, treten manchmal auch in einen Dialog der sich annähernden oder konkurrierenden Formsprache.

Während die von "JPG" gezeigten Einzelarbeiten den Ausgangspunkt des künstlerischen Zwiegesprächs der beiden Frauen markieren, öffnet Rath ein ganz anderes Fenster. Dezent angelegte Farbräume auf Leinwand schimmern durch filigrane Cut-Outs, die diffizilen Muster kreisrunder Scherenschnitte, die in tagelanger Feinarbeit mit dem chirurgischen Skalpell entstehen.

Fleißarbeit trifft auf die handwerkliche Fertigkeit exakter Schnitte, das graphisch angelegte Muster schwingt sich auf zu einer wunderbar luftigen Leichtigkeit.

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